Wie sicher ist das neue AKW-Flaggschiff AP1000? (1/7)
Zu Teil 1: Wie sicher ist das neue AKW-Flaggschiff AP1000?
Zu Teil 2: Der AP1000 – was ist das Besondere?
Zu Teil 3: Einführung zur Kritik / Hintergründe
Zu Teil 4: Lehren aus Fukushima nicht berücksichtigt
Zu Teil 5: Sicherheit des Containments
Zu Teil 6: Wissenschaftler pro Kernenergie zur Sicherheit des AP1000
Zu Teil 7: Sicherheitsbedenken von Mitarbeitern der NRC
Wie sicher ist das neue AKW-Flaggschiff AP1000?
In dieser Artikelreihe wollen wir uns ansehen, ob die Kernindustrie und die Atomaufsichtsbehörden inzwischen sensibler mit den Anforderungen zur Sicherheit an neue Kernkraftwerke und deren Genehmigung um gehen und ob bei neu zu erstellenden Anlagen die Lehren aus Fukushima berücksichtigt werden, wie es Politik und Industrie versprechen. Als Beispiel dazu soll das neue Flaggschiff der Reaktorbauer dienen, der AP1000 des Herstellers Westinghouse, bzw. Toshiba.
Während die Katastrophe in Fukushima fort dauert und Menschen dort versuchen, den Schaden irgendwie zu begrenzen, bemüht sich die Nuklear-Industrie darum, ihr Image wieder aufzubessern.
Fukushima wird von der Kernindustrie als positives Beispiel angeführt, um zu zeigen, dass Kernkraftwerke besonders sicher sind, da ja bisher kein einziger Mensch aufgrund der Reaktorkatastrophen gestorben sei. Dass Todesfälle und schwerste Krankheiten nicht unbedingt sofort, aber noch Jahrzehnte später auftreten, das verschweigt man ebenso gerne wie die Tatsache, dass man sich schon 1964 in Kreisen der Atomaufsicht dessen bewusst war, dass die Reaktorblöcke des Typs GE Mark I bei einem Stromausfall auf die nun geschehene Weise versagen werden. Das letzte Notkühlsystem ist aufgrund von grundsätzlichen Fehlern bei der Auslegung funktionsunfähig. Etwa ein Viertel aller Anlagen in den USA sind von diesem Typ und auch in Europa befinden sich derartige Anlagen in Betrieb. Weltweit sind es noch 32. Damit ist die Vertuschung von damals und die damit verbundene Gefahr einer Wiederholung der Fukushima-Katastrophe auch nach 47 Jahren noch tagesaktuell.
Werden die Lehren aus Fukushima auf bestehende Anlagen umgelegt? Dann hätte man eine Großzahl von Anlagen stillgelegt. Tatsächlich haben bisher nur Japan und Deutschland Kraftwerke vom Netz genommen. In Japan sind derzeit noch 4 von 54 Anlagen am Netz. Zwei Anlagen gingen in den Tagen vor Weihnachten aufgrund von Störfällen vom Netz, eine Großzahl direkt nach dem Erdbeben, aufgrund von Wartungsarbeiten oder ebenfalls aufgrund von Störfällen. Die Provinzen in Japan verweigern derzeit den Kernkraftwerken das wieder anfahren. Bleiben die Provinzen standhaft, ginge in Japan das letzte Kernkraftwerk im April 2012 vom Netz. Trotz dieses massiven Ausfalls an Kraftwerkskapazitäten sind uns keine Berichte über Stromknappheit in Japan bekannt.
Gelingt es der Kernindustrie nun mit neuen Reaktortypen das Vertrauen in die Sicherheit der Kernenergie zurück zu gewinnen? Wir schauen uns in einer Artikel-Serie das neue Reaktor-Flaggschiff aus den USA an, den AP1000.
Weiter mit Teil 2: Der AP1000 – was ist das Besondere am AP1000?
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