Abmahnungen gegen Kernkraftgegner nach Besuch des Atomkraftwerks Grohnde

Es wird viral. Ein Video aus dem E.ON-Kernkraftwerk Grohnde verbreitet sich und Blogbetreiber werden mit sehr fragwürdigen Anschreiben abgemahnt und eingeschüchtert.

Aufruf

Wer wurde aufgrund eines Beitrags über einen E.ON-Sprecher abgemahnt und wie reagiert ihr?

Ihr könnt euch gerne auch anonym und verschlüsselt an uns wenden. Schaut dazu auf unsere Kontakt-Seite.

Hintergrund

Wir haben am 24. Juli einen Videoclip präsentiert, indem der Sprecher des E.ON-Kernkraftwerks Grohnde irreführende Angaben zum Reaktorunglück in Fukushima macht und darlegt, dass die Kernindustrie nicht an den Atomausstieg glaubt. Eine Kopie des Clips gibt es weiter unten.

Darauf hin wurde unser Informant angezeigt, der während des Besuchs offen und mit Zustimmung des Sprechers im Besucherzentrum Aufnahmen gemacht hat. E.ON weist jede Verbindung zur Anzeige zurück und distanziert sich von ihrem leitenden Mitarbeiter. Wir gehen inzwischen davon aus, dass der Sprecher von E.ON mit rechtlichen Schritten gegen unseren Informanten vor geht.

Das Video und das zugehörige Transkript hat sich mittlerweile weiter im Netz verbreitet. Google listet über 400 Treffer, sucht man nach Phrasen aus dem von uns erstellten Transskript.

Wie wir jetzt erfahren, verfolgt der Leiter der internen Kommunikation des Kernkraftwerks Grohnde, Claus Sievert, weitere Blogger mit Abmahnungen, um die Unterlassung der weiteren Verbreitung zu fordern. Was uns besonders weit hergeholt erscheint: Der Anwalt des Sprechers macht in der Begründung der Abmahnungen Urheberrechte geltend.

Gerne hätten wir in Grohnde nachgefragt. Dort war man sehr an unserem Anruf interessiert (die Kollegen vor Ort baten den Kollegen am Telefon, den Lautsprecher einzuschalten), man wollte aber nicht mit uns sprechen. Die Kollegen waren offenbar gebrieft, Piraten keine Auskunft zu geben. Man hat uns an die Leiterin für Presse und Politik der E.ON Kraftwerke GmbH verwiesen. Diese ist gerade in Urlaub. Das Sekretariat wollte uns keine Auskunft geben.


Das strittige Video

Link zum Download des Beitrags:http://ge.tt/2AaeXWM/v/0

Transskript des Beitrags:

Besuch im AKW Grohnde am 14. Juni 2012

Sprecher:
“Jetzt kann man sagen: Ja, wieso ist denn in Fukushima dieses furchtbare Unglück passiert, das war ja im Grunde eine Folge aus dieser Naturkatastrophe. Jetzt kann man das alles aufdröseln. Und da empfehle ich Ihnen einfach: Da muss man sich mal zwei Stunden Zeit nehmen. Wir haben da so eine Broschüre zusammengefasst vom Deutschen Atomforum, da kann man es sich also durchlesen. Ich könnte das zwar auch herunterbeten, aber es ist..

Also als ich gehört habe, wenn das den Japanern passiert so etwas, dann müssen wir weltweit abschalten, weil in so einem Hochtechnologieland, wenn die es schon nicht im Griff haben, warum sollen wir alles im Griff haben.

Am Ende des Tages war ich sehr bestürzt und erschüttert, was dort für teilweise Fehlleistungen passiert sind und Versäumnisse. Jetzt kann man das auch nicht damit entschuldigen, dass diese Kollegen dieses Kraftwerk, was da jetzt havariert ist, in einem Jahr hätten abschalten wollen. Ja. Das war ja schon 40 Jahre alt.”

Diese Aussage ist irreführend und falsch. Richtig ist, dass für Block 1 in Fukushima im Frühjahr 2011, also noch vor der Katastrophe, die Betriebsgenehmigung ausgelaufen wäre. Diese wurde jedoch um weitere 10 Jahre verlängert.

