Ist Kernenergie eine billige Alternative zu Ökostrom?
- Wer sind die AntiAtomPiraten?
- Wie stehen die AntiAtomPiraten zu neuen Reaktortypen?
- Was spricht gegen eine neue Generation von Kernkraftwerken?
- Sind die AntiAtomPiraten einfach nur ‘Dagegen’?
- 100% Ökostrom. Kann das funktionieren?
- Wie kann man den steigenden Energiebedarf decken?
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Ist Kernenergie aus neuen Reaktortypen eine billige Alternative zu Ökostrom?
Selbst wenn man alle Probleme der neuen Reaktortypen in den Griff bekommen könnte, ist es auch mittelfristig nicht absehbar, bis wann derartige Brüter im kommerziellen Betrieb eingesetzt werden könnten. Wir haben unser Energieproblem aber bereits heute und wir können dieses ohne den Einsatz von Radioaktivität und ohne der Ausbeutung von Energieträgern, ohne Brennstoffkosten lösen. Bis Thorium-Reaktoren vielleicht einsatzbereit sein könnten, können wir schon längst auf generative Energieträger gewechselt haben.
Schätzungen gehen davon aus, dass ein Thorium-Reaktor bis in etwa 20 Jahren marktreif sein könnte. Die dann notwendigen Freigabe-Prozesse für Kernkraftwerke sind aufwändig und erfordern viel Zeit. Das Genehmigungsverfahren des zuletzt freigegebenen Reaktortyps AP1000 dauerte etwa 6 Jahre. Beim AP1000 handelt es sich technisch um einen konventionellen Uran-Reaktor, also um ein in Wissenschaft und Technik gut bekanntes System. Die Freigabe wurde von der Politik durchgesetzt, die zwei Neubauten in den USA werden durch Bürgschaften von Präsident Obama sowie Preiserhöhungen beim Strompreis finanziert. Der Chef der US-Atomaufsicht NRC hat nach der Freigabe seinen Sessel geräumt. Er kann die Freigabe des Reaktortypen AP1000 nicht verantworten.
Der Bau von Kernkraftwerken dauert zwischen drei und beliebig vielen Jahren. Es gibt Anlagen, die befinden sich seit 40 Jahren in Bau. Die Baustelle des aktuellen EPR hängt der Planung derzeit um vier Jahre hinterher. Die Kosten und die Bauzeit haben sich mittlerweile mehr als verdoppelt. Das Design der Anlage wurde 1988 verabschiedet und sie hätte 2009 in Betrieb gehen sollen. Alleine der Zinsverlust der Investoren beträgt inzwischen einen zweistelligen Milliardenbetrag. Bauarbeiter vor Ort dagegen erhalten zum Teil weniger als 2 Euro die Stunde an Lohn.
Die Kosten pro Kilowattstunde werden beim Thorium-Flüssigsalz-Reaktor in der Größenordnung von 8-9ct/kWh liegen. Das ist die Größenordnung der Kosten neuer konventioneller Kernkraftwerke und liegt damit schon heute über den Kosten der Windenergie und in Kürze wird auch Photovoltaik preisgünstiger sein. Das ergeben Bewertungen des französischen Rechnungshofes. Frankreich plant nun Windparks. Die großen Energiekonzerne, wie RWE und E.ON haben ihr internationales Engagement in Kernkraftwerke inzwischen ebenfalls gestoppt. Kernenergie ist unwirtschaftlich.
Auch Norwegen hat das Prinzip der Thorium-Raktoren näher untersucht. Die Strahlenschutzbehörde kommt zu einem ernüchterndem Urteil. Das Unfallrisiko für Thorium-Reaktoren liegt auf einem ähnlichen Niveau wie das der heutigen Kernkraftwerke und das Atommüll-Problem wird mit diesen Reaktoren ebenfalls nicht gelöst. In Norwegen ist die Thorium-Debatte abgeschlossen.
Andere Brüter-Modelle, wie zum Beispiel der Integral Fast Reactor, IFR, oder PRISM-Reaktoren bewerten wir ebenfalls äußerst kritisch. Der Betrieb ist hoch riskant. Diese Reaktoren nutzen Natrium als Kühlmittel. Dieses ist bei Raumtemperatur fest und muss durch Erhitzen stets flüssig gehalten werden (siehe auch: Neue Atomreaktoren – Die Erfolgsaussichten).
Natrium ist extrem reaktiv. Der Kontakt mit Wasser führt zu heftigsten Reaktionen. An Luftfeuchte und Wasser reagiert Natrium zu Natronlauge und Wasserstoff. Bei einem entsprechenden Unfall käme es zu einem extrem heißen Brand im Reaktor, der im Zweifel nur schwer, wenn überhaupt unter Kontrolle gebracht werden kann. Die Freisetzung großer Mengen an Radioaktivität wäre zu erwarten. Im Betrieb reagiert das chemisch sehr aggressive Natrium mit den Metallen des Reaktors und löst diese. In Deutschland wurde der erste, fertiggestellte, Natrium gekühlte Brüter, der SNR-300 in Kalkar, nie in Betrieb gestellt. Der 295 MW-Reaktor sollte ursprünglich 500 Mio. D-Mark kosten und wurde zur Investitionsruine von über 4 Mrd. Euro. Inflationsbereinigt sind das etwa 6 Mrd. Euro.
Zu diesem Preis bekommt man heute einen Windpark mit etwa 2,4 GW effektiver Wirkleistung (6 GW Nennleistung), preissicher aus der Serienproduktion und mit 100% Haftpflichtversicherung. Deutsche Kernkraftwerke haben eine Deckung von etwa 0,003% der zu erwartenden maximalen Schadenssumme über eine Haftpflichtversicherung. Rücklagen sollen ca. 0,03% des möglichen Schadens durch einen GAU abdecken. Dieser beträgt in Deutschland etwa 7,5 Bio. Euro.
Wir sind der Überzeugung, eine Gesellschaft, die auf Kernenergie setzt, setzt auf ein falsches Pferd. Nicht auf ein totes, sondern auf ein gefährliches und ein teures.
Weiter:
Sind die AntiAtomPiraten einfach nur ‘Dagegen’?
Links
- Kernkraftwerke unwirtschaftlich
Neue Kernkrafterke sind beim Strompreis nicht konkurenzfähig - Neue Atomreaktoren – Die Erfolgsaussichten
Übersicht und Analyse zu neuen Reaktorgenerationen - Thorium ist auch keine Lösung
Norwegen gibt Pläne zum Bau eines Thorium-Reaktors auf - Mülltrennung für Reaktoren Technology Review über PRISM-Raktoren von GE, 2010
Auch wenn durch den Ansatz von GE Hitachi weniger Atommüll übrig bleibt und sogar Brennstoff für andere Reaktoren produziert wird, löse er das Endlagerproblem immer noch nicht, gibt MIT-Experte Forsberg zu bedenken. Eine vollständige Trennung in verschiedene Materialgruppen sei schlicht nicht möglich. Es würden immer auch Stoffe übrigbleiben, die nicht weiterverwendet und für mindestens 10.000 Jahre eingelagert werden müssten.
Außerdem entsteht weiter leicht und Müttelradioaktiver Müll in großen Mengen. Müll vom “Typ Asse”. - Wie sicher ist der neue AKW-Typ AP1000
- Linksammlung zu Quellen
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