Vor 55 Jahren:
Der Kyschtym-Unfall, eine der größten Nuklearkatastrophen

Der Kyschtym-Unfall ereignete sich am 29. September 1957 in der Kerntechnischen Aufbereitungsanlage Majak (Majak = russ. für „Leuchtturm“), einer Anlage zur industriellen Herstellung spaltbaren Materials in der Sowjetunion. Er gilt als drittschwerster Atomunfall der Geschichte (nach den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima) und wird mit INES 6 kategorisiert, da sehr große Mengen radioaktiver Substanzen an die Umwelt abgegeben wurden.

Damals und heute wurden Informationen nicht an die Bevölkerung herausgegeben. Arbeiter (die sogenannten “Liquidatoren”) mussten unter anderem mit Hilfe von Treckern die Erde umgraben, damit die Radioaktivität nicht an der Erdoberfläche blieb – ohne zu wissen, warum sie das tun sollten. Niemand informierte die Anwohner, dass eine Explosion stattgefunden hatte – sondern lediglich darüber, sie dürften kein Wasser verwenden und nicht im Fluß baden.

Auch heute noch gibt es “geschlossene Städte” in der Gegend. Großstädte, die nicht einmal auf Landkarten verzeichnet werden:

Atomunfall

Die bei der Aufbereitung der abgebrannten Uranbrennstäbe zur Gewinnung des spaltbaren Plutonium-239 angefallenen, hochradioaktiven flüssigen Rückstände wurden in großen Tanks gelagert. Diese mussten gekühlt werden, weil durch den radioaktiven Zerfall der Stoffe Nachzerfallswärme entstand. Nachdem im Laufe des Jahres 1956 die Kühlleitungen eines dieser 300 Kubikmeter fassenden Tanks undicht geworden waren und die Kühlung ausfiel, begannen die Inhalte dieses Tanks zu trocknen.

Am 29. September 1957 löste der Funke eines internen Kontrollgeräts eine Explosion der auskristallisierten Nitratsalze aus. Es handelte sich um eine chemische (keine nukleare) Explosion, die große Mengen radioaktiver Stoffe freisetzte. Darunter befanden sich langlebige Isotope wie z. B. Strontium 90 (Halbwertszeit 29 Jahre), Cäsium-137 (30 Jahre) und Plutonium-239 (24.110 Jahre).

Die Explosion soll laut Zeugenberichten als leuchtender Schein noch hunderte Kilometer entfernt sichtbar gewesen sein und in damaligen sowjetischen Zeitungen als Wetterleuchten beziehungsweise Polarlicht erklärt worden sein.

Luftbild der kerntechnischen Anlage Majak
(Quelle: panoramio: V5555)

Folgen

Insgesamt wurde durch den Unfall nach Angaben der Produktionsfirma Majak und der Behörden Materie mit einer Radioaktivität von 400 PBq (4 · 1017 Bq) über eine Fläche von etwa 20.000 Quadratkilometern verteilt. Der Unfall ist damit hinsichtlich der Radioaktivität des freigesetzten Materials vergleichbar mit der Tschernobyl-Katastrophe. Andere Quellen sprechen von deutlich höheren Mengen freigesetzter Radioaktivität.

Etwa 90 % des radioaktiven Materials verblieb auf dem Betriebsgelände, 10 % wurde durch Winde bis zu 400 km in nordöstliche Richtung verteilt (Fallout) und bildete die sogenannte “Osturalspur” (siehe folgende Landkarte).


Durch den Kyschtym-Unfall kontaminiertes Gebiet: “Ostural-Spur” (Quelle: Jan Rieke)

Das betroffene Gebiet von 20.000 km2 hatte damals etwa 270.000 Einwohner. Ein etwa 1.000 km2 großes Gebiet, das mit mehr als 74 kBq pro Quadratmeter mit Strontium 90 verseucht war, wurde sieben bis zehn Tage später evakuiert. Verschiedene Quellen sprechen von 600 bis 1.200 Betroffenen. Die durchschnittliche Äquivalenzdosis auf das Knochenmark der 1054 Bewohner der drei am nächsten gelegenen Dörfer betrug etwa 570 Millisievert. Acht Monate darauf wurden weitere 6.500 Personen aufgrund der Kontamination ihrer Nahrung in Sicherheit gebracht. Insgesamt wurden etwa 10.700 Personen umgesiedelt.

