FreitagsFilm: Yellow Cake

YELLOW CAKE – Uran-Bergbau. Die Lüge von der sauberen Energie
Ein Film von Joachim Tschirner
(2005 – 2010, 108 Min.)

Der Film begleitet fünf Jahre lang das größte Sanierungsprojekt in der Geschichte des Uranerzbergbaus – ein Projekt, das von der bundesdeutschen und internationalen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Er nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise, die von den ehemaligen Uranprovinzen Thüringen und Sachsen zu den großen Uranminen der Welt in Namibia, Australien und Kanada führt.

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Vor 55 Jahren:
Der Kyschtym-Unfall, eine der größten Nuklearkatastrophen

Der Kyschtym-Unfall ereignete sich am 29. September 1957 in der Kerntechnischen Aufbereitungsanlage Majak (Majak = russ. für „Leuchtturm“), einer Anlage zur industriellen Herstellung spaltbaren Materials in der Sowjetunion. Er gilt als drittschwerster Atomunfall der Geschichte (nach den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima) und wird mit INES 6 kategorisiert, da sehr große Mengen radioaktiver Substanzen an die Umwelt abgegeben wurden.

Damals und heute wurden Informationen nicht an die Bevölkerung herausgegeben. Arbeiter (die sogenannten “Liquidatoren”) mussten unter anderem mit Hilfe von Treckern die Erde umgraben, damit die Radioaktivität nicht an der Erdoberfläche blieb – ohne zu wissen, warum sie das tun sollten. Niemand informierte die Anwohner, dass eine Explosion stattgefunden hatte – sondern lediglich darüber, sie dürften kein Wasser verwenden und nicht im Fluß baden.

Auch heute noch gibt es “geschlossene Städte” in der Gegend. Großstädte, die nicht einmal auf Landkarten verzeichnet werden:

Atomunfall

Die bei der Aufbereitung der abgebrannten Uranbrennstäbe zur Gewinnung des spaltbaren Plutonium-239 angefallenen, hochradioaktiven flüssigen Rückstände wurden in großen Tanks gelagert. Diese mussten gekühlt werden, weil durch den radioaktiven Zerfall der Stoffe Nachzerfallswärme entstand. Nachdem im Laufe des Jahres 1956 die Kühlleitungen eines dieser 300 Kubikmeter fassenden Tanks undicht geworden waren und die Kühlung ausfiel, begannen die Inhalte dieses Tanks zu trocknen.

Am 29. September 1957 löste der Funke eines internen Kontrollgeräts eine Explosion der auskristallisierten Nitratsalze aus. Es handelte sich um eine chemische (keine nukleare) Explosion, die große Mengen radioaktiver Stoffe freisetzte. Darunter befanden sich langlebige Isotope wie z. B. Strontium 90 (Halbwertszeit 29 Jahre), Cäsium-137 (30 Jahre) und Plutonium-239 (24.110 Jahre).

Die Explosion soll laut Zeugenberichten als leuchtender Schein noch hunderte Kilometer entfernt sichtbar gewesen sein und in damaligen sowjetischen Zeitungen als Wetterleuchten beziehungsweise Polarlicht erklärt worden sein.

Luftbild der kerntechnischen Anlage Majak
(Quelle: panoramio: V5555)

Folgen

Insgesamt wurde durch den Unfall nach Angaben der Produktionsfirma Majak und der Behörden Materie mit einer Radioaktivität von 400 PBq (4 · 1017 Bq) über eine Fläche von etwa 20.000 Quadratkilometern verteilt. Der Unfall ist damit hinsichtlich der Radioaktivität des freigesetzten Materials vergleichbar mit der Tschernobyl-Katastrophe. Andere Quellen sprechen von deutlich höheren Mengen freigesetzter Radioaktivität.

Etwa 90 % des radioaktiven Materials verblieb auf dem Betriebsgelände, 10 % wurde durch Winde bis zu 400 km in nordöstliche Richtung verteilt (Fallout) und bildete die sogenannte “Osturalspur” (siehe folgende Landkarte).


