Wie sicher ist das neue AKW-Flaggschiff AP1000? (2/7)
Der AP1000 – was ist das Besondere?
Zu Teil 1: Wie sicher ist das neue AKW-Flaggschiff AP1000?
Zu Teil 2: Der AP1000 – was ist das Besondere?
Zu Teil 3: Einführung zur Kritik / Hintergründe
Zu Teil 4: Lehren aus Fukushima nicht berücksichtigt
Zu Teil 5: Sicherheit des Containments
Zu Teil 6: Wissenschaftler zur Sicherheit des AP1000
Zu Teil 7: Sicherheitsbedenken von Mitarbeitern der NRC
Der AP1000
Der AP1000 ist das neue Flaggschiff der Kernindustrie. Ein Reaktorblock produziert etwa 3500MW thermische Energie (geschätzt, wer genaue Daten hat, bitte melden) und stellt etwa 1154 MWe elektrische Energie zu Verfügung.
Die Designvorgaben wurden im Jahr 2006 verabschiedet. Die NRC hat zuletzt mit Hochdruck daran gearbeitet, die Freigabe des AP1000 zu erteilen. Geplant war diese für Ende 2011. Kurz vor Weihnachten 2011 wurde das Design schließlich auf 25 Jahre Zertifiziert. Damit wagen es die USA 33 Jahre nach dem Unglück im TMI-Kernkraftwerk wieder neue Kernkraftwerke zu errichten.
In China befinden sich seit 2009 bereits 4 AP1000-Reaktorblöcke in Bau. Innerhalb der USA gibt es Anfragen zur Baugenehmigung von 14 Reaktoren. Für zwei Anlagen wurden bereits Verträge geschlossen. Präsident Obama unterstützt diese mit einer staatlichen Bürgschaft in Höhe von 8,33 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Mit dieser Summe könnte man auch einen Windpark mit ca. 7000 MW Nennleistung errichten.
Nach Herstellerangaben soll das Reaktordesign des AP1000 durch sein passives Sicherheitssystem neue Standards setzen.
Das System zur Notkühlung kommt ohne Energieversorgung aus. Das Reaktorgebäude ist als Kamin ausgeführt. Ein Luftstrom wird an der Außenhaut des Sicherheitscontainments aus Stahl entlang geführt. Dieser kann Wärme abführen und über eine große Öffnung im Dach wieder in die Umgebung entweichen. Der Luftstrom wird durch Konvektionsströme der am Sicherheitscontainment erwärmten Luft aufrecht erhalten. Diese Art von Kühlung benötigt keine aktiven Komponenten.
Auf dem Dach sitzt ein großer Tank, der 2.864 Tonnen Wasser enthält. Im Notfall soll dieses Wasser über eine Sprinkleranlage das Sicherheitscontainment von außen kühlen. Der Dampf entweicht dann ebenfalls über den Kamin-Effekt. Die Sprinkleranlage wird über Sprengladungen ausgelöst und über die Schwerkraft des Wassers in Gang gehalten. Damit soll eine Kühlung für bis zu 3 Tage gewährleistet werden.
Durch diese beiden Systeme soll der Reaktor bei einem totalen Stromausfall sicher gekühlt und beherrscht werden. Dazu soll auch kein Eingriff von Menschen notwendig sein. Die Notkühlung soll sich innerhalb von 30 Minuten nach einem entsprechenden Störfall selbst aktivieren.
Ein weiterer, besonders herausragender Vorteil des Konzepts ist nach Herstellerangaben eine enorme Kostenersparnis, da auf der derselben Grundfläche mehr Leistung gewonnen wird und weil auf viele klassische Bauteile verzichtet wird. Der Hersteller nennt:
- 50% weniger Ventile für sicherheitsrelevante Systeme
- 35% weniger Pumpen
- 80% weniger Rohrleitungen für sicherheitsrelevante Systeme
- 85% weniger Verkabelung
- 45% weniger Gebäudevolumen, die erdbebensicher sein müssen
Tatsächlich konnten wir beim Vergleich mit anderen geplanten Reaktorprojekten, die andere Reaktortypen verwenden, keinen entsprechend deutlichen Kostenvorteil feststellen. Als Beispiel sei das Projekt in Litauen genannt: Geplante Kosten für einen 1300 MW-Reaktorblock: 4-5 Mrd. €.