Im Unterschied zur Katastrophe von Tschernobyl wurde das Material lokal und regional verteilt. Der heftige Graphitbrand in Tschernobyl beförderte einen Großteil der Radionuklide hoch in die Atmosphäre hinauf, während bei Majak aufgrund geringerer Thermik eine bodennahe Wolke entstand. Die hohe Konzentration der Radioaktivität, mangelnde Aufklärung der Bevölkerung, die nicht flächendeckende Evakuierung der Gegend und unzureichende Dekontamination führten zu hohen Schäden in der betroffenen Region. Eine genaue Opferzahl kann nicht angegeben werden, da keine belastbaren Studien und Untersuchungen vorliegen.

Lange geheimgehalten und vertuscht

Die Zeit schreibt am 28.08.2008:

Es ist der größte atomare Unfall der Geschichte: Vor 50 Jahren explodierte am Ural ein Depot mit nuklearem Abfall. Dabei wurde erheblich mehr Radioaktivität freigesetzt als knapp dreißig Jahre später beim GAU in Tschernobyl. (…)

Von diesem Unglück drang nichts an die Öffentlichkeit, und jahrzehntelang ist es die bestverschwiegene Atomkatastrophe der Geschichte geblieben. Dass sie überhaupt noch zu Sowjetzeiten publik wurde, ist vor allem einem Mann zu verdanken: Shores Medwedjew. (…)

Im Jahre 1976 erwähnte der Exilant in einem Beitrag für die Zeitschrift New Scientist nebenbei das Unglück hinter dem Ural. Was er nicht ahnen konnte: Er stach damit in ein Wespennest. Seine Widersacher saßen jedoch nicht in der Sowjetunion, sondern im Westen. Atomlobbyisten bezweifelten vehement die Tatsache eines Unfalls. Sie standen damals mit dem Rücken zur Wand. Es hatte Pannen und Verseuchungen auch im Westen gegeben, vor allem im Reaktor von Windscale in Großbritannien und im Kerntechnischen Zentrum Hanford in den USA – eine atomare Katastrophe im Osten konnte man nicht gebrauchen.

(Quelle: Zeit – lesenswerter Artikel!)




Der Unfall wurde 1989 offiziell bestätigt, 32 Jahre nach dem Ereignis.

Diese Vertuschung und Geheimhaltung scheint auch heute noch Früchte zu tragen. Fragt einfach mal in Eurem Bekanntenkreis nach den größten Nuklearkatastrophen – und Ihr werdet sehen, dass nur wenige an die Katastrophe von Majak denken.

Der am stärksten radioaktiv belastete Ort der Erde

Der Karatschai-See in der Region Majak gilt als einer der am stärksten radioaktiv belasteten Orte der Erde.

Atomare Abfälle aus der Atomanlage Majak wurden zwischen 1949 und 1951 ausschliesslich direkt in das Tetscha-Flusssystem entsorgt – insgesamt in etwa 8 Millionen Kubikmeter hochradioaktiven flüssigen Abfalls mit einer Gesamtaktivität von etwa 106 Peta-Becquerel (PBq, 1,06 · 1017 Bq). Zu dieser Zeit bezogen ca. 120.000 Bewohner der Region teilweise ihr Trinkwasser hieraus.

Da sehr schnell massenhaft gesundheitliche Folgen von Strahlungsschäden bei der Bevölkerung und den Arbeitern vor Ort auftraten, wurden ab 1951 bis 1953 die Abfallströme in den Karatschai-See umgeleitet. Ab 1953 begann man, den Abfall in Tanks zu deponieren und reduzierte so die Einleitungen in den See deutlich. Einer dieser Tanks explodierte bei der Katastrophe von Kyschtym am 29.09.1957.

In den 1960ern begann der See auszutrocknen. Seine Oberfläche verkleinerte sich von 0,5 km² im Jahr 1951 auf 0,15 km² Ende 1993.

Nach einer Trockenheit trug der Wind im Jahre 1968 radioaktiven Staub von der trockengefallenen, früher vom See bedeckten Fläche weg und belastete eine halbe Million Menschen sowie eine Fläche von 1.800 km² mit 185 Peta-Becquerel an Strahlung (fünf Millionen Curie), eine ähnliche Strahlungsdosis wie sie in Hiroshima nach dem Abwurf der Atombombe Little Boy freigesetzt wurde.

(Quelle: Wikipedia)

Um weitere Sedimentbewegungen zu verhindern, wurde der See zwischen 1978 und 1986 mit Beton-Hohlkörpern aufgefüllt und vollständig zubetoniert.

Vor oder um 1991 lag die Strahlenbelastung am Karatschai-See im am stärksten belasteten Bereich bei etwa 6 Gray/Stunde.

