Stresstest für Endlager Asse und Konrad

Risse und Einbrüche, Zeichen des einstürzenden Grubengebäudes des Atommülllagers in der Asse. Foto: Jürgen Stemke
Von Christian Kerl, Asse-Info:
BERLIN. Zwei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima unterzieht die Bundesregierung jetzt doch auch die Atomendlager Asse, Schacht Konrad und Morsleben einem Stresstest. Dabei wird geprüft, wie gut die Endlager für radioaktive Abfälle zum Beispiel gegen Erdbeben oder Flugzeugabstürze geschützt sind – über die bisherigen Anforderungen hinaus.
Das wurde gestern im Bundesumweltministerium bekannt. Nach Angaben aus Regierungskreisen wird zudem auch das Strahlentechnik-Unternehmen Eckert und Ziegler in Braunschweig in die Untersuchung einbezogen. Die Stresstests führt die Entsorgungskommission des Ministeriums durch. Sie hat jetzt eine Überprüfung von Atommüll-Zwischenlagern abgeschlossen. Fazit: Die Anlagen erreichen in fast allen Fällen das höchste Stresslevel, sind robust genug.
Links:
- Braunschweiger Zeitung vom 21.3.2013
Maschinen rütteln an der Asse - Braunschweiger Zeitung vom 21.3.2013:
Die Asse wird räumlich genau dargestellt
Bauzeit und Baukosten für AKW mit AP1000 steigen
Vor 13 Monaten hatte die amerikanische Atomaufsicht gegen die Empfehlung ihres damaligen Chefs den ersten Neubau eines Kernkraftwerks seit dem Unglück im Kernkraftwerk Three Mile Island genehmigt. Finanziert wird das Kraftwerk vom Typ AP1000 (wir berichteten zur Sicherheit) über eine Atom-Abgabe sowie durch eine staatliche Bürgschaft von 8,33 Mrd. US $ von US-Präsident Obama.
Schon im Mai 2012 stiegen die Kosten um eine Milliarde Dollar. Jetzt steigen die Baukosten erneut um etwa eine halbe Milliarde US $. Die Bauzeit erhöht sich um nahezu zwei Jahre (19 Monate). Die Projektpartner hoffen jedoch immer noch, dass sich die Endkosten für beide Reaktoren im Bereich von 14 Mrd. US$ bewegen. Durch Sparen an anderer Stelle wollen die Projektleiter die Mehrkosten bereits gedrückt haben. Die Bauarbeiten sollen jetzt Ende 2018 abgeschlossen werden. Insgesamt steigen mit dem Verzug und der Kostensteigerung die Finanzierungskosten deutlich. Viele Unternehmen halten aus diesen Gründen Kernenergie für unwirtschaftlich.
Für die Kosten des Projekts kommen aufgrund einer gesetzlichen Regelung die Stromkunden auf. Sie bezahlen eine Atomabgabe, die “nuclear fee”, auf ihre Stromrechnung. Diese Abgabe hat sich mit den steigenden Kosten seit 2011 inzwischen nahezu verdoppelt und ist nicht unumstritten.
Die nächsten Mehrkosten in der Größenordnung einer weiteren halben Milliarde US-Doller liegen derzeit bereits in der Luft. Durch die Verzögerung kommt es zu Rechtsstreitigkeiten zwischen den beteiligten Unternehmen um einem entsprechenden Streitwert. Diese Streitigkeiten lassen auf einen enormen Preisdruck und Ungereimtheiten bei den Aufgaben und der Verantwortung auf der Baustelle schließen. Gerade beim Bau von Kernkraftwerken sollten auf der Baustelle jedoch nicht Streitigkeiten, sondern die Sicherheit der Anlage im Fokus liegen.
Darüber, dass namhafte Wissenschaftler innerhalb und außerhalb der US Atomaufsicht diesen Reaktortyp für nicht sicher halten, haben wir bereits ausführlich berichtet. Der Chef der US-Atombehörde ist von seinem Posten zurück getreten, nachdem seine Behörde wiederholt Atommeiler dieses Typs gegen seine Expertise genehmigt hat.
Trivia
Die neuen Reaktoren sollen etwa 2 x 1117 MW (elektrisch) liefern. Kernkraftwerke haben umgelegt jährlich etwa 72% Vollaststunden, begründet durch Stillstand zur Wartung, zum Füllen des Reaktors und aufgrund von Betriebsstörungen. Damit kann man mit einer durchschnittlichen abgegebenen Leistung von 1675 MW für diese zwei neuen Reaktoren kalkulieren.
Um diese Energieausbeute mit Windkraftanlagen zu erhalten bräuchte man einen Windpark (auf Land) mit einer Nennleistung von 6700 MW (konservativ gerechnet, bei einer Ausbeute an Vollaststunden von 25%). Dazu benötigt man je nach Anlagentyp zwischen 880 und 2200 Windräder. Diese Anlagen bekommt man heute für unter 6 Mrd. Euro planungssicher aus der Serienfertigung (im Vergleich zu 14 Mrd. € für die AKW). Desweiteren fallen bei Windkraftanlagen keine Kosten für Brennstoff so wie dessen Gewinnung Aufbereitung, Lagerung, Schutz und Entsorgung an. Dafür muss durch Maßnahmen im Netz Vorsorge für wetterbedingte Lastschwankungen getroffen werden. Ab einem EE-Anteil von etwa 40% werden vermehrt Speichertechnologien notwendig.
Windkraftanlagen können günstig gegen alle Schäden, die durch sie verursacht werden können versichern. Nuklearkatastrophen dagegen sind von allen privaten Versicherungen ausgeschlossen – so auch von der Krankenversicherung. Kein Kernkraftwerk ist per Versicherungspolice für alle Schäden haftpflichtversichert. In Deutschland müssen alle Kraftwerke vollständig haftpflichtversichert sein – außer Kernkraftwerke. Schätzungen zufolge würde die Versicherung für Atomkraftwerke den Strompreis zwischen fünf Euro und 30 Euro pro kWh erhöhen. Das ist ein deutliches Indiz für das Risiko dieser Anlagen.
Links
- Nearly $1 Billion in Vogtle Nuclear Reactor Overruns (So Far)
- Vogtle nuclear project to take longer, cost more
- Kernkraftwerk Vogtle in der Wikipedia
- USA genehmigen zweiten AKW-Neubau
33 Jahre nach dem Unfall auf Three Mile Island
Der Chef der US-Atombehörde NRC ist erneut dagegen
- Wie sicher ist das neue AKW-Flaggschiff AP1000?
Die Serie in 7 Teilen zeigt auf, dass auch Nach Fukushima nicht auf Sicherheit geachtet wird und Erkenntnisse aus Praxis und Wissenschaft zugunsten politischer Interessen in den Wind geschlagen werden. - Entwicklung des Strompreises: Neue Kernkraftwerke unwirtschaftlich
- Wie funktioniert der Strommarkt?
Wie bildet sich der Strompreis?
Brauchen wir Kernkraftwerke in Deutschland? - Strompreisexplosion
Oder: Wie die Bundesregierung die Energiewende abschafft - Zeitliche Entwicklung des Netto-Stromexport Deutschlands (echtzeit)
- Wer verdient eigentlich am Atommüll? Oder: Die Lizenz zum Geld drucken
- Neue Atomreaktoren – Die Erfolgsaussichten
Nach dem Atomausstieg bleibt das Problem mit dem Müll. Die Atomindustrie will dafür neue Atomkraftwerke vorschlagen. Diese werden hier kurz vorgestellt und bewertet.