Durch den Kyschtym-Unfall kontaminiertes Gebiet: “Ostural-Spur” (Quelle: Jan Rieke)

Das betroffene Gebiet von 20.000 km2 hatte damals etwa 270.000 Einwohner. Ein etwa 1.000 km2 großes Gebiet, das mit mehr als 74 kBq pro Quadratmeter mit Strontium 90 verseucht war, wurde sieben bis zehn Tage später evakuiert. Verschiedene Quellen sprechen von 600 bis 1.200 Betroffenen. Die durchschnittliche Äquivalenzdosis auf das Knochenmark der 1054 Bewohner der drei am nächsten gelegenen Dörfer betrug etwa 570 Millisievert. Acht Monate darauf wurden weitere 6.500 Personen aufgrund der Kontamination ihrer Nahrung in Sicherheit gebracht. Insgesamt wurden etwa 10.700 Personen umgesiedelt.

Im Unterschied zur Katastrophe von Tschernobyl wurde das Material lokal und regional verteilt. Der heftige Graphitbrand in Tschernobyl beförderte einen Großteil der Radionuklide hoch in die Atmosphäre hinauf, während bei Majak aufgrund geringerer Thermik eine bodennahe Wolke entstand. Die hohe Konzentration der Radioaktivität, mangelnde Aufklärung der Bevölkerung, die nicht flächendeckende Evakuierung der Gegend und unzureichende Dekontamination führten zu hohen Schäden in der betroffenen Region. Eine genaue Opferzahl kann nicht angegeben werden, da keine belastbaren Studien und Untersuchungen vorliegen.

Lange geheimgehalten und vertuscht

Die Zeit schreibt am 28.08.2008:

Es ist der größte atomare Unfall der Geschichte: Vor 50 Jahren explodierte am Ural ein Depot mit nuklearem Abfall. Dabei wurde erheblich mehr Radioaktivität freigesetzt als knapp dreißig Jahre später beim GAU in Tschernobyl. (…)

Von diesem Unglück drang nichts an die Öffentlichkeit, und jahrzehntelang ist es die bestverschwiegene Atomkatastrophe der Geschichte geblieben. Dass sie überhaupt noch zu Sowjetzeiten publik wurde, ist vor allem einem Mann zu verdanken: Shores Medwedjew. (…)

Im Jahre 1976 erwähnte der Exilant in einem Beitrag für die Zeitschrift New Scientist nebenbei das Unglück hinter dem Ural. Was er nicht ahnen konnte: Er stach damit in ein Wespennest. Seine Widersacher saßen jedoch nicht in der Sowjetunion, sondern im Westen. Atomlobbyisten bezweifelten vehement die Tatsache eines Unfalls. Sie standen damals mit dem Rücken zur Wand. Es hatte Pannen und Verseuchungen auch im Westen gegeben, vor allem im Reaktor von Windscale in Großbritannien und im Kerntechnischen Zentrum Hanford in den USA – eine atomare Katastrophe im Osten konnte man nicht gebrauchen.

(Quelle: Zeit – lesenswerter Artikel!)




Der Unfall wurde 1989 offiziell bestätigt, 32 Jahre nach dem Ereignis.

Diese Vertuschung und Geheimhaltung scheint auch heute noch Früchte zu tragen. Fragt einfach mal in Eurem Bekanntenkreis nach den größten Nuklearkatastrophen – und Ihr werdet sehen, dass nur wenige an die Katastrophe von Majak denken.

Der am stärksten radioaktiv belastete Ort der Erde

Der Karatschai-See in der Region Majak gilt als einer der am stärksten radioaktiv belasteten Orte der Erde.