Zum Preis eines AP1000 mit einer Nennleistung von etwa 1000 MW kann man auch Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von 3500 MW errichten. Unberücksichtigt ist hierbei, dass bisher bei Kernkraftwerken Bauzeit wie Kosten regelmäßig “explodieren”, sowie die Kosten für den Rückbau, den Brennstoff, die Entsorgung und Unfallrisikofolgekosten. Windkraftanlagen werden preisstabil am Fließband hergestellt und lassen sich billig gegen alle Unfälle absichern. Ausgeschlossen sind dabei natürlich wie bei jeder Versicherung (also z.B. auch einer Krankenversicherung) Schäden aufgrund von Nuklearkatastrophen).
Weiter mit Teil 3: Kritik am Hersteller und am AP1000
Kommentare
17 Kommentare zu “Wie sicher ist das neue AKW-Flaggschiff AP1000? (2/7)
Der AP1000 – was ist das Besondere?”
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Super-Teil! Ein großer Eimer Wasser auf’m Dach, Klasse.
Erst wenn sich jeder Ingenieur und alle Entwickler, die dieses KKW planen, schriftlich bereit erklären, auch unter Einsatz ihres Lebens bei einem Störfall als Erste vor Ort zu sein und dort den Schaden zu beheben – erst dann würde ich anfangen, darüber nachzudenken, ob man so ein Teil bauen sollte. “Sorry, hab den Flieger verpasst” “Hab mir den Fuß verstaucht, kann leider nicht kommen” “Bin doch schon im Ruhestand” – so würden sich die feinen Herren im Ernstfall herausreden, oder?
Nee, Leute, laßt das Zeugs mal schön in der Erde und wirtschaftet im Rahmen eines naturgemäßen Kreislaufs. Die große Gier nach immer mehr bringt uns alle um.
“Zum Preis eines AP1000 mit einer Nennleistung von etwa 1000 MW kann man auch Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von 3500 MW errichten.”
stimmt, aber man sollte erwähnen das dank des schwankenden windes die abgabe von strom von windanlagen in deutschland bei etwas knapp unter 20% dieser nennleistung (auf dem land, im meer kenne ich keine zahlen, doch da sind die kosten pro anlage wesentlich höher als am land) wodurch die wirtschaftlichkeit der kernenergie gegeben ist.
Ich kenne Leistungsdaten von ca. 40% Wirkleistung von der Nennleistung bei Windparks.
Windparks an Land werden so ausgelegt, dass die Windmühlen an etwa 2000 Stunden im Jahr mit der Nennleistung betrieben werden. D.h. Es gibt mehr Wind als genutzt werden kann. Das sind 22% der Betriebsstunden im Jahr. Kommt vielleicht da Deine Zahl von 20% her?
Unabhängig davon blendest Du beim Kernkraftwerk aus:
* Kostenexplosion beim Bau (tritt regelmäßig ein)
* Kosten für den Rückbau
* Kosten für den Brennstoff (diese steigen in den letzten 10 Jahren durchschnittlich um 24% pro Jahr)
* Kosten für die Entsorgung
* Kosten für den Versicherungsschutz.
Zum Vergleich: Die Versicherung für ein Windrad kostet etwa 90 Euro im Jahr. Die Kosten zur Errichtung sind gut planbar, da Windräder in (Groß-)Serienfertigung gebaut werden.
