FreitagsFilm: Machen Sie ihren Job! Bauern weisen die Regierungauf die ernste Situation in Fukushima hin

Am 6. Juni hatten Bauern eine Aussprache mit Vertreten der japanischen Regierung zu ihrer Situation.

Die Lage ist dramatisch. Die Bauern bemängeln, dass die Radioakrivität der Böden nicht gemessen wird. Hoch belastete Böden werden nur erkannt, wenn die Belastung der Lebensmittel über dem Grenzwert liegt. Die Böden werden nicht abgetragen, sondern nur unter gepflügt. Die radioaktiven Stoffe bleiben im Boden.

Ein Reisbauer findet klare Worte:

Verstehen Sie die Bedeutung von “De” in Dekontamination? So brauen wir uns nicht zu wundern, dass die radioaktive Belastung nicht sinkt. Wir verdünnen sie allenfalls.

Die Freude an der Ernte unserer Arbeit ist uns vergangen.

Die Bauern kennen die radioaktive Belastung der Ernte. Wenn sie unter dem Grenzwert liegt, dann dürfen wir sie verkaufen, aber ich selbst wage nicht, diese Lebensmittel zu essen.

[Anm.: Die Bauern erhalten eine Kompensationszahlung für den verminderten Preis.]

Die Bauern werfen der Regierung vor, untätig zu sein und sich nicht für den Schutz der Bevölkerung einzustehen.

Der Regierungsvertreter antwortet mit schnell herunter gespulten Floskeln, ohne auf die konkreten Fragen der Bauern einzugehen. Er bat darum, nicht weiter diese Gerüchte zu verbreiten.

Ein Bauer kommentiert dies scharf:

Wenn es nur ein Gerücht ist, dann lassen sie es von meinem Land verschwinden, so dass ich es nicht mehr messen kann!

Machen Sie endlich ihren Job!

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FreitagsFilm: Alles paletti in Fukushima!?

Bericht einer Japanerin darüber, wie Japan die Katastrophe bewältigt.

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Fukushima: Schilddrüsenkrebs bei Kindern

In den letzten Tagen gab es wieder neue Nachrichten über neue Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern in Fukushima. Inzwischen sind dort 210.000 Kinder untersucht. Es gibt 18 bestätigte Krebsfälle und 25 Verdachtsfälle, bei denen Krebs nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist. Diese Fälle werden regelmäßig kontrolliert.

Treten verdächtig viele Krebsfälle auf?

Einige Publikationen verbreiten jetzt die Ansicht, dass die festgestellten Fälle nicht auf das Reaktorunglück zurück zu führen sind. Sie rechnen vor, dass die Häufigkeit bezogen auf die Anzahl untersuchter Fälle normal sei, also mit der Situation ohne Reaktorunfall vergleichbar. Das ist falsch. Wer das behauptet, der lügt, verbreitet Desinformation, wie es die Atomlobby und auch die Kanzlerin leider so oft tun.

Die Anzahl der Fälle wäre im normalen bis erhöhten Rahmen, wenn es sich um Erkrankungen bei Erwachsenen im Rentenalter handeln würde. Es handelt sich aber um Kinder. Die normale Rate von Schilddrüsenfällen bei Kindern geht gegen Null. Es dürfte eigentlich so gut wie keine Fälle geben.

Die Österreichische Ärztezeitung meldete den ersten Fall im September 2012. 36% der damals bereits untersuchten 38.000 Kinder wiesen dabei Zysten und Knoten auf, die sich zu Krebsgeschwüren entwickeln können. 10 Fälle wurden als Verdachtsfall eingestuft, das Alter der Betroffenen war durchschnittlich 15 Jahre.

Spreadnews meldet im Februar 2013, dass sich zwei Verdachtsfälle inzwischen bestätigt haben und die Summe der Krebsfälle auf drei stieg. Alle drei kinder sind bereits operiert. Damit haben wir im Zeitraum von sechs Monaten (März bis August) 15 neue Fälle bei einer beobachteten Gruppe von 210.000 Kindern. Hochgerechnet sind das 14,3 Fälle pro 100.000 Menschen pro Jahr. Dieses Maß nennt man Inzidenz (Fälle pro 100.000 Menschen, pro Jahr). Ein Wert von 14,3 ist für Kinder deutlich jenseits von “normal”.