Ungeschützt wäre diese Strahlung für einen Menschen bereits nach einer Stunde tödlich. Laut russischen Wissenschaftlern riskiert jeder, der sich in der Nähe des Sees aufhält, eine akute Strahlenkrankheit.

Es kann für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden, dass das Wasser des Sees über Grundwasserströme in Kontakt mit dem Fluss Tetscha und damit dem Ob kommt. Auf diese Weise könnte die Radioaktivität auch den Arktischen Ozean erreichen.

„Wenn sich die Radioaktivität des Karatschai-Sees in den Arktischen Ozean, eine der letzten großen Wildnisse, ergießen sollte, könnte sie die halbe Erde erreichen.“

(Quelle: Wikipedia)

Heute.

Nach Angaben der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit kam es zwischen 1948 und 2008 zu acht dokumentierten, schwerwiegenderen Ereignissen.

Majak ist heute umgeben von einer etwa von einer etwa 250 km² großen Sperrzone, die weiterhin bewohnt wird. Seit 1987 wird in Majak kein kernwaffenfähiges Material mehr produziert. Die Produktion von Radionukliden und die Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen steht nun im Vordergrund.

Die Gebiete der Osturalspur gelten – neben dem Karatschai-See und dem Tetscha-Flusssystem – als stark kontaminiert.


(Bild: Ecodefense, Heinrich Boell Stiftung Russia, Alla Slapovskaya, Alisa Nikulina)

Auf einer Veranstaltung in Chelyabinsk (Russland) nahm Majak-Direktor Sergej Baranow 2010 erstmals gegenüber Schweizer Medienvertretern Stellung und beteuert, dass alles in Ordnung sei und keinerlei Gefahr von Majak ausgehe.

Seit dem 19. November 2010 dürfen leicht radioaktive Abfälle offiziell direkt im Fluß entsorgt werden, da sie nicht mehr als als Abfälle gelten.

Gewässer rund um die Anlage dienten und dienen zur Entsorgung und Lagerung von radioaktivem Abfall. Flüssiger radioaktiver Abfall, der vor allem bei der Aufarbeitung entstand, wurde in den ersten Jahren der Plutoniumproduktion in den Fluss Tetscha eingeleitet.

Um zu verhindern, dass die im Sediment des Flusses nahe der Einleitungsstelle abgesetzten Radionuklide weiter flussabwärts gespült werden, wurde im Laufe der Zeit ein umfangreiches System aus Kanälen und Staubecken angelegt. Ursprünglich floss die Tetscha vom Irtjasch-See durch den Kysyltasch-See.

Inzwischen wird das Wasser des Flusses zu großen Teilen bereits davor über den linken (nördlichen) Böschungskanal etwa 40 km lang umgeleitet, bevor es wieder ins ursprüngliche Flussbett eingeleitet wird. Dazwischen befinden sich mehrere künstlich angelegte Staubecken (V-3, V-4, V-10 und V-11) über dem ursprünglichen Flusslauf, von denen V-10 mit etwa 8.500 Tera-Becquerel (TBq, 8,5 · 1015 Bq) am stärksten radioaktiv belastet ist.

Auch der Fluss Mischeljak, der früher auf Höhe des Reservoirs V-10 in die Tetscha mündete, wird über den rechten (südlichen) Böschungskanal an den Staubecken vorbei geleitet. Die Kanäle münden in den etwa 30 km2 großen Asanowski-Sümpfen, die mit 220 TBq (2,2 · 1014 Bq) belastet sind.

(Quelle: Wikipedia)

Der Dokumentarfilm „Verseuchtes Land – die Atomfabrik Majak“ der Nichtregierungsorganisation “Greenworld” aus St. Petersburg zeigt die Situation heute und stellt die Menschen in den Mittelpunkt:

Links

Text: Auszüge aus Wikipedia


(Redakteure: JS/KH, 29.09.2012)

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Mox-Transporte: Waffenfähiges Plutonium mehr als 1000 Kilometer unterwegs durch Europa

Stoppt die MOX-Transporte!

MOX – das ist die Kurzform für “Mischoxid-Brennstoff”.

Was für den Laien harmlos klingen mag, bedeutet in der Kerntechnik die Notwendindigkeit von deutlich größeren Sicherheitsvorkehrungen aufgrund eines höheren Risikos.

MOX-Brennelemente beinhalten im Gegensatz zu “normalen” Brennelementen ein weiteres Oxid – meistens Plutoniumdioxid. Plutionium ist wegen der stärkeren Radioaktivität wesentlich gefährlicher als Uran. Würde bei einem Störfall im Atomkraftwerk Grohnde Plutonium frei, dann könnte schon das Einatmen weniger Milligramm tödlich wirken.