Update:
Damit man nicht selber rechnen muss:
40% von 3500 MW sind 1400 MW – das sind immer noch 30-40% mehr Leistung pro jedem bei Planung veranschlagtem Euro an Investitionskosten gegenüber einem Kernkraftwerk.
richtig, da kommen die ca. 20% her, evtl. wird die nennleistung bei windkraftanlagen anders definiert so das die ca. 20% (du kommst auf 22% ich hatte 17,7% für 2004 im kopf aber das schwankt deswegen knapp 20%) der zeit die diese anlagen laufen 40% der nennleistung ergeben. “mehr wind als genutzt werden kann” dürfte es meiner ansicht nach nicht geben, da windenergie im stromnetz als erneuerbare energie nach dem eeg vorrang hat. lediglich unzureichender ausbau der stromnetze führt dann dazu das der produzierte strom nicht genutzt werden kann respektive die anlagen stillgelegt werden müssen um eine überlastung zu verhindern. dies mindert jedoch dann effektiv in jedem fall die nennleistung, da man sonst einen zusätzlichen ausbau des bereits vorhandenen stromnetzes draufschlagen müsste.
all die von dir genannten kosten blendete ich aus weil es lediglich um das errichten der anlage im artikel ging. sollte da entsorgung und evtl. rückbau/erneuerung(ne windkraftanlage hält eher keine 40 jahre, da die anlage aufgrund ihrer form wesentlich größeren statischen belastungen ausgeliefert ist als ein akw) und wartung des generellen betriebs der windenergieanlagen bereits integriert sein, ist mein argument ungültig.
dennoch frage ich mich gerade bei solchen rechnungen immer wieder warum man an der atomkraft festhält wenn sie sich so dermasen offensichtlich nicht rechnet, dies wäre für jeden kapitalistisch arbeitenden betrieb doch ein sofortiger grund auszusteigen?!?
Mit “mehr Wind als genutzt werden kann” meine ich, dass ab einer gewissen Windgeschwindigkeit auch bei mehr Wind nicht mehr Strom erzeugt wird, je nach Auslegung der Anlage.
Ich glaube es gibt sehr wohl finanzielle Gründe für die Betreiber, Kernkraftwerke zu betreiben. Z.B. verliert man leicht das Quasi-Monopol, wenn man viele, viele Kraftwerke betreibt. Z.B. wenn jeder Häusslebauer ein Solardach hat. Solarzellen bringen mehr Leistung pro Quadratmeter als Wind und die Investitionskosten purzeln heiter weiter, während der Wirkungsgrad stetig steigt.
Außerdem hängt noch eine ganze weitere Industrie mit vielen Interessen dahinter. Mit Frankreich kommt ein ganzer Staat ins Wanken, da Areva Weltmarktführer in der Kernindustrie ist.
Gesamtgesellschaftlich sind Kernkraftwerke unwirtschaftlich und schon gar nicht nachhaltig. Aufgrund der Strukturen der Wirtschaft sind sie aber für die Betreiber in der Regel offensichtlich wirtschaftlich. Es geht also um mehr, als um nur die Kosten für eine Gesellschaft, also um mehr als nur die Interessen der Bürger.
Allerdings kenne ich auch ein Kernkraftwerk, dass aus wirtschaftlichen Gründen abgeschaltet wurde, obwohl noch für weitere 2 Jahre bereits Brennstoff vorhanden war. Der THTR in Jülich: http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_THTR-300 Dieser wird nun staatlich und europäisch gefördert zurückgebaut…
Aber das dauert noch. Der Reaktor wurde 1988 abgeschaltet und kann voraussichtlich frühestens ab dem Jahr 2027 zurück gebaut werden. Bis dahin kostet das Teil Jährlich um die 7 Mio. Euro.
“mehr wind…” : ja das stimmt natürlich, ab einer gewissen windgeschwindigkeit treten multiple probleme auf was überschallgeschwindigkeit der rotorblätter (und damit beschädigung bis zerstörung, gibt videos dazu auf youtube) und ähnliches angeht. dies ist jedoch eine frage der materialforschung, so das in zukunft wohl immer höhere windgeschwindigkeiten nutzbar sein werden.
