Birkner (FDP): Gorleben ist tot. Es lebe Gorleben.

Bereits vor seiner Vereidigung am 18.01.2012 als Niedersachsens Minister für Umwelt- und Klimaschutz will Stefan Birkner (FDP) die künftige Richtung vorgeben.

In einem Interview gegenüber Deutschlandradio Kultur kritisiert der designierte Umweltminister das neue SPD-Konzept zur Endlagersuche und verkündet, dass bis heute keine Erkenntnisse vorliegen, die gegen eine Eignung des Salzstocks in Gorleben als mögliches Endlager sprechen.

Stefan Birkner folgte im September 2011 Philipp Rösler im Amt des FDP-Landesvorsitzenden und ist derzeit noch Staatssekretär im Umweltministerium. Er fiel vor gar nicht langer Zeit bereits im Zusammenhang mit Gorleben auf:

So schlug er im Herbst letzten Jahres, als erhöhte Strahlenwerte am Zwischenlager Gorleben für Diskussionen sorgten, vor, dass der Betreiber GNS zur Behebung dieser Problematik die Behälter in der Halle womöglich