Zurzeit ist ein Transport von acht MOX-Brennelementen aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield zum Atomkraftwerk Grohnde unterwegs. Ein weiterer Transport soll im November folgen. Nach Informationen des AKW-Betreibers E.ON an die Anwohner enthalten beide Lieferungen 400 Kilogramm Plutonium.

Zum Vergleich: Für die Atombombe auf Nagasaki, die “Fat Man” wurden 6,2 kg Plutonium verwendet, wovon lediglich circa 20 Prozent, also knapp 1240 Gramm, im Fissions-Prozess gespalten wurden. Der Atompilz stieg 18 Kilometer hoch. Etwa 22.000 Menschen waren sofort tot, weitere etwa 39.000 starben innerhalb der nächsten 16 Wochen. Andere Schätzungen gehen von 70.000 bis 80.000 Toten aus.

Atombombenabwurf mit einer Boeing B-29 Superfortress auf Nagasaki am 9. August 1945. Der Atompilz stieg 18 km hoch.

Vom frischen MOX-Brennelement zum Plutoniummetall, das vorzugsweise als Waffenstoff eingesetzt wird, bedarf es nur weniger Schritte. Prinzipiell wäre aber auch ohne chemische Umwandlung MOX für eine einfache Atomwaffe zu verwenden.

Einsatz von Mox-Brennelemente in Kernreaktoren

Plutonium kann in Form von MOX-Brennstoff in Kernreaktoren eingesetzt und dort zur Energieerzeugung genutzt werden. Bei Leichtwasserreaktoren ist dies eine Option, bei Brutreaktoren eine Notwendigkeit, denn die dort benötigte hohe Neutronenausbeute der Kernspaltung wird nur mit einem genügend hohen Plutonium-239-Anteil im Brennstoff (und Spaltung durch schnelle, nichtmoderierte Neutronen) erreicht.

Spätestens seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima ab März 2011 wurde allgemein bekannt, dass MOX-Brennelemente in 21 französischen, in zehn der damals 17 deutschen Kernreaktoren und in einigen in Japan zum Einsatz kamen.[2] Insgesamt enthielten Anfang des Jahres 2011 rund 30 thermische Reaktoren in Europa (Belgien, Schweiz, Deutschland und Frankreich) MOX und weitere 20 erhielten die Erlaubnis dazu. [3] Eine Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen zur Herstellung von MOX erfolgt hauptsächlich in Großbritannien und Frankreich, in einem geringeren Ausmaß in Russland, Indien und Japan. In China gibt es Planungen für Schnelle Brüter und Wiederaufbereitungsanlagen. Die USA betreiben – mit Unterbrechungen wegen der möglichen Verwendung des Plutoniums in Nuklearwaffen – seit längerem entsprechende Wiederaufbereitungsanlagen.

(Quelle: Wikipedia)

Bereits 1992 lag eine Studie der GRS (Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit) GmbH vor, nach der die MOX-Technik nicht nur unsinnig, sondern auch leichtfertig sei.

Der Spiegel berichtete in seiner Ausgabe 07/1992 vom 10.02.1992:

Der Thomas-Bericht (der GRS) belegt, daß die westdeutsche Atomindustrie seit mehr als zehn Jahren mit den gefährlichen Brennstäben hantiert, ohne die Risiken für Reaktoren und Umwelt je sorgsam geprüft zu haben.

Weil die plutoniumhaltigen Brennstäbe im Reaktor weitaus aggressiver strahlen (“Spektrumsverhärtung”) und länger im Atommeiler bleiben (“höherer Abbrand”) als Uran-Elemente, erhöht sich auch die “Beanspruchung des Kernbrennstoffs und der Brennelemente-Werkstoffe” (Thomas) – mit gefährlichen Konsequenzen:

  • Die “Außenkorrosion” der metallenen Brennelemente-Hüllrohre steigt – die etwa daumenstarken Schutzrohre, die den Brennstoff hermetisch vom Kühlwasser abschirmen sollen, verrotten also schneller als bei herkömmlichen Uran-Elementen.
  • Der “Innendruckaufbau” in den MOX-Elementen ist so stark, daß unter bestimmten Bedingungen eine “Spaltgasfreisetzung” droht – die Hüllrohre können durch den Gasdruck platzen, ihr hochradioaktiver Inhalt kann das Kühlwasser verseuchen.
  • Die MOX-Brennelemente beeinträchtigen die Wirksamkeit der das Atomfeuer regelnden Steuerstäbe im Reaktor – im Notfall könne “das sichere Abschalten des Reaktors” gefährdet sein.
  • “Bei Störungen und Störfällen” raube die höhere Wärmeentwicklung (“Nachzerfallswärme”) der plutoniumhaltigen Brennstäbe den Reaktor-Bedienungsmannschaften entscheidende Sekunden, um “störfallbegrenzende Maßnahmen” zu ergreifen.
  • Schmilzt in einem mit MOX-Brennelementen bestückten Reaktor ein Teil des atomaren Inventars, droht auch nach einer erfolgreichen Notkühlung noch der Super-GAU – ein Katastrophen-Szenario, das bei der Analyse von Kernschmelzunfällen bislang nicht untersucht wurde