das mit dem monopol ist eine interessante sache, aber ein solches monopol liese sich auch mit kohlekraftwerken erreichen, deren stromgestehungskosten in etwa genauso hoch sind wie die der kernkraft (irgendwas um 2,5-3 cent/kwh). daher denke ich nicht das es primär daran liegt. (über die effizienz von photovoltaik mag ich nun nicht reden, ist wohl auch fehl am platz, nur soviel : selbst in der sahara will man solarthermische kraftwerke bauen anstatt solarzellen zu verlegen
- falls es nen pro solarzellen-artikel hier gibt diskutiere ich gerne mit)
das mit frankreich is noch ne ganz andere sache, die sind im gegensatz zu uns atommacht, und müssen für ihre atomwaffen irgendwoher plutonium erbrüten. dieses problem scheint es in deutschland nicht zu geben, da angereichertes plutonium in der asse unrechtmäsig kiloweise versenkt wurde, also nicht an atommächte verkauft wurde.
das kernkraftwerke nicht primär nachhaltig sind ist unbestritten, uran ist ein begrenzter rohstoff, gesammtegsellschaftlich sehe ich das aber anders. der co2-ausstoß ist um den faktor 10 etwa geringer als bei kohlekraft (primär 0, also ideal, sekundär fällt etwas an für uranabbau transport kraftwerkserrichtung rückbau etc…), was im zuge der problematik des treibhauseffektes ein aktuelles problem ist. dazu lässt sich der strom relativ preiswert erzeugen :
greanpeace brachte vor…puh..1-2 jahren? eine studie herraus in der die subventionen für die atomkraft auf ca. 300 milliarden euro beziffert wurden. von 1950/60? bis zum auslaufen um das jahr 2022. dafür wurden im schnitt etwa 20% der stromerzeugung über ca. 60 jahre finanziert.
das entspricht also 5 milliarden euro pro jahr für 20% des stroms. dagegen sind die kosten der subventionen für erneuerbare energien seit knapp 10 jahren im schnitt doppelt so hoch, aktuell bei knapp 18 milliarden pro jahr, und das für aktuell 16% des stroms. bis die förderungen auslaufen werden die erneuerbaren energien viel mehr subventionen verschlungen haben, und ob sie sich dann halten können im wettbewerb mit der kohle (die leider nicht ausläuft und noch gute 100-200 jahre verfügbar sein wird) bleibt abzuwarten.
was ein problem ist ist sicher die endlagerung, aber das problem wurde eingebrockt als die amerikaner 1939 ihr manhatten-projekt starteten, die 70 jahre die seitdem vergangen sind sind bei endlagerzeiten von mehreren 100 000 jahren irrelevant. was aber relevant ist ist der derzeitige co2-ausstoß, den man mit atomkraft reduzieren könnte. deutschland schaltet seine akw ab und baut 16 neue kohlekraftwerke…super!
was den thtr in jülich angeht : es war ein prototyp, der “magere” 300MW erzeugen konnte und offensichtlich nicht in der gewünschten weise funktionierte. ob man das “zählen” kann waage ich zu bezweifeln. hier wäre aber sicher ein mehr an forschung gut gewesen um den bau sein zu lassen.
Keine Frage, Solarthermie ist deutlich effektiver als Photovoltaik.(Korrektur: Solarthermie hat einen Wirkungsgrad von ca. 15%, Photovoltaik 25% im Laden, 40% im Labor.)
Dennoch lässt sich Solarthermie derzeit nicht vernünftig auf jedes Hausdach setzen. Das ist ein Vorteil der Solarzelle. Man kann damit im Prinzip leicht jede durch Gebäude versiegelte Fläche zur Energiegewinnung erschließen.
Kohlekraftwerke brauchen wir keine neuen. Zudem war deren Bau schon vor dem “Atomausstieg” geplant. Sie werden also nicht wegen dem Atomausstieg gebaut. Zudem vertragen sie sich als unflexible “Grundlast”-Kraftwerke nicht gut mit einem dynamischen EE-Stommarkt.
