Kommt das Aus für AKW über den Versicherungsschutz?
Der oberösterreichische Umweltlandesrat Rudi Anschober:
Eine atomare Katastrophe wie im japanischen Fukushima würde in Europa Staaten in den Ruin reißen: Auf bis zu 420 Milliarden Euro werden die Schäden dieses Unfalls geschätzt. Unsere Atomkraftwerke sind für den Pannenfall nur minimal versichert. Den Großteil der Schäden aus einem Atomunfall müssten daher die Staaten und damit die Steuerzahler übernehmen.
Alle anderen Kraftwerke müssen für etwaige Schäden vollständig aufkommen. Der Landesrat sieht darin eine deutliche Wettbewerbsverzerrung und hat eine entsprechende Beschwerde bei EU-Energiekommissar Günther Oettinger eingereicht, der umgehend reagierte:
Die Kommission beabsichtigt, noch in der zweiten Jahreshälfte 2013 eine Initiative vorzulegen. Diese betrifft einen legislativen Vorschlag bezüglich Haftung und Versicherung von Schäden, die durch Unfälle in Nuklearanlagen verursacht werden.
Sollte dies tatsächlich dazu führen, dass Kernkraftwerke vollständig gegen Schäden über eine Haftpflichtversicherung versichert werden müssen, würde dies für die ohnehin bereits unwirtschaftliche Technologie das finanzielle Aus bedeuten. Schätzungen über Versicherungsprämien für Kernkraftwerke, die alle Schäden abdecken würde, bewegen sich im Rahmen zwischen 5 Euro und 30 Euro pro Kilowattstunde (kWh), wenn man die Kosten auf den Strompreis umlegt. Derzeit ist aufgrund des starken Überangebots an Kraftwerken eine Kilowattstunde bereits für 4 ct an der Strombörse zu haben.
Der Schaden könnte auch noch höher als die vom österreichischen Umweltlandesrat angegebenen 420 Milliarden Euro sein. In Deutschland hat man einen Schaden von bis zu 7,5 Billionen Euro errechnet, wenn man den Schaden für Wirtschaft und Gesundheit mit berücksichtigt hat.

Atomkatastrophe. Versicherungen kommen für den Schaden nicht auf. Der Bürger und die Betroffenen bleiben auf dem Schaden sitzen.
Trivia
Kernkraftwerke in Japan sind über eine Haftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von 1 Mrd. € abgesichert. Diese greift jedoch nicht bei Erdbeben.
Für den glimpflichen Verlauf der Krise in Japan (aufgrund der Westwinde sind Landmassen, bewohntes Gebiet und Wasserversorgung verhältnismäßig nur sehr gering betroffen) geben Schätzungen eine Schadenssumme von bis zu 100 Mrd. € an.
Gegenüber der Bankenrettung oder Steuerflüchtlingen sind das zwar nahezu “Peanuts”, aber der Schaden ist für die Menschen deutlich greifbarer. Land und Städte, die man nicht mehr betreten kann, Nahrung, die man nicht mehr essen kann, sind ein anhaltendes Mahnmal.
Links
- Kurier: AKW sollen für Atomunfälle zahlen
- Entwicklung des Strompreises: Neue Kernkraftwerke unwirtschaftlich
- Bauzeit und Baukosten für AKW mit AP1000 steigen
- Atomkraft tritt auf der Stelle und wird von Solar- und Windkraft überrannt
- Wie funktioniert der Strommarkt?
Wie bildet sich der Strompreis?
Brauchen wir Kernkraftwerke in Deutschland? - Strompreisexplosion
Oder: Wie die Bundesregierung die Energiewende abschafft - Zeitliche Entwicklung des Netto-Stromexport Deutschlands (echtzeit)
Bauzeit und Baukosten für AKW mit AP1000 steigen
Vor 13 Monaten hatte die amerikanische Atomaufsicht gegen die Empfehlung ihres damaligen Chefs den ersten Neubau eines Kernkraftwerks seit dem Unglück im Kernkraftwerk Three Mile Island genehmigt. Finanziert wird das Kraftwerk vom Typ AP1000 (wir berichteten zur Sicherheit) über eine Atom-Abgabe sowie durch eine staatliche Bürgschaft von 8,33 Mrd. US $ von US-Präsident Obama.