(Quelle: Der Spiegel, Ausgabe 07/1992)

Geändert hat sich nichts.

Die GRS (Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit) GmbH 2010 zu den Risiken:

Beim Betrieb von Kernkraftwerken hat MOX-Brennstoff in sicherheitstechnischer Hinsicht dennoch einige ungünstigere Eigenschaften gegenüber UO2-Brennstoff wie z.B.:

  • erhöhte Faktoren für Leistungsspitzen in den MOX-Brennelementen
  • erhöhter Innendruck in den Brennstäben durch höhere Spaltgasfreisetzung und
  • ein schnelleres Reagieren bei Änderungen des Reaktorzustands.

(Quelle: GRS, 19.08.2010 “Begriff der Woche: MOX-Brennelement”)

Welche deutschen AKW verfügen über MOX-Einsatzgenehmigungen?

Folgende deutsche Atomkraftwerke verfügen über Einsatzgenehmigungen für MOX-Brennelemente (Stand 2010):

Die Verweilzeit der MOX-Brennelemente im Reaktorkern beträgt in der Regel vier Jahre. Unter dieser Annahme befanden sich Ende 2008 rund 170 Tonnen MOX-Brennelemente in den Kernkraftwerken Emsland, Brokdorf, Unterweser, Philippsburg-2, Gundremmingen, Isar-2 und Grafenrheinfeld.

Mox-Brennelemente-Transporte in der BRD

2010 hat die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen eine Studie bezüglich der Transporte radioaktiver Stoffe in der Bundesrepublik Deutschland in Auftrag gegeben, die im Februar 2011 veröffentlich wurde. Darin heisst es:

MOX-Pellets bzw. unbestrahlte Brennelemente mit MOX-Brennstoff sind mechanisch und thermisch vergleichbar widerstandsfähig wie die aus Uran. Der Transport von MOX-Brennelementen erfolgt jedoch wegen des Plutoniuminventars in Typ-B-Behältern.

Außerdem wird wegen der höheren Sicherungsstufe gegen „Sonstige Einwirkungen Dritter“ der Straßentransport in einem speziellen Sicherheitsfahrzeug durchgeführt. Das Gefahrenpotenzial der Transporte über Land bezüglich Freisetzungen nach Transportunfällen ist deshalb insgesamt eher geringer als bei Uran-Brennelementen.

Sehr schwere Unfälle bei einem Transport ohne Sicherheitsfahrzeug können jedoch erhebliche Freisetzungen verursachen.

MOX-Transporte besitzen einen höheren Symbolwert als Urantransporte und durch das Plutoniuminventar im Falle eines terroristischen Angriffs auch deutlich größere radiologische Auswirkungen. Deshalb sind die Auswirkungen eines terroristischen Angriffs in die Bewertung des Gesamtgefahrenpotenzials einzubeziehen. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass MOX dieser Art für Gruppen, die Atomwaffen bauen wollen oder im Auftrag solcher Staaten handeln, besonders interessant ist.

Gelangt ein Behälter mit frischen Uran- oder MOX-Brennelementen nach einem Unfall beim Seetransport in tiefe Gewässer, ist in Abhängigkeit von der Wassertiefe nach längerer Zeit das Versagen des Behälters zu erwarten. Die Brennelemente verbleiben aber vermutlich im Behälter. Eine anschließende Auslaugung und danach folgende Ausbreitung ist über sehr lange Zeiträume zu erwarten.

(Quelle: Studie: Transporte radioaktiver Stoffe in der Bundesrepublik Deutschland. Auftraggeber: Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen. Auftragnehmer: intac – Beratung · Konzepte · Gutachten zu Technik und Umwelt GmbH – Februar 2011 )

MOX-Transporte: Die Realität

Derzeit ist sind die MOX-Brennelemente aus der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield unterwegs zum Hafen Nordenham auf der “Atlantic Osprey”. Die Fahrt dauert in etwa 2 Tage.