Atomare Abfälle aus der Atomanlage Majak wurden zwischen 1949 und 1951 ausschliesslich direkt in das Tetscha-Flusssystem entsorgt – insgesamt in etwa 8 Millionen Kubikmeter hochradioaktiven flüssigen Abfalls mit einer Gesamtaktivität von etwa 106 Peta-Becquerel (PBq, 1,06 · 1017 Bq). Zu dieser Zeit bezogen ca. 120.000 Bewohner der Region teilweise ihr Trinkwasser hieraus.

Da sehr schnell massenhaft gesundheitliche Folgen von Strahlungsschäden bei der Bevölkerung und den Arbeitern vor Ort auftraten, wurden ab 1951 bis 1953 die Abfallströme in den Karatschai-See umgeleitet. Ab 1953 begann man, den Abfall in Tanks zu deponieren und reduzierte so die Einleitungen in den See deutlich. Einer dieser Tanks explodierte bei der Katastrophe von Kyschtym am 29.09.1957.

In den 1960ern begann der See auszutrocknen. Seine Oberfläche verkleinerte sich von 0,5 km² im Jahr 1951 auf 0,15 km² Ende 1993.

Nach einer Trockenheit trug der Wind im Jahre 1968 radioaktiven Staub von der trockengefallenen, früher vom See bedeckten Fläche weg und belastete eine halbe Million Menschen sowie eine Fläche von 1.800 km² mit 185 Peta-Becquerel an Strahlung (fünf Millionen Curie), eine ähnliche Strahlungsdosis wie sie in Hiroshima nach dem Abwurf der Atombombe Little Boy freigesetzt wurde.

(Quelle: Wikipedia)

Um weitere Sedimentbewegungen zu verhindern, wurde der See zwischen 1978 und 1986 mit Beton-Hohlkörpern aufgefüllt und vollständig zubetoniert.

Vor oder um 1991 lag die Strahlenbelastung am Karatschai-See im am stärksten belasteten Bereich bei etwa 6 Gray/Stunde.

Ungeschützt wäre diese Strahlung für einen Menschen bereits nach einer Stunde tödlich. Laut russischen Wissenschaftlern riskiert jeder, der sich in der Nähe des Sees aufhält, eine akute Strahlenkrankheit.

Es kann für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden, dass das Wasser des Sees über Grundwasserströme in Kontakt mit dem Fluss Tetscha und damit dem Ob kommt. Auf diese Weise könnte die Radioaktivität auch den Arktischen Ozean erreichen.

„Wenn sich die Radioaktivität des Karatschai-Sees in den Arktischen Ozean, eine der letzten großen Wildnisse, ergießen sollte, könnte sie die halbe Erde erreichen.“

(Quelle: Wikipedia)

Heute.

Nach Angaben der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit kam es zwischen 1948 und 2008 zu acht dokumentierten, schwerwiegenderen Ereignissen.

Majak ist heute umgeben von einer etwa von einer etwa 250 km² großen Sperrzone, die weiterhin bewohnt wird. Seit 1987 wird in Majak kein kernwaffenfähiges Material mehr produziert. Die Produktion von Radionukliden und die Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen steht nun im Vordergrund.

Die Gebiete der Osturalspur gelten – neben dem Karatschai-See und dem Tetscha-Flusssystem – als stark kontaminiert.


(Bild: Ecodefense, Heinrich Boell Stiftung Russia, Alla Slapovskaya, Alisa Nikulina)

Auf einer Veranstaltung in Chelyabinsk (Russland) nahm Majak-Direktor Sergej Baranow 2010 erstmals gegenüber Schweizer Medienvertretern Stellung und beteuert, dass alles in Ordnung sei und keinerlei Gefahr von Majak ausgehe.

Seit dem 19. November 2010 dürfen leicht radioaktive Abfälle offiziell direkt im Fluß entsorgt werden, da sie nicht mehr als als Abfälle gelten.

Gewässer rund um die Anlage dienten und dienen zur Entsorgung und Lagerung von radioaktivem Abfall. Flüssiger radioaktiver Abfall, der vor allem bei der Aufarbeitung entstand, wurde in den ersten Jahren der Plutoniumproduktion in den Fluss Tetscha eingeleitet.