Schon im Mai 2012 stiegen die Kosten um eine Milliarde Dollar. Jetzt steigen die Baukosten erneut um etwa eine halbe Milliarde US $. Die Bauzeit erhöht sich um nahezu zwei Jahre (19 Monate). Die Projektpartner hoffen jedoch immer noch, dass sich die Endkosten für beide Reaktoren im Bereich von 14 Mrd. US$ bewegen. Durch Sparen an anderer Stelle wollen die Projektleiter die Mehrkosten bereits gedrückt haben. Die Bauarbeiten sollen jetzt Ende 2018 abgeschlossen werden. Insgesamt steigen mit dem Verzug und der Kostensteigerung die Finanzierungskosten deutlich. Viele Unternehmen halten aus diesen Gründen Kernenergie für unwirtschaftlich.
Für die Kosten des Projekts kommen aufgrund einer gesetzlichen Regelung die Stromkunden auf. Sie bezahlen eine Atomabgabe, die “nuclear fee”, auf ihre Stromrechnung. Diese Abgabe hat sich mit den steigenden Kosten seit 2011 inzwischen nahezu verdoppelt und ist nicht unumstritten.
Die nächsten Mehrkosten in der Größenordnung einer weiteren halben Milliarde US-Doller liegen derzeit bereits in der Luft. Durch die Verzögerung kommt es zu Rechtsstreitigkeiten zwischen den beteiligten Unternehmen um einem entsprechenden Streitwert. Diese Streitigkeiten lassen auf einen enormen Preisdruck und Ungereimtheiten bei den Aufgaben und der Verantwortung auf der Baustelle schließen. Gerade beim Bau von Kernkraftwerken sollten auf der Baustelle jedoch nicht Streitigkeiten, sondern die Sicherheit der Anlage im Fokus liegen.
Darüber, dass namhafte Wissenschaftler innerhalb und außerhalb der US Atomaufsicht diesen Reaktortyp für nicht sicher halten, haben wir bereits ausführlich berichtet. Der Chef der US-Atombehörde ist von seinem Posten zurück getreten, nachdem seine Behörde wiederholt Atommeiler dieses Typs gegen seine Expertise genehmigt hat.
Trivia
Die neuen Reaktoren sollen etwa 2 x 1117 MW (elektrisch) liefern. Kernkraftwerke haben umgelegt jährlich etwa 72% Vollaststunden, begründet durch Stillstand zur Wartung, zum Füllen des Reaktors und aufgrund von Betriebsstörungen. Damit kann man mit einer durchschnittlichen abgegebenen Leistung von 1675 MW für diese zwei neuen Reaktoren kalkulieren.
Um diese Energieausbeute mit Windkraftanlagen zu erhalten bräuchte man einen Windpark (auf Land) mit einer Nennleistung von 6700 MW (konservativ gerechnet, bei einer Ausbeute an Vollaststunden von 25%). Dazu benötigt man je nach Anlagentyp zwischen 880 und 2200 Windräder. Diese Anlagen bekommt man heute für unter 6 Mrd. Euro planungssicher aus der Serienfertigung (im Vergleich zu 14 Mrd. € für die AKW). Desweiteren fallen bei Windkraftanlagen keine Kosten für Brennstoff so wie dessen Gewinnung Aufbereitung, Lagerung, Schutz und Entsorgung an. Dafür muss durch Maßnahmen im Netz Vorsorge für wetterbedingte Lastschwankungen getroffen werden. Ab einem EE-Anteil von etwa 40% werden vermehrt Speichertechnologien notwendig.