Das Schiff wurde im Jahr 1986 von der Werft J.J.Sietas im Hamburg als Ro/Ro (Roll-on/Roll-off) Autofähre gebaut und unter dem Namen Alster Rapid von der Reederei Henry Stahl abgenommen.

Anti-Atom-Initiativen kritisieren die Sicherheitsmängel der “Atlantic Osprey”. Sie habe keine Doppelwand, kein zweites Antriebssystem und kein Querschott zum Abdichten von eindringendem Wasser. Die Initiative “Cuxhaven bleibt atomfrei” hat die Geschichte der “Atlantic Osprey” zusammengefasst:

Vorgeworfen wird dem Schiff sein für einen Atomfrachter völlig veraltetes Bauprinzip mit nur 1 Maschine, 1 Ruder und ohne doppelte Rumpfhülle. Von der Bauart her ist es vergleichbar mit der 1987 im Ärmelkanal gesunkenen „Herald of Free Enterprise“ oder der 1994 auf den Grund der Ostsee gesunkenen „Estonia“. Ab 2001 wurde zwar notdürftig nachgerüstet, unter anderem ein wasserdichtes Schott hinter der Heckklappe und ein weiteres Schott im Schiff, eine fest installierte Wasserlöschanlage (wobei sich atomare Brände nicht mit Wasser löschen lassen) und eine CO2-Löschanlage (die aber nur unter völligem Sauerstoffabschluss wirken kann, was auf dem Autodeck eines Schiffes bezweifelt werden muss).

Der eigentliche Skandal ist aber, dass dieses Schiff nach den Untergängen von Estonia und Herald im absolut unsicheren Zustand unbehelligt jahrelang weiter atomare Fracht befördern durfte.

Weiter tauchen schon seit Jahren immer wieder Berichte auf, nach denen das Schiff in Fahrt häufig sein AIS-System abschaltet. AIS heißt Automatisches Identifikationssystem und dient u.a. dazu, dass speziell Schiffe mit gefährlicher Fracht von anderen Schiffen frühzeitig erkannt werden und diese dann entspechend Abstand halten können. Das Abschalten von AIS ist ein klarer Verstoss gegen internationale Schifffahrtsregeln.

Angesichts der häufig transportierten Plutoniumfracht ist eine Fahrt als Geisterschiff höchst fahrlässig und gefährlich.

MOX-Transporte: Katastrophenschutz tappt im Dunkeln. Transportbehälter unzureichend.

Bei einer Informationsveranstaltung in Großensiel (Nordenham) Anfang September 2012 kamen erschreckende Detaills zur Sprache.

Die zuständigen Katastrophenschutzbehörden (in diesem Falle Landkreis Wesermarsch) werden “aus Geheimhaltungsgründen” nicht informiert.

Atomphysiker und Gutachter Wolfgang Neumann dazu: “Es ist zwar eine Vielzahl von Behörden involviert, wie das Lagezentrum des Bundesinnenministeriums oder das Gewerbeaufsichtsamt, nicht aber die Feuerwehr am Wesertunnel.”

Für den Transport würden seit vielen Jahren Behälter mit der Typenbezeichnung M4/12 verwendet, da sie je nach Art der Brennelemente vier oder zwölf Stück aufnehmen könnten. „Diese Behälter werden auch für den Transport nach Grohnde genutzt werden“, sagte Wolfgang Neumann. Sie seien durch mehrere Stahlschichten, Bor-Platten und Stoßdämpfer geschützt. Außerdem müssen die Behälter Stürze aus 9 Metern Höhe, einen Sturz auf einen Dorn sowie über gewisse Zeiträume Brände bei 800 Grad oder ein Tauchbad in 200 Metern Wassertiefe unbeschadet überstehen. Das helfe gegen „normale“, aber nicht gegen schwere Unfälle, so der Experte.

(Quelle: Kreiszeitung Wesermarsch, 08.09.2012)

Was könnt Ihr tun?

Verbreitet die Informationen. Klärt Freunde, Verwandte, Nachbarn, Bekannte, Arbeitskollegen auf.

Beteiligt Euch am Protest, verbreitet Informationen zum Protest (denn Protest braucht Öffentlichkeit).

Aktuelle Informationen zum MOX-Transport und den Protestaktionen bieten u. a. die Twitter-Accounts:

Weitere Informationen findet Ihr auf folgenden Webseiten:

Habt Ihr schon unterschrieben? Nein zu MOX-Transporten!

Wenn Ihr nur irgendwie Gelegenheit habt: Auf nach Nordenham! Nach derzeitigen Schätzungen wird die “Atlantic Osprey” den Hafen gegen 16:30 Uhr erreichen.