kann man, aber dies ist wirtschaftlich nicht sinnvoll (es sei denn mit irrsinnssubventionen), und wenn das neue gesetz der elektronikschrottverordnung greift müssen die hersteller die kaputten panele zurücknehmen und sie werden wieder teuerer statt billigerer. zwar verlagert sich dieses problem zusehends nach asien insbesondere china, aber dennoch oder gerade deswegen ist das umwelttechnisch nicht ganz unproblematisch. dazu kommt das die sekundären co2-kosten für die stromerzeugng umso mehr steigen je mehr kleinere kraftwerke (in diesem fall hausdächer) es gibt, aufgrund des transports und der wartung z.b., dazu kommt die “halbwertszeit” der zellen, also bis genug verbraucht is so das die energie abfällt etc… die nachteile der solarzellen issn riesen thema für sich. toll sind die eigentlich nur im weltraum für sateliten und raumstationen, oder aber in ferner zukunft wenn man große kollektoren ins all stellt und die energie davon auf die erde transportiert (100% verfügbarkeit, keine wolken keine atmosphäre etc, DANN lohnt das).
richtig, direkt damit zu tun haben die neuen kohlekraftwerke nichts, aber man könnte sie auch ganz oder teilweise weglassen und dafür die akw weiterlaufen lassen. wie gesagt die endlagerproblematik besteht schon seit den 40er jahren, und beschäftigt noch zehntausende von jahren, aber die co2-problematik ist aktuell. sinnvoller wäre es gewesen auf den bau neuer kohlekraftwerke zu verzichten und evtl. alte abzuschalten und dafür akw weiter/länger zu betreiben.
das mit der grundlast ist in der tat ein problem, aber 40-50% des strombedarfs in deutschland sind grundlast. für diese kapazität müsste man im falle der erneuerbaren (mit ausnahme von wasserkaft die aber kaum ausbaubar ist es sei denn man überschwemmt riesige landflächen wie die chinesen) reservekapazitäten vorhalten. gaskraftwerke können das, aber umweltfreundlich is was anderes (und billig auch), und andere projekte wie pumpspeicherkraftwerke müssten zum größten teil noch errichtet werden, und dagegen gibt es lokal genauso großen protest der bevölkerung wie gegen atomkraft, von den umwelt-aspekten mal ganz zu schweigen.
Die Produktion der EE kann man sehr gut planen, aufgrund der Wetterdaten hochverlässlich 2 Tage im voraus. Das reicht der Netzagentur, die Netzauslastung zu planen. Das würde in der Übergangsphase auch reichen um den Einsatz konventioneller Kraftwerke mit einzuplanen. Das größte Problem sind unflegsible Großkraftwerke oder plötzlich unplanmäßig ausfallende Großkraftwerke, meist Atomkraftwerke.
ja den ausfall von großkraftwerken beherscht man sehr gut indem man überkapazitäten hat die das im europäischen verbundnetz abfangen, deswegen gabs auch aller panikmache der atomenergiekonzerne zum trotz keine stromausfälle als die akw fast gelichzeitig vom netz gingen. man konnte auf strom aus der schweiz z.b. zurückgreifen und aus frankreich.
das problem ist das man diese überkapazitäten dann auch bei den EE bräuchte um den gleichen effekt zu erzielen, und wenn nicht nur deutschland, sondern auch der rest von europa auf EE umsteigt (und nur dann macht das ganze sinn!) dann wirds kompliziert mit den kapazitäten. einziger ausweg : energiespeichern. dummerweise hat das aber den nachteil das gespeicherte energie noch teuerer ist, da man die stromkosten, und die mehrkosten für die verlustleistung beim speichern und wiederherstellen bezahlen muss, ganz zu schweigen von der speicherkapazität. wenn also mal 5 tage flaute über mitteleuropa herscht spielt es überhaupt keine rolle ob man 2 tage vorher weis das grade flaute ist, man muss dann zuerst auf speicher und dann doch wieder auf co2-schleudern aka nicht-regenerative fossile brennstoffe wie die angespochenen gaskraftwerke zurückgreifen, und deren strom wird extrateuer sein, da man nicht nur die erzeugung, sondern auch die bereitstellung bezahlen muss.
warum also nicht für die grundlast auf akw zurückgreifen? primär kein co2, das problem der endlagerung besteht bereits und es ist billig was unsere industrie dankt. wir sind ja nicht england wo auser finanzblasen nix mehr produziert wird.
Das Abschalten der Kernkraftwerke mit dem Moratorium hat nicht zu signifikanten Importen geführt.
Siehe diese Grafik und stelle die Ansicht auf Kumulativ.