Windkraftanlagen können günstig gegen alle Schäden, die durch sie verursacht werden können versichern. Nuklearkatastrophen dagegen sind von allen privaten Versicherungen ausgeschlossen – so auch von der Krankenversicherung. Kein Kernkraftwerk ist per Versicherungspolice für alle Schäden haftpflichtversichert. In Deutschland müssen alle Kraftwerke vollständig haftpflichtversichert sein – außer Kernkraftwerke. Schätzungen zufolge würde die Versicherung für Atomkraftwerke den Strompreis zwischen fünf Euro und 30 Euro pro kWh erhöhen. Das ist ein deutliches Indiz für das Risiko dieser Anlagen.
Links
- Nearly $1 Billion in Vogtle Nuclear Reactor Overruns (So Far)
- Vogtle nuclear project to take longer, cost more
- Kernkraftwerk Vogtle in der Wikipedia
- USA genehmigen zweiten AKW-Neubau
33 Jahre nach dem Unfall auf Three Mile Island
Der Chef der US-Atombehörde NRC ist erneut dagegen
- Wie sicher ist das neue AKW-Flaggschiff AP1000?
Die Serie in 7 Teilen zeigt auf, dass auch Nach Fukushima nicht auf Sicherheit geachtet wird und Erkenntnisse aus Praxis und Wissenschaft zugunsten politischer Interessen in den Wind geschlagen werden. - Entwicklung des Strompreises: Neue Kernkraftwerke unwirtschaftlich
- Wie funktioniert der Strommarkt?
Wie bildet sich der Strompreis?
Brauchen wir Kernkraftwerke in Deutschland? - Strompreisexplosion
Oder: Wie die Bundesregierung die Energiewende abschafft - Zeitliche Entwicklung des Netto-Stromexport Deutschlands (echtzeit)
- Wer verdient eigentlich am Atommüll? Oder: Die Lizenz zum Geld drucken
- Neue Atomreaktoren – Die Erfolgsaussichten
Nach dem Atomausstieg bleibt das Problem mit dem Müll. Die Atomindustrie will dafür neue Atomkraftwerke vorschlagen. Diese werden hier kurz vorgestellt und bewertet.
Atomkraft tritt auf der Stelle und wird von Solar- und Windkraft überrannt

Ruine AKW Stendal
Auch 2012 wurden weltweit nur zwei neue Reaktoren in Betrieb genommen und mit dem Bau von drei Reaktoren begonnen. Zwei wurden stillgelegt. Zwei AKW-Baustellen wurden endgültig wieder aufgegeben. Die Erneuerbaren Energien überrannten die Atomenergie.
Wie viele AKW-Reaktoren weltweit den Betrieb oder Bau beginnen und beenden:
Etwas abweichende Angaben: http://www-pub.iaea.org/MTCD/Publications/PDF/RDS2-32_web.pdf
Leck am Reaktordruckbehälter Gundremmingen C
Das FORUM Gundremmingen dazu in einer Meldung:
Das AKW Gundremmingen meldet am 10.12.12 eine Tropfleckage an einem Messstutzen unterhalb des Reaktordruckbehälters. Also am Hauptkreislauf, der mit einem Druck von 70 Bar und einer Temperatur von über 200° Celsius arbeitet. Eine Gefahr soll laut RWE nicht bestanden haben.
Da die veralteten Siedewasserreaktoren im Unterschied zu den später üblichen Druckwasserreaktoren zwar billiger waren aber nur einen Hauptkreislauf haben, ist das Wasser in diesem Hauptkreislauf radioaktiv. Noch können Außenstehende die Gefahr dieses Störfalls nicht beurteilen. Man muss aber daran erinnern, dass das AKW Gundremmingen als gefährlichstes AKW Deutschlands gilt. Denn es wird mit den letzten zwei von früher mal neun deutschen Siedewasserreaktoren betrieben.
Die Gundremminger Siedewasserreaktoren sind die letzten von der Baulinie 72, sind kaufmännisch abgeschrieben und seit 28 Jahren in Betrieb. Baulinie 72 bedeutet, dass sie zu einer Zeit konstruiert wurden, als beispielsweise Deutschlands meist produziertes Auto der VW-Käfer war. Auch diese Gundremminger Reaktoren haben wegen ihrer übergroßen Risiken keine ausreichende Haftpflichtversicherung.