Karte von Nordenham

Update 23.09.2012, 22:00 Uhr

Die “Atlantic Osprey” hat gegen 16:30 Uhr begleitet von Protesten und Aktionen diverser Umweltinitiativen wie Greenpeace und contratom den Hafen von Nordenham erreicht.

Die Fracht musste nicht umgeladen werden sondern verliess in den beiden Spezial-Transportern gegen 19:14 Uhr unter Buh-Rufen und Sirenengeheul den Hafen von Nordenham.

Mittlerweile sind die 8 Brennstäbe mit einer geschätzten Geschwindigkeit von 80 km/h unterwegs in Richtung Atomkraftwerk Grohnde.

Geschätzte Ankunftszeit beim AKW Grohnde: Gegen 23:30 Uhr. Zur Zeit wird die Zufahrt zum AKW mit einer Sitzblockade versperrt.

(Redakteur: KH/23.09.2012)

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Weltweiter Protest gegen #Fracking

Österreich macht es vor. Dort wurde vorgeschrieben, vor Probebohrungen Umweltverträglichkeitsprüfungen durchzuführen. Resultat: Keine Bohrungen!

Am Samstag, 2012-09-22 startet der 1. weltweite Protesttag gegen Hydraulic Fracturing (Fracking). Als “Global Frackdown” finden weltweit ca. 200 Aktionen statt. So auch in Braunschweig. Es wird Infostände in der Innenstadt geben, die über unkonventionelle Gasförderung und die damit verbundenen Gefahren aufklären.

In Bulgarien verabschiedete das Parlament bereits im Januar 2012 ein Verbot der Fracking-Technologie. In Österreich wurden die Vorhaben fallen gelassen. Grund dafür ist eine Gesetzesänderung. Diese schreibt nun für jede Probebohrung eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor.

Die weltweiten Proteste zeigen der Politik eindeutig die Angst und die Befürchtungen der Bürger vor weiteren Umweltschäden. Wir  haben das verstanden.

Deshalb lehnt die Piratenpartei Niedersachsen  die Anwendung des Hydraulic Fracturing (Fracking) ab. Dieses Verfahren birgt erhebliche Risiken für die Gesellschaft und unsere natürlichen  Ressourcen. Die Risiken und die Schwere der Auswirkungen im Schadensfall  stehen in keinem zumutbaren Verhältnis zum kurzfristigen, kommerziellen Nutzen dieser Technologie für deren Anwender.

Auch der Stadtverband der Piratenpartei Braunschweig wird von 11.00-16.00 auf dem Kohlmarkt in Braunschweig anwesend sein. Wir sammeln an diesem Samstag Unterstützungsunterschriften für die Zulassung zur Landtagswahl 2013 und informieren über unser Grundsatzprogramm.

Links

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FreitagsFilm: Blackout in Deutschland &
Die Revolution im Stromnetz


Quarks & Co: Blackout Deutschland, Sendung vom 17.01.2012

Wann immer wir ihn brauchen, ist er für uns da: der Strom. Trotzdem ist unser heutiges Stromsystem anfällig für Störungen; Quarks & Co hat nachgeforscht, wie wahrscheinlich ein totaler Blackout heute ist und zeigt, warum wir mit weniger Großkraftwerken die Risiken eines solchen Blackouts verringern könnten.

Links

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MOX-Transport nach Grohnde

Die Brennelemente kommen vermutlich dieses Wochenende in Nordenham an.

Alles aktuelle und wissenswerte zum Transport der Brennelemente findet ihr auf dem Bog: AKW Grohnde – Nein Danke!

Aktuelles jeweils auf den Twitter-Tickern @castorticker und @MOX_Ticker.

Die Aktion findet unter dem Motto statt:
AKWs abschalten, Plutonium MOX-Verbot jetzt!

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Abmahnungen gegen Kernkraftgegner nach Besuch des Atomkraftwerks Grohnde

Es wird viral. Ein Video aus dem E.ON-Kernkraftwerk Grohnde verbreitet sich und Blogbetreiber werden mit sehr fragwürdigen Anschreiben abgemahnt und eingeschüchtert.

Aufruf

Wer wurde aufgrund eines Beitrags über einen E.ON-Sprecher abgemahnt und wie reagiert ihr?

Ihr könnt euch gerne auch anonym und verschlüsselt an uns wenden. Schaut dazu auf unsere Kontakt-Seite.