Um zu verhindern, dass die im Sediment des Flusses nahe der Einleitungsstelle abgesetzten Radionuklide weiter flussabwärts gespült werden, wurde im Laufe der Zeit ein umfangreiches System aus Kanälen und Staubecken angelegt. Ursprünglich floss die Tetscha vom Irtjasch-See durch den Kysyltasch-See.

Inzwischen wird das Wasser des Flusses zu großen Teilen bereits davor über den linken (nördlichen) Böschungskanal etwa 40 km lang umgeleitet, bevor es wieder ins ursprüngliche Flussbett eingeleitet wird. Dazwischen befinden sich mehrere künstlich angelegte Staubecken (V-3, V-4, V-10 und V-11) über dem ursprünglichen Flusslauf, von denen V-10 mit etwa 8.500 Tera-Becquerel (TBq, 8,5 · 1015 Bq) am stärksten radioaktiv belastet ist.

Auch der Fluss Mischeljak, der früher auf Höhe des Reservoirs V-10 in die Tetscha mündete, wird über den rechten (südlichen) Böschungskanal an den Staubecken vorbei geleitet. Die Kanäle münden in den etwa 30 km2 großen Asanowski-Sümpfen, die mit 220 TBq (2,2 · 1014 Bq) belastet sind.

(Quelle: Wikipedia)

Der Dokumentarfilm „Verseuchtes Land – die Atomfabrik Majak“ der Nichtregierungsorganisation “Greenworld” aus St. Petersburg zeigt die Situation heute und stellt die Menschen in den Mittelpunkt:

Links

Text: Auszüge aus Wikipedia


(Redakteure: JS/KH, 29.09.2012)

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FreitagsFilm: Die Wolke – Tschernobyl und die Folgen

Die Wolke – Tschernobyl und die Folgen, Dokumentarfilm, mdr 2010 Erstausstrahlung: 12. März, 2011, nominiert für den Grimme Preis 2012

Der Reaktorunfall von Tschernobyl, die erste globale Industriekatastrophe. Interviews mit Zeitzeugen und Archivmaterial aus Ost und West rekonstruieren den Verlauf des Supergaus und die Reaktion darauf.

Links

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Tschernobyl – vor 26 Jahren
Die Katastrophe in den Medien
Zahl der Opfer in Europa ungeklärt

Presseberichte der ersten 5 Tage. Die ersten Nachrichten kamen 3 Tage nach der Katastrophe.

Deutsche Politiker haben sofort ausgeschlossen, dass eine Gefahr in Deutschland bestünde und dass in Deutschland auch kein solches Ereignis stattfinden kann. Deutschland habe die sichersten Kernkraftwerke der Welt….
(hier der Bundesinnenminister Dr. jur. Zimmermann, CSU, zuvor NSDAP, dessen Ministerium auch die Fälschung des Gorleben-Gutachtens mit veranlasst hat)

Im Folgenden zunächst Auszüge der Wikipedia, dann Daten aus einer Studie der Ärzte-Organisation IPPNW. Den ganzen Beitrag lesen

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FreitagsFilm: Die deutsch-französische Atom-Spaltung


Die deutsch-französische Atomspaltung,arte, 2012-03-06

Entlang des Rheins treffen zwei Industrienationen aufeinander, deren Atomtechnik weltweit führend ist, deren Atomkultur sich jedoch diametral unterscheidet.

Deutsche und Franzosen könnten in ihrer Haltung zur Atomkraft nicht unterschiedlicher sein.

In Deutschland hat sich über Jahrzehnte eine breite Anti-Atom-Bewegung aufgebaut, die sich am Ende – Fukushima gab den letzten Anstoß – durchgesetzt hat.

Die Regierung in Frankreich setzt weiterhin auf die Kernenergie. Noch folgt ihr die Bevölkerungsmehrheit, nicht zuletzt dank billiger Strompreise.

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