Häufigkeit in Erkrankungen von Schilddrüsenkrebs pro 100.000 Menschen, aufgelistet nach Alter in Europa (nur Länder mit gesicherten Daten). Daten aus Japan habe ich leider nicht gefunden. Bild: Universität Bielefeld

Selbst wenn man an nimmt man habe diese Fälle nicht frühzeitig erkannt, da die Untersuchung erst jetzt statt findet, der Krebs aber sei bereits im Jahr zuvor angelegt gewesen, liegt man mit einer Häufigkeit von 8,57 Fällen auf 100.000 Kinder immer noch deutlich über dem üblichen Maß von ungefähr Null.

Häufung nach Nuklearunfällen

Nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl hat man etwa 4 Jahre nach der Katastrophe einen deutlichen Anstieg von Schilddrüsenkrebs festgestellt, auch bei Kindern. Die Steigerungsrate ist in einem Zeitraum von 4 Jahren angestiegen.

Das lässt für die Kinder von Fukushima in den nächsten Jahren ebenfalls einen weiteren, deutlichen Anstieg von Krebsfällen vermuten.

Jodtabletten

Zu den Erkrankungen kommt es, wenn bei einer Katastrophe spaltbares Material aus dem Reaktorkern freigesetzt wird. Bei den freigesetzten Spaltprodukten befindet sich auch radioaktives Jod. Das Jod ist relativ leicht flüchtig und verbreitet sich weiträumig. Auch reichert es sich in Lebensmitteln an, zum Beispiel in Milch. In Japan gelangte es auch in das Trinkwasser.

Der Körper reichert Jod in der Schilddrüse an, so auch das radioaktive Jod. Dort werden dann die Zellen durch die radioaktive Strahlung geschädigt. Es können sich Knoten und Zysten bilden, die sich zu Krebs entwickeln können. Ob Krebs tatsächlich entsteht ist absoluter Zufall, aber um so wahrscheinlicher, je mehr Radioaktivität man abbekommen hat.

Um sich davor zu schützen sollte man Jobtabletten einnehmen, damit die Schilddrüse bereits voll mit Jod ist und kein weiteres Jod mehr aufnehmen kann, wenn der Körper das radioaktive Jod auf nimmt. Daher sollte man die Jod-Tabletten möglichst etwa 2 Stunden vor Eintreffen der radioaktiven Wolke einnehmen.

Die Jodtabletten werden in Deutschland in Sammelstellen gelagert. Sie sollen im Bedarfsfall an die Bevölkerung ausgegeben werden. Ich halte diese Strategie für Praxisfremd, da im Katastrophenfall innerhalb weniger Stunden die Tabletten an Millionen von Menschen ausgegeben werden müssen. Das ist logistisch weitgehend unmöglich und wurde nach meinem Kenntnisstand noch nie geprobt.

Ich wäre gespannt auf die Antworten der Behörden, wenn Bürger aufs Amt gehen um nach den Tabletten und deren Verteilung zu fragen. In Japan hat die Verteilung von Jodtabletten versagt. Große Gebiete sind nicht versorgt worden, viele andere Gebiete viel zu spät, Teilweise erst Tage nach der Havarie.

Gemessene Strahlenbelastung in Fukushima an einzelnen Messstellen des Kernkraftwerks.
Die Block-3-Explosion ist wegen Westwind “unsichtbar”. Die Größenverhältnisse zwischen den früheren und den späteren Ereignissen täuschen, weil erstere in großer Höhe durch die Schornsteine und über die Messstationen hinweg gingen. (Bild: Gemeinfrei)

Die Vorgänge zeigen die katastrophale Lage des Zivilschutzes gegenüber Nuklearkatastrophen in der modernen Nation Japan. Fragt man als Bürger zum Beispiel in Deutschland oder der Schweiz die Behörden, trifft man auch dort auf Hilflosigkeit, selten auf Antworten.

Ich als Pirat sage:

Wir müssen die Bevölkerung bei einen Katastrophenfall besser schützen und uns auf eine Katastrophe besser vorbereiten. Der derzeitige Katastrophenschutz ist grob fahrlässig.

Noch besser wäre, die Kernkraftwerke sofort still zu legen und damit das Risiko einer Katastrophe möglichst gering zu halten.

Jürgen Stemke

Andere Ursachen?

Die jetzigen Fälle in Japan lassen sich nicht mit den Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki oder der Atomkatastrophe von Tschernobyl begründen. Wer das behauptet, der lügt.