Mit dem Moratorium tritt eine in etwa ausgeglichene Import-/Export-Situation ein. Erst nach etwa 2 Monaten wird mehr Strom importiert als exportiert. In diesem Zeitraum waren 13 Kernkraftwerke abgeschaltet, also nur noch 4 AKW am Netz. Dennoch hätten wir nicht importieren müssen. Alleine der Energiekonzern RWE hatte noch mehr Kraftwerkskapazitäten brach liegen, als zu einer Deckung notwendig gewesen wäre. Mehr noch. Es hat sich gezeigt, dass wir sogar alle AKW abschalten können und dennoch nicht Strom importieren müssten. Der Import ist daher nur auf Bewegungen am Strommarkt zurück zu führen, nicht auf etwaige Stromknappheit wegen des Abschaltens der AKW. Wir haben offensichtlich Stromkapazitäten im Überfluss.
Nur weil unklar ist, wie mit dem Atommüll um zu gehen ist, sollten wir nicht mehr produzieren. Bei der doppelten Menge Müll dauert es doppelt so lange, bis der Müll nur noch so gefährlich ist, wie ohne Verdoppelung des Mülls. Jeder Müll, der nicht hergestellt wird ist zu begrüßen.
Wenn wir wirklich wollen, könnten wir 2030 die Stromproduktion zu 100% generativ und regenerativ decken. Dann fehlt “nur noch” der Anteil, den wir sonst als Primärenergie aus Fossilen gewinnen und die auch elektrisch substituiert werden können. Z.B. bei Mobilität.
ja richtig, es wurde nichts netto importiert, aber es gibt vermehrten import von atomstrom nach deutschland da dieser einfach billiger ist. leider fand ich im netz keine aufschlüsselung der ex/im-porte nach energieart, nur soviel : http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kernkraft-und-das-moratorium-deutschland-importiert-atomstrom-1.1081209
zwar steht am ende des artikels das windkraft bei viel wind günstiger ist, dennoch denke ich kaum das dann für den windstrom der herstellungspreis von irgendwas um die 6-9 cent gezahlt wird sondern wieder subventioniert wird. der import kommt von den bewegungen am strommarkt, völlig richtig, aber macht es sinn atomstrom zu importieren und dann evtl. subventionierte windenergie zu exportieren?
- sicher nicht.
nein, die doppelte menge müll bedeutet nicht die doppelte menge zeit. radioaktiver zerfall findet exponentiell statt. nach dem bericht für strahlenschutz 2005 sind wenn man von plutonium ausgeht mit 1 mio jahre ca. 42 halbwertszeiten für die endlagerung angegeben. wenn die doppelte menge an spaltbarem material vorliegt so sind es 43 halbwertszeiten und nicht 84. dieses detail ist extrem wichtig! eine verdoppelung der menge an atommüll hat zur folge das dieser nur knapp 2,5% der gesammtzeit länger gelagert werden muss. deswegen ist es auch egal ob wir sofort alles abschalten oder erst in 20 jahren selbst wenn die doppelte menge müll anfällt, der unterschied ist das co2 das kohlekraftwerke die man stattdessen abschalten könnte in diesem zeitraum ausstoßen.
der kommentar zum film mit 2030 kommt morgen dann
Jups, das mit der Halbwertszeit war ein faux-pas, mit dem mehr Müll. Ich bleibe dennoch dabei: Solange man nicht weiß, wie man damit verantwortungsvoll umgehen kann und welche Auswirkungen das ganze hat, sollte man diese Anlagen nicht betreiben. Dass man schon ein ungelöstes Problem an der Backe hat, rechtfertigt nicht, dass man es verschlimmert.
Offensichtlich ist unser System so gestrickt, dass es für die deutschen Netzbetreiber günstiger ist, auch mal Kaltreserven in Östereich anzuwerfen, anstatt Windenergie in Deutschland zu lassen und mal nicht in den Süden zu exportieren oder eigene Reserven anzuwerfen. Die Krönung der Desinformation kommt dann, wenn das ganze dann noch mit der Schockmeldung garniert wird, dass der Atomausstieg schuld sei und das Netz dies nicht ab könne: http://www.iwr.de/re/iwr/12/01/1909.html
Ich denke, hier sollten wir ein Auge drauf werfen, warum das so ist und ob das wirklich so sein muss.