Nachdem das AKW Gundremmingen seit über zwei Jahren eine Ursachenerklärung für die Häufung von undichten Spaltelementen schuldig ist, verlangen wir, dass die Erklärung für diese Leckage unter dem Reaktordruckbehälter baldmöglichst veröffentlicht wird.
Wir AntiAtomPiraten sind für einen unmittelbaren Ausstieg aus der Atomkraft. Dieser glimpflich verlaufene Schaden zeigt, dass diese Technologie nicht frei von Fehlern ist. Fehler bei Atomreaktoren können aber sehr dramatische Auswirkungen haben, wie uns nicht nur Tschernobyl oder Fukushima zeigen.
Links
MOX-Transport nach Grohnde
Die Brennelemente kommen vermutlich dieses Wochenende in Nordenham an.
Alles aktuelle und wissenswerte zum Transport der Brennelemente findet ihr auf dem Bog: AKW Grohnde – Nein Danke!
Aktuelles jeweils auf den Twitter-Tickern @castorticker und @MOX_Ticker.
Die Aktion findet unter dem Motto statt:
AKWs abschalten, Plutonium MOX-Verbot jetzt!

Abmahnungen gegen Kernkraftgegner nach Besuch des Atomkraftwerks Grohnde
Es wird viral. Ein Video aus dem E.ON-Kernkraftwerk Grohnde verbreitet sich und Blogbetreiber werden mit sehr fragwürdigen Anschreiben abgemahnt und eingeschüchtert.
Aufruf
Wer wurde aufgrund eines Beitrags über einen E.ON-Sprecher abgemahnt und wie reagiert ihr?
Ihr könnt euch gerne auch anonym und verschlüsselt an uns wenden. Schaut dazu auf unsere Kontakt-Seite.
Hintergrund
Wir haben am 24. Juli einen Videoclip präsentiert, indem der Sprecher des E.ON-Kernkraftwerks Grohnde irreführende Angaben zum Reaktorunglück in Fukushima macht und darlegt, dass die Kernindustrie nicht an den Atomausstieg glaubt. Eine Kopie des Clips gibt es weiter unten.
Darauf hin wurde unser Informant angezeigt, der während des Besuchs offen und mit Zustimmung des Sprechers im Besucherzentrum Aufnahmen gemacht hat. E.ON weist jede Verbindung zur Anzeige zurück und distanziert sich von ihrem leitenden Mitarbeiter. Wir gehen inzwischen davon aus, dass der Sprecher von E.ON mit rechtlichen Schritten gegen unseren Informanten vor geht.
Das Video und das zugehörige Transkript hat sich mittlerweile weiter im Netz verbreitet. Google listet über 400 Treffer, sucht man nach Phrasen aus dem von uns erstellten Transskript.
Wie wir jetzt erfahren, verfolgt der Leiter der internen Kommunikation des Kernkraftwerks Grohnde, Claus Sievert, weitere Blogger mit Abmahnungen, um die Unterlassung der weiteren Verbreitung zu fordern. Was uns besonders weit hergeholt erscheint: Der Anwalt des Sprechers macht in der Begründung der Abmahnungen Urheberrechte geltend.
Gerne hätten wir in Grohnde nachgefragt. Dort war man sehr an unserem Anruf interessiert (die Kollegen vor Ort baten den Kollegen am Telefon, den Lautsprecher einzuschalten), man wollte aber nicht mit uns sprechen. Die Kollegen waren offenbar gebrieft, Piraten keine Auskunft zu geben. Man hat uns an die Leiterin für Presse und Politik der E.ON Kraftwerke GmbH verwiesen. Diese ist gerade in Urlaub. Das Sekretariat wollte uns keine Auskunft geben.