Das verantwortliche, radioaktive Jod zerfällt sehr schnell, es hat eine Halbwertszeit von 8 Tagen. Nach 80 Tagen sind bereits 99,9% des Jods in das nicht radioaktive Xenon zerfallen. Die Schäden, die den Krebs auslösen, entstehen in den ersten Stunden, Tagen und Wochen nach der Freisetzung des radioaktiven Jods. Der Krebs kann dann noch Jahre und Jahrzehnte später ausbrechen. Die jetzt betroffenen Kinder können kein Jod der Bomben oder von Tschernobyl aufgenommen haben, da dieses längst zerfallen und damit unschädlich ist.

Heilungschancen

Die Chancen den Krebs zu besiegen sind sehr gut. Bei einer guten Früherkennung liegen die Überlebensraten bei über 95%. Allerdings ist man danach nie mehr gesund. Man ist ständig auf Medikamente angewiesen. Man versucht den Körper stets auf einer Überdosis an Jod zu halten, damit sich mögliche Krebszellen nicht wieder vermehren.

Dies hat auch Auswirkungen auf den Stoffwechsel, den Hormonhaushalt und die Lebensqualität der betroffenen Menschen.

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Japan:
Bürger wollen Stillegung des AKW Shika einklagen

Kernkraftwerk Shika, Blöcke 1 und 2. Foto: 自ら撮影

Kernkraftwerk Shika, Blöcke 1 und 2. Foto: 自ら撮影

Das Kernkraftwerk Shika steht auf einer tektonischen Verwerfung. Die Stillegung des Kernkraftwerks wegen mangelnder Erdbebensicherheit war in der Vergangenheit nach einer Klage von Bürgern aus dem Jahre 1999 bereits gerichtlich angeordnet worden. 2009 wurde diese Urteil jedoch vom Obergericht Nagoya wieder aufgehoben.

Jetzt wollen die Bürger wieder klagen. Das Kernkraftwerk müsste einem Beben der Stärke 7,3 standhalten können, die Betreiberfirma garantiert jedoch nur Sicherheit bis zu einem Erdbeben der Stärke 6,8.

Die kritischste Störung des Kraftwerks fand ebenfalls 1999 statt. Der Reaktorkern wurde falsch mit Brennstäben bestückt und war daraufhin für etwa 15 Minuten außer Kontrolle geraten. Dieser Störfall wurde erst 2007 bekannt. Die Behörden waren nicht informiert worden.

 

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Japan:
Wände von Reaktorgebäude 4 schwer beschädigt
Atommüll soll schnell geborgen werden

Fukushima Daiichi, Reaktorblock 4. Aufgenommen am 1. Juni 2012. Ein Großteil der Wände des Gebäudes fehlt. Die restlichen Wände sind deformiert.

Fukushima Daiichi, Reaktorblock 4. Aufgenommen am 1. Juni 2012. Ein Großteil der Wände des Gebäudes fehlt. Die restlichen Wände sind deformiert.

Die Außenwände des Gebäudes sind schwer beschädigt. Die verbliebenen Außenwände weisen Verformungen auf. Das gesamte Gebäude würde sich leicht zur Seite neigen. Die Erdbebensicherheit sei jedoch gewährleistet, so der Betreiber Tepco.

Andere Experten sehen dies kritischer. Sie halten die Gebäudestabilität für in Frage gestellt, insbesondere sollte sich ein weiteres heftiges Erdbeben ereignen. Ein solches wird bereits seit Jahren erwartet. Das Tōhoku-Erdbeben vom März 2011 war nicht das erwartete “Große Beben”.

Besonders ungünstig wäre ein Versagen des Gebäudes für das Atommülllager im Obergeschoss des Gebäudes. Das Abklingbecken beinhaltet derzeit 1553 verbrauchte (und damit besonders gefährliche) Brennelemente, sowie 204 noch unverwendete Brennelemente. Ein Brennelement besteht aus 74 Brennstäben. Das sind insgesamt über 130.000 Brennstäbe. Die verbrauchten Brennstäbe müssen noch über mehrere Jahre aktiv mit Wasser gekühlt werden, um eine Selbstentzündung zu verhindern

Tepco möchte noch dieses Jahr beginnen, das Abklingbecken zu räumen, deutlich früher als ursprünglich geplant. Auch hier gibt es wieder Kritiker, die vor einem überstürzten Räumen des Atomlagers warnen.

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