Kohlekraftwerke würde man nicht abschalten, auch wenn man die Kernenergie weiter betreiben würde. Allein schon die Tatsache der in der Umsetzung befindlichen Neubauvorhaben von Kohlekrafwerken spricht eindeutig eine andere Sprache.
das video is heftig…sag ein enbw chef auf der einen seite das der ausstieg net geht, obwohl er weis das genug reservekapazität da is. aber auf der anderen seite gehts auch los : die beispielstadt kassel dort wird mit erneuerbaren energien aus der umgebung (ok) und aus schweden(totaler schwachfug!) gespeist. das ist wieder kontingente kaufen und statistik schönen, den dort wo der wasserstrom physikalisch wirklich hinfliest haben sie dann angeblich atom/kohl/gas-strom.
und es wird wieder gesagt : wir verkaufen günstigen strom ins ausland (also wohl atomstrom oder subventionierte erneuerbare energien) und kaufen dafür teuerere z.b. wasserkraft aus schweden. klar kann man so rechnen, indem wir alle wasserkraft von europa aufkaufen und dadurch ganz deutschland mit erneuerbaren energien betreiben, und unsere kohle/atom/gas-energie ins ausland verkaufen. rein physikalisch jedoch bleibt der strom in der region wo er produziert wird, das ist nur augenwischerei!
und nun das norger projekt. idee gut, nachteil : strom transportieren ist mit verlusten behaftet (es sei denn die kabel sind supraleitend, aber das ist atm noch utopisch ohne anständigen hochtemperatursupraleiter), mit den neuen gleichstromnetzen ist es zwar weniger, aber sagen wir wir haben nur 2% verlust beim transport nach norwegen(real sicher mehr!) dann wieder 2% beim rücktransport. der wirkungsgrad eines pumpspeicherkraftwerks liegt bei ca.80%. bedeutet das der so gewonnene strom ohne das irgendwer einen gewinn an der sache macht (und die pumpspeiocherkraftwerksbetreiber müssen auch von was leben, und das ding will gewartet werden) in diesem beispiel um 24%teuerer wird, und damit wohl nicht mehr konkurenzfähig ist. (ich habe ne zahl von aktuell ca. 20 cent alleine für die speicherung von 1 kwh im kopf, aber das würde wohl sicher noch billiger, da es unsinn wäre auf den normalen stromgestehungsüreis dann das 3-4-fache draufzuschlagen…)
ah dort wird eine zahl genannt : ca. 1 mio pro 1 MW nennleistung. bei kosten von 4-5 mia euro für 1,3MW kernkraft entspricht das in der tat ca. 3500MW nennleistung windkraft. ich weis nun das wikipedia keine gute quelle ist, aber http://de.wikipedia.org/wiki/Installierte_Leistung#Beispiel
rechnet einen wirkungsgrad von 23,1% aus, weswegen die 40% wohl wenn dann nur für windkraftanlagen auf dem meer (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Windenergieanlage#Ertrag )gelten die in der errichtung deutlich teuerer sind.
insgesammt ist das video auf dem nivau wie alle beiträge die ich zu diesem thema bislang im fernsehen sah : einseitig, und mit teilweise merkwürdiger dateninterpretation.
die verschlimmerung des müllproblems ist wie gesagt relativ gering was das gesammtproblem anbetrifft und ich meine ja auch nur man sollte das bei der abwägung gegen den nutzen (weniger co2 pro kwh) daher weit geringer bewerten.
das jedoch keine kohlekraftwerke abgeschaltet sondern neu errichtet werden ist leider wahr, liegt aber daran das viele arbeitsplätze im deutschen bergbau daran hängen, und vor allem das im vergleich zur atomkraft kaum proteste gegen kohlekraft stattfinden. daher sieht sich die politik leider nicht gezwungen den ausstieg aus der kohle überhaupt oder gar vor dem atomausstieg zu beschliesen.
nun der grund dafür das man österreichs kaltreserve bemüht dürfte rein wirtschaftlicher natur sein. es war schlicht und ergreifend billiger, und (leider) zählt das mehr als irgendwelche co2-belastungen. im übrigen hatten die kernkraftwerke 2007 7710 volllaststunden, mehr wie bei allen anderen großkraftwerken, das bedeutet das die technische verfügbarkeit mindestens 88% beträgt (eher mehr) womit man nicht sagen kann das kernkraftwerke ständig ausfallen.