FreitagsFilm: Der Störfall –
Was geschah wirklich in den AKWs von Vattenfall
Reportage: Der Störfall – Was geschah wirklich in den AKW von Vattenfall, WDR, 19.11.2007
Gleich zwei Notabschaltungen an einem Tag, das hatte es in der Geschichte der Atomkraftwerke bis zu jenem 28. Juni 2007 in Deutschland noch nicht gegeben. An diesem Donnerstag passierte gleich in zwei Atomkraftwerken etwas, das zunächst wie ein Desaster nur für den Betreiber Vattenfall aussah. Aber der Brand im Maschinentransformator AT 01 des AKW Krümmel und der Kurzschluss in einer Schaltanlage des AKW Brunsbüttel hatten viel mehr Konsequenzen als nur die Schnellabschaltung beider Atommeiler: Ein Störfall der ganz besonderen Art nimmt seinen Lauf, der „Vatten-Fall“ beginnt. Die Image-Kampagne als CO2-neutrale Kraftwerke gerät ins Wanken.
Links
Neue Atomreaktoren – Die Erfolgsaussichten
Ein Artikel von Votan:
Volker Tanger ist Diplom-Physiker / Berater im Bereich IT-Sicherheit. Er ist Pirat und vertritt die Piraten in der BVV Berlin Marzahn-Hellersdorf, Piratenfraktion.
Next Generation (Gen-4) Atomreaktoren

Generation IV Reaktortypen
Laut Generation IV International Forum könnten die Energie- und Entsorgungsprobleme durch “neue” Reaktortypen und Brutreaktoren gelöst werden. Die meist vorgeschlagenen Brutreatoren würden die Menge verfügbaren Brennmaterials deutlich vergrößern. Zunächst eine Vorstellung der Konzepte, dann eine Analyse. Die “neuen” Reaktorkonzepte sind dabei so alt, wie die derzeit genutzten. Vorgeschlagene Technologien sind: Den ganzen Beitrag lesen
FreitagsFilm: Unter Kontrolle:
Eine Archäologie der Atomkraft
Dieser Dokumentarfilm blickt hinter die Mauern der Kernkraftwerke.
Dokumentarfilm zur Nukleartechnik und -industrie aus dem Jahr 2011. Regie: Volker Sattel.
Der Traum von einer sorgenfreien, sauberen Atomkraft ist ausgeträumt. Der tiefe Glaube an den unaufhaltsamen technischen Fortschritt ist nachhaltig erschüttert. Was passiert wirklich hinter den Mauern der Kernkraftwerke? UNTER KONTROLLE macht das Unsichtbare sichtbar.
Der Film porträtiert verschiedene Orte des Nuklearbetriebs in Deutschland und Österreich und die dort arbeitenden Menschen. Laut Filmdatenblatt der Berlinale zeigt er „sowohl die monströse Technik, als auch das utopische Projekt“, steht „zwischen Science Fiction und Industriefilm“.
Links
- http://www.unterkontrolle-film.de/
- Zusammenstellung von Pressekritiken auf film-zeit.de (deutsch)
- TAZ vom 6. April 2011, „Die Welt der AKWs ist männlich“ Interview mit dem Regisseur
- Besprechung im Zeit-Kulturblog
- Auf den Spuren der Atomkraft, kurze Filmausschnitte und Bericht auf ARTE (ARTE-Journal, 22. März 2011)
E.ON-Sprecher informiert falsch zu Fukushima –
Anzeige gegen Journalisten
Vor einigen Tagen haben wir einen Videoclip online gestellt, den ein AntiAtomPirat und Listenkandidat der Piratenpartei für die Landtagswahl in Niedersachsen im Januar 2013 bei einem Besuch des Kernkraftwerks Grohnde angefertigt hat. Er war dort als Journalist vor Ort. Filmaufnahmen waren genehmigt. Er wurde nun in dieser Sache angezeigt. Der Vorwurf im Ermittlungsverfahren: Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes, Verdacht der Verleumdung. Das Video wurde durch YouTube aufgrund einer rechtlichen Beschwerde gesperrt.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors stellen wir das Transskript des Beitrags online.