Hintergrund

Wir haben am 24. Juli einen Videoclip präsentiert, indem der Sprecher des E.ON-Kernkraftwerks Grohnde irreführende Angaben zum Reaktorunglück in Fukushima macht und darlegt, dass die Kernindustrie nicht an den Atomausstieg glaubt. Eine Kopie des Clips gibt es weiter unten.

Darauf hin wurde unser Informant angezeigt, der während des Besuchs offen und mit Zustimmung des Sprechers im Besucherzentrum Aufnahmen gemacht hat. E.ON weist jede Verbindung zur Anzeige zurück und distanziert sich von ihrem leitenden Mitarbeiter. Wir gehen inzwischen davon aus, dass der Sprecher von E.ON mit rechtlichen Schritten gegen unseren Informanten vor geht.

Das Video und das zugehörige Transkript hat sich mittlerweile weiter im Netz verbreitet. Google listet über 400 Treffer, sucht man nach Phrasen aus dem von uns erstellten Transskript.

Wie wir jetzt erfahren, verfolgt der Leiter der internen Kommunikation des Kernkraftwerks Grohnde, Claus Sievert, weitere Blogger mit Abmahnungen, um die Unterlassung der weiteren Verbreitung zu fordern. Was uns besonders weit hergeholt erscheint: Der Anwalt des Sprechers macht in der Begründung der Abmahnungen Urheberrechte geltend.

Gerne hätten wir in Grohnde nachgefragt. Dort war man sehr an unserem Anruf interessiert (die Kollegen vor Ort baten den Kollegen am Telefon, den Lautsprecher einzuschalten), man wollte aber nicht mit uns sprechen. Die Kollegen waren offenbar gebrieft, Piraten keine Auskunft zu geben. Man hat uns an die Leiterin für Presse und Politik der E.ON Kraftwerke GmbH verwiesen. Diese ist gerade in Urlaub. Das Sekretariat wollte uns keine Auskunft geben.

Den ganzen Beitrag lesen

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AntiAtomPiraten im Interview bei Telepolis

Die AntiAtomPiraten haben Telepolis ein Interview gegeben und äußern sich zu ihrer Vision der Energiewende und warum auch eine neue Generation von Kernkraftwerken keine Lösung ist.
Zum Interview.

Links

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FreitagsFilm: Der Störfall –
Was geschah wirklich in den AKWs von Vattenfall

Reportage: Der Störfall – Was geschah wirklich in den AKW von Vattenfall, WDR, 19.11.2007

Gleich zwei Notabschaltungen an einem Tag, das hatte es in der Geschichte der Atomkraftwerke bis zu jenem 28. Juni 2007 in Deutschland noch nicht gegeben. An diesem Donnerstag passierte gleich in zwei Atomkraftwerken etwas, das zunächst wie ein Desaster nur für den Betreiber Vattenfall aussah. Aber der Brand im Maschinentransformator AT 01 des AKW Krümmel und der Kurzschluss in einer Schaltanlage des AKW Brunsbüttel hatten viel mehr Konsequenzen als nur die Schnellabschaltung beider Atommeiler: Ein Störfall der ganz besonderen Art nimmt seinen Lauf, der „Vatten-Fall“ beginnt. Die Image-Kampagne als CO2-neutrale Kraftwerke gerät ins Wanken.

Links

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Fukushima in Mühleberg –
Ein baugleiches AKW in der Schweiz

Was geschieht, wenn sich ein Unfall wie in Fukushima im typgleichen Atomkraftwek Mühleberg ereignet?

Video Doc./Ani., 02:27 Min., CH 2012
Realisation: pankraz film | rébus Konzept und Gestaltung
Im Auftrag von:
Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz | PSR/IPPNW Schweiz | Greenpeace

 Links

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Neue Atomreaktoren – Die Erfolgsaussichten

Ein Artikel von Votan:
Volker Tanger ist Diplom-Physiker / Berater im Bereich IT-Sicherheit. Er ist Pirat und vertritt die Piraten in der BVV Berlin Marzahn-Hellersdorf, Piratenfraktion.

Next Generation (Gen-4) Atomreaktoren

Generation IV Reaktortypen

Generation IV Reaktortypen

Laut Generation IV International Forum könnten die Energie- und Entsorgungsprobleme durch “neue” Reaktortypen und Brutreaktoren gelöst werden. Die meist vorgeschlagenen Brutreatoren würden die Menge verfügbaren Brennmaterials deutlich vergrößern. Zunächst eine Vorstellung der Konzepte, dann eine Analyse. Die “neuen” Reaktorkonzepte sind dabei so alt, wie die derzeit genutzten. Vorgeschlagene Technologien sind: Den ganzen Beitrag lesen

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