USA genehmigen zweiten AKW-Neubau
33 Jahre nach dem Unfall auf Three Mile Island
Der Chef der US-Atombehörde NRC ist erneut dagegen
Der Chef der US-Atombehörde NRC hat sich abermals dagegen ausgesprochen, eine Baugenehmigung für ein neues Kernkraftwerk vom Typ AP-1000 zu erteilen. Dennoch hat die NRC den Neubau von 2 Reaktorblöcken diesen Typs in Jenkinsville, Californien genehmigt. Die Betreiber der Anlage hoffen nun darauf, die neuen Anlagen mit jeweils etwa 1 MW elektrischer Leistung ab 2017/2019 in Betrieb nehmen zu können.
Dies ist die zweite Genehmigung eines Kernkraftwerks seit dem Unglück im Kernkraftwerk Three Mile Island, 1979. Zuvor ging der letzte Reaktor der USA Mitte 1996 in Betrieb, Baubeginn war im Januar 1973.
Dies ist das zweite mal in Folge, dass sich der Chef der US-Atombehörde gegen den Bau eines Reaktos des Typs AP1000 ausspricht. Damit stellt sich Gregory Jaczko wiederholt und standhaft entschieden gegen das umstrittene Konzept des AP1000 und wurde von den Stimmberechtigten aus der Politik erneut überstimmt. Er hatte zuvor bereits der Genehmigung zweier Reaktoren des Typs AP1000 in Vogtle widersprochen.
Die Summer Nuclear Station gehört zu einem Drittel dem öffentlichen Versorger für Energie und Wasser, Santee Cooper. Bisher betreibt die Anlage einen Block. Baubeginn war 1973, Die Anlage ging 1984 ans Netz. Die Genehmigung wurde zuletzt 2004 verlängert und läuft nun im Jahre 2042 aus, also 69 Jahre nach Baubeginn, 60 Jahre nach dem ersten Anfahren.
Das Erdbebenrisiko für einen Kernschmelzunfall liegt nach Auskunft der NRC für die bestehende Anlage bei 1:26316 pro Jahr. Umgelegt auf die Standzeit bedeutet dies ein Risiko von etwa 1:333 (=0,3%) bei einem Reaktor oder 1:110 (=0,9%) bei 3 Reaktoren. Zum Vergleich, die Chance auf den Lottogewinn liegt bei 1:139838160 (= 0,000000715%).
Die Bauherren rechnen mit Baukosten von ca. 10 Mrd. US$, zuzüglich eines Umspannwerks und der Finanzierungskosten. 1,2 Mrd. US$ sollen über wiederkehrende Preiserhöhungen von 2,5% finanziert werden. Zu den aktuellen Strompreisen lassen sich Neubauten von Kernkraftwerken ohne staatliche Zuschüsse nicht wirtschaftlich rechnen. Zum Vergleich, für 10 Mrd. US$ kann man Windparks mit einer Nennleistung von ca. 8 MW erichten. Das Entspricht einer Nutzleistung von ca. 3,5 MW. Dazu fallen bei Windenergie keine Brennstoffkosten an. Der Preis für Uran hat sich in den letzten 10 Jahren verachtfacht.
Derzeit liegen der NRC Anträge zur Genehmigung von 20 weiteren Reaktorblöcken vor, alle vom Typ AP1000. Allerdings hat nur ein weiterer Antragsteller Vorverträge zur Errichtung eines Reaktorblocks. Dieser wird jedoch erst nach 2020 in Betrieb gehen, wenn überhaupt.
Nach dem Unglück auf Three Mile Island wurden Neubauten in den USA indiskutabel. 33 Jahre später drückt die Energie-Lobby mit der Regierung um Präsident Obama den ersten Neubau seit dem Moratorium durch. Eine energietechnische Notwendigkeit gibt es nicht, so der Whistleblower Arnold Gundersen.
Der neue Kraftwerkstyp ist bei Experten sehr umstritten. Deutlicher kann das nicht dargestellt werden: Selbst der Chef der Atomaufsicht spricht sich gegen diesen Reaktortyp aus. Wenn nicht einmal in der Atomaufsicht ein Konsens über die Sicherheit eines Kernkraftwerks herrscht, wie unverantwortlich ist es dann erst, ein solches zu errichten!
Vor wenigen Monaten haben wir Kontakt mit einem Mitarbeiter der NRC aufgenommen, der im Jahr 2010 erhebliche Bedenken zu den Entwürfen geäußert hat. Er sieht vor allem Probleme in der Standsicherheit der Gebäude. Unstrittig ist, dass die Gebäude die entsprechenden US-Normen für Betongebäude und Nuklearanlagen nicht erfüllen. Im Januar hat er uns gegenüber geäußert, dass er sich nicht zu seiner Einschätzung der Sicherheit Stellung nehmen darf. Ein Anfrage an die NRC selbst blieb unbeantwortet.
Wissenschaftler betonen, die Entwürfe können eher mit einem Forschungs-Experiment in Verbindung gebracht werden, denn mit einem baureifen Entwurf. Desweitern gibt es zahlreiche Sicherheitsprobleme, die vom Hersteller und den Behörden ignoriert werden. Auch Lehren, die man aus der Katastrophe in Fukushima ziehen kann werden ganz bewusst ignoriert. In Fukushima hätte auch der AP1000 nicht überlebt. Dort ist der Strom für 11 Tage ausgefallen. Der AP1000 soll theoretisch 3 Tagen Stromausfall standhalten.
Einen ausführlichen Streifzug zu ganzen Blumensträußen von Sicherheitsbedenken haben wir in unserer Serie zur Sicherheit des neuen Reaktortyps AP100 dargelegt:
Wie sicher ist das neue AKW-Flaggschiff AP1000?
Zu Teil 1: Wie sicher ist das neue AKW-Flaggschiff AP1000?
Zu Teil 2: Der AP1000 – was ist das Besondere?
Zu Teil 3: Einführung zur Kritik / Hintergründe
Zu Teil 4: Lehren aus Fukushima nicht berücksichtigt
Zu Teil 5: Sicherheit des Containments
Zu Teil 6: Unabhängige Wissenschaftler zur Sicherheit des AP1000
Zu Teil 7: Sicherheitsbedenken von Mitarbeitern der NRC
Links
- Der Chef der US-Atombehörde NRC ist dagegen:
USA genehmigen AKW-Neubau, 33 Jahre nach dem Unfall auf Three Mile Island - Zweiter AP1000-Reaktordruckbehälter installiert Fragen zur Sicherheit bleiben unbeantwortet
- US NRC approves new SCE&G nuclear units
- Zeit-Online: USA genehmigen ersten AKW-Neubau seit 30 Jahren
Zum ersten Mal seit dem Atomunfall von Harrisburg hat die US-Atombehörde den Neubau von Reaktoren bewilligt. Der Leiter der Kommission stimmte allerdings dagegen.
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