Update 2012-08-24: Inzwischen hat ein Sprecher von E.ON uns gegenüber dementiert, dass E.ON etwas mit der Anzeige zu tun hat. Siehe Kommentar. Wir haben den Titel des Beitrags daraufhin entsprechend angepasst. Dieser lautete zuvor: “E.ON erstattet Anzeige gegen Journalisten”.
Update 2012-08-27: Unseren Recherchen zur Folge wird zum Tatvorwurf als Ereignisort das AKW Grohnde genannt und als Ereigniszeit der Zeitpunkt des Besuchs des Kraftwerks.
Vorher:
Jetzt:
Transskript des Beitrags:
Besuch im AKW Grohnde am 14. Juni 2012
Sprecher:
“Jetzt kann man sagen: Ja, wieso ist denn in Fukushima dieses furchtbare Unglück passiert, das war ja im Grunde eine Folge aus dieser Naturkatastrophe. Jetzt kann man das alles aufdröseln. Und da empfehle ich Ihnen einfach: Da muss man sich mal zwei Stunden Zeit nehmen. Wir haben da so eine Broschüre zusammengefasst vom Deutschen Atomforum, da kann man es sich also durchlesen. Ich könnte das zwar auch herunterbeten, aber es ist..Also als ich gehört habe, wenn das den Japanern passiert so etwas, dann müssen wir weltweit abschalten, weil in so einem Hochtechnologieland, wenn die es schon nicht im Griff haben, warum sollen wir alles im Griff haben.
Am Ende des Tages war ich sehr bestürzt und erschüttert, was dort für teilweise Fehlleistungen passiert sind und Versäumnisse. Jetzt kann man das auch nicht damit entschuldigen, dass diese Kollegen dieses Kraftwerk, was da jetzt havariert ist, in einem Jahr hätten abschalten wollen. Ja. Das war ja schon 40 Jahre alt.”
Diese Aussage ist irreführend und falsch. Richtig ist, dass für Block 1 in Fukushima im Frühjahr 2011, also noch vor der Katastrophe, die Betriebsgenehmigung ausgelaufen wäre. Diese wurde jedoch unmittelbar zuvor um weitere 10 Jahre verlängert.
Sprecher weiter:
“Da sind wir wieder bei dem Punkt, wo ich sage, egal ob wir wissen ob wir in 10 Jahren abschalten, Sie Herr $name und Sie können sich darauf verlassen, dass wir bis zum letzten Tag – natürlich auch in der Hoffnung, weil wir nicht glauben, dass wir in 10 Jahren abschalten – dass wir da investieren.Ja, ich sag das einfach mal so provokant, ich glaube das einfach nicht. Vielleicht hoffe ich es auch, aber ich kann es mir nicht vorstellen, aber ich konnte mir einiges nicht vorstellen bis vor einem Jahr mit der Rolle Rückwärts und hin und her und so weiter.”
Der Sprecher spricht Klartext: Die Betreiber glauben nicht daran, dass der Atomausstieg umgesetzt wird.
Sprecher weiter:
“Ich meine, Politik ist das eine und der sichere Betrieb von solchen Anlagen ist das andere.”Besucherin:
“Aber der sichere Betrieb produziert Atommüll, von dem wir nicht wissen, wohin…”Sprecher fällt ins Wort:
“Kommen wir auch noch zu, es gibt Schattenseiten, da bin ich ganz bei Ihnen. Da kommen wir noch zu, nichts im Leben ist umsonst.”
Der Sprecher ist der Leiter Interne Kommunikation E.ON KWG.
Kernkraftwerk Grohnde
| Betreiber | Gemeinschaftskernkraftwerk Grohnde GmbH & Co. oHG |
| Gesellschafter | E.ON Kernkraft (83,3% mittelbar) Stadtwerke Bielefeld (16,7%) |
| Mitarbeiter | 337 (davon 18 Auszubildende)* |
| Reaktortyp | Druckwasserreaktor |
| Nettoleistung | 1.360 MW |
| Inbetriebnahme | 1985 |







