E.ON-Sprecher informiert falsch zu Fukushima –
Anzeige gegen Journalisten
Vor einigen Tagen haben wir einen Videoclip online gestellt, den ein AntiAtomPirat und Listenkandidat der Piratenpartei für die Landtagswahl in Niedersachsen im Januar 2013 bei einem Besuch des Kernkraftwerks Grohnde angefertigt hat. Er war dort als Journalist vor Ort. Filmaufnahmen waren genehmigt. Er wurde nun in dieser Sache angezeigt. Der Vorwurf im Ermittlungsverfahren: Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes, Verdacht der Verleumdung. Das Video wurde durch YouTube aufgrund einer rechtlichen Beschwerde gesperrt.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors stellen wir das Transskript des Beitrags online.
Update 2012-08-24: Inzwischen hat ein Sprecher von E.ON uns gegenüber dementiert, dass E.ON etwas mit der Anzeige zu tun hat. Siehe Kommentar. Wir haben den Titel des Beitrags daraufhin entsprechend angepasst. Dieser lautete zuvor: “E.ON erstattet Anzeige gegen Journalisten”.
Update 2012-08-27: Unseren Recherchen zur Folge wird zum Tatvorwurf als Ereignisort das AKW Grohnde genannt und als Ereigniszeit der Zeitpunkt des Besuchs des Kraftwerks.
Vorher:
Jetzt:
Transskript des Beitrags:
Besuch im AKW Grohnde am 14. Juni 2012
Sprecher:
“Jetzt kann man sagen: Ja, wieso ist denn in Fukushima dieses furchtbare Unglück passiert, das war ja im Grunde eine Folge aus dieser Naturkatastrophe. Jetzt kann man das alles aufdröseln. Und da empfehle ich Ihnen einfach: Da muss man sich mal zwei Stunden Zeit nehmen. Wir haben da so eine Broschüre zusammengefasst vom Deutschen Atomforum, da kann man es sich also durchlesen. Ich könnte das zwar auch herunterbeten, aber es ist..Also als ich gehört habe, wenn das den Japanern passiert so etwas, dann müssen wir weltweit abschalten, weil in so einem Hochtechnologieland, wenn die es schon nicht im Griff haben, warum sollen wir alles im Griff haben.
Am Ende des Tages war ich sehr bestürzt und erschüttert, was dort für teilweise Fehlleistungen passiert sind und Versäumnisse. Jetzt kann man das auch nicht damit entschuldigen, dass diese Kollegen dieses Kraftwerk, was da jetzt havariert ist, in einem Jahr hätten abschalten wollen. Ja. Das war ja schon 40 Jahre alt.”
Diese Aussage ist irreführend und falsch. Richtig ist, dass für Block 1 in Fukushima im Frühjahr 2011, also noch vor der Katastrophe, die Betriebsgenehmigung ausgelaufen wäre. Diese wurde jedoch unmittelbar zuvor um weitere 10 Jahre verlängert.
Sprecher weiter:
“Da sind wir wieder bei dem Punkt, wo ich sage, egal ob wir wissen ob wir in 10 Jahren abschalten, Sie Herr $name und Sie können sich darauf verlassen, dass wir bis zum letzten Tag – natürlich auch in der Hoffnung, weil wir nicht glauben, dass wir in 10 Jahren abschalten – dass wir da investieren.Ja, ich sag das einfach mal so provokant, ich glaube das einfach nicht. Vielleicht hoffe ich es auch, aber ich kann es mir nicht vorstellen, aber ich konnte mir einiges nicht vorstellen bis vor einem Jahr mit der Rolle Rückwärts und hin und her und so weiter.”
Der Sprecher spricht Klartext: Die Betreiber glauben nicht daran, dass der Atomausstieg umgesetzt wird.
Sprecher weiter:
“Ich meine, Politik ist das eine und der sichere Betrieb von solchen Anlagen ist das andere.”Besucherin:
“Aber der sichere Betrieb produziert Atommüll, von dem wir nicht wissen, wohin…”Sprecher fällt ins Wort:
“Kommen wir auch noch zu, es gibt Schattenseiten, da bin ich ganz bei Ihnen. Da kommen wir noch zu, nichts im Leben ist umsonst.”
Der Sprecher ist der Leiter Interne Kommunikation E.ON KWG.
Kernkraftwerk Grohnde
| Betreiber | Gemeinschaftskernkraftwerk Grohnde GmbH & Co. oHG |
| Gesellschafter | E.ON Kernkraft (83,3% mittelbar) Stadtwerke Bielefeld (16,7%) |
| Mitarbeiter | 337 (davon 18 Auszubildende)* |
| Reaktortyp | Druckwasserreaktor |
| Nettoleistung | 1.360 MW |
| Inbetriebnahme | 1985 |
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Kommentare
7 Kommentare zu “E.ON-Sprecher informiert falsch zu Fukushima –
Anzeige gegen Journalisten”
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Ahoi,
ich hoffe jemand hat das Video bei Youtube gesichert und mag es anderswo hochladen und drauf verweisen?
Das Video kann man derzeit hier anschauen:
http://www.youtube.com/watch?v=M2kYds1bykU
Oder es kann hier heruntergeladen werden:
http://ge.tt/2AaeXWM/v/0
Die Meldung auf Ihrer Website ist falsch! E.ON hat keine Anzeige gegen irgendjemanden wegen der Veröffentlichung eines Videoclips erstattet. Bei der genannten Aussage handelte es sich übrigens nicht um eine Unternehmensposition, sondern um die private Auffassung eines Mitarbeiters. E.ON respektiert selbstverständlich die politischen Entscheidungen zum Ausstieg aus der Kernenergie.
[...] Hier das “Transscript” des Beitrags. [...]
[...] Zitat Anti-Atom-Piraten: “Inzwischen hat ein Sprecher von E.ON uns gegenüber dementiert, dass E.ON etwas mit der Anzeige zu tun hat.” [...]
[...] Im ersten Halbjahr 2012 lagen wir bereits bei über 25%. Die Energiekonzerne und Frau Merkel haben 1993 noch verbreitet , mehr als 4% seien nicht möglich. Das war der Anteil der Erneuerbaren zu jener Zeit. | Grafik: [...]