Sprecher weiter:
“Da sind wir wieder bei dem Punkt, wo ich sage, egal ob wir wissen ob wir in 10 Jahren abschalten, Sie Herr $name und Sie können sich darauf verlassen, dass wir bis zum letzten Tag – natürlich auch in der Hoffnung, weil wir nicht glauben, dass wir in 10 Jahren abschalten – dass wir da investieren.

Ja, ich sag das einfach mal so provokant, ich glaube das einfach nicht. Vielleicht hoffe ich es auch, aber ich kann es mir nicht vorstellen, aber ich konnte mir einiges nicht vorstellen bis vor einem Jahr mit der Rolle Rückwärts und hin und her und so weiter.”

Der Sprecher spricht Klartext: Die Betreiber glauben nicht daran, dass der Atomausstieg umgesetzt wird.

Sprecher weiter:
“Ich meine, Politik ist das eine und der sichere Betrieb von solchen Anlagen ist das andere.”

Besucherin:
“Aber der sichere Betrieb produziert Atommüll, von dem wir nicht wissen, wohin…”

Sprecher fällt ins Wort:
“Kommen wir auch noch zu, es gibt Schattenseiten, da bin ich ganz bei Ihnen. Da kommen wir noch zu, nichts im Leben ist umsonst.”

Der Sprecher ist der Leiter Interne Kommunikation E.ON KWG. Da unterstellen wir, dass er sich in der Materie und mit den Umständen über die er redet auskennt.

Die Energieversorger haben auch 1993 gelogen. In ihrer Kampagne zusammen mit Frau Merkel hieß es damals wider besseren Wissens, man könne Deutschland nicht mit Sonne, Wasser und Wind versorgen. Maximal 4% seien drin. Heute sind wir schon bei  über 25%! 1993 rechnete man an der Uni Hannover mit einem damals aktuellen Potential von 64% allein durch Photovoltaik in Städten zur Versorgung derselben.

Wer kritisch fragt, wird wohl doch eher zum Kernkraftgegner.
Die Energieversorger haben auch 1993 gelogen. In ihrer Kampagne zusammen mit Frau Merkel hieß es damals wider besseren Wissens, man könne Deutschland nicht mit Sonne, Wasser und Wind versorgen. Maximal 4% seien drin. 1993 war der EE-Anteil bei 3,9%. Das war eine Steigerung um 5,5% gegenüber 1992.
Heute sind wir bei über 25%! 1993 rechnete man an der Uni Hannover mit einem damals aktuellen Potential von 64% allein durch Photovoltaik in Städten zur Versorgung derselben.
Bild: Ausschnitt Printwerbung diverser Energieversorger

Links

Du magst diesen Artikel? Teile ihn mit anderen:

Kommentare

3 Kommentare zu “Abmahnungen gegen Kernkraftgegner nach Besuch des Atomkraftwerks Grohnde”

  1. Carsten Thomsen-Bendixen am September 19th, 2012 14:15

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    noch einmal zur Klarstellung: E.ON hat niemanden wegen der Veröffentlichung eines Videos angzeigt. Und E.ON hat in dieser Sache auch niemanden abgemahnt.

    Bei der zitierten Aussage des Mitarbeiters handelt es sich ausschließlich um seine private Meinung und in keiner Weise um die Position von E.ON. Der Mitarbeiter hatte und hat keine Führungsfunktion bei E.ON und ist nicht mehr in der Öffentlichkeitsarbeit des Kernkraftwerks Grohnde tätig.

    Mit freundlichen Grüßen
    Carsten Thomsen-Bendixen
    Leiter Globale Kommunikation E.ON AG

  2. Abmahnung: E.ON Dementi wie glaubhaft? Offener Brief an Carsten Thomsen-Bendixen « #3malgoe am September 20th, 2012 13:04

    [...] auf Kommentar bei Anti-Atom-Piraten von Carsten Thomsen-Bendixen, Leiter Globale Kommunikation E.ON [...]

  3. Abmahnung: E.ON Dementi wie glaubhaft? Offener Brief an Carsten Thomsen-Bendixen « am September 20th, 2012 13:08

    [...] auf Kommentar bei Anti-Atom-Piraten von Carsten Thomsen-Bendixen, Leiter Globale Kommunikation E.ON [...]

Schreibe einen Kommentar