Du kommst auf die hohe Anzahl Vollaststunden, weil Kernkraftwerke in der Regel als letztes vom Netz genommen werden, da sich das so für den Betreiber besser rechnet, als wenn er andere konventionelle Kraftwerke vom Netz nimmt. Sie sind afaik auch nicht für “Wechsellastbetreib” ausgelegt. Das bedeutet, die Anlagen unterliegen einem erheblichem Verschleiß, wenn sie außerhalb der Nennleistung betreiben werden, bzw. hoch- und runterfahren.
2010 gab es 6 mal eine Reaktorschnellabschaltung nach einer Störung. Es kam also durchschnittlich alle 2 Monate zu einem außerplanmäßigen, plötzlichen Ausfall eines Kernkraftwerks. Die Anzahl der Abschaltungen, die aufgrund einer Störung nicht unter den Begriff “Reaktorschnellabschaltung” fallen ist schwer zu recherchieren. Trivia: Bis zum Juni 2011 waren bei 60% der Störungen im Jahr 2010 die Ursachen ungeklärt. [Quelle: BFS, Störfallmeldestelle]
richtig, sie werden als letzte abgestellt, aber darum gings nicht, wer 88% der maximal möglichen voll-laststunden hat ist zu mindestens 88% der zeit technisch verfügbar.
woher der extra-verschleis kommen sollte beim hoch und runterfahren kann ich nicht nachvollziehen, das einzige was sich beim akw von einem kohle oder gaskraftwerk unterscheidet ist der reaktor, der rest ist wie bei den anderen auch eine große “dampfmaschiene” (ok dampfturbiene aber egal), und im reaktor sind auser den kühlmittel und regelkreislaufpumpen keine weiteren beweglichen teile, diese kühlmittelpumpen arbeiten jedoch auch weiter wenn der reaktor heruntergefahren ist, weshalb das meines erachtens kaum einen unterschied macht.
lediglich die regelbarkeit ist bei akw schlecht da rauf und runterfahren der leistung relativ langsam geht, und ab einer gewissen leistung das kraftwerk nicht mehr funktioniert (irgendwas um 50% oder so).
hmm die öffentlichkeitspolitik der atomenergie-firmen kann ich nicht gutheisen, insbesondere der negativ-primus vattenfall machte viele negative schlagzeilen, aber solche störungen lassen sich ja ausgleichen, nirgendwo ging deswegen das licht aus. und mir ist es lieber man schaltet einmal zuviel ab als einmal zu wenig und dann passiert ein unfall mit freisetzung von radioaktivität. ich denke das die relativ hohe zahl der abschaltungen unsere hohen sicherheitsrichtlinien in dem bereich wiederspiegelt.
Ob etwas viel wechselnde Belastung und Hitzeschwankungen ab kann wird schon in die entsprechende Anlage hinein konstruiert. Gasturbinen von Spitzenlastkraftwerken z.B. sind speziell darauf ausgelegt, häufig an und aus zu gehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die dafür einen Dauerlauf nicht so dolle abkönnen. Prinzipiell ist aber eine solche dynamische Belastung deutlich zehrender für das Material, als eine statische, also gleichbleibende Belastung.
Einfachstes Beispiel: Nimm zwei Büroklammern.
Mit der einen heftest Du 20 Blatt einmal und lässt das so, für x Jahre.
Mit der anderen heftest Du alle 2 Minuten und nimmst sie dann wieder ab, oder biege dran rum.
Die zweite wird deutlich schneller versagen, durch Materialermüdung.
Nimmst Du aber eine Sprungfeder, dann kann die so dynamische Belastungen einfach gut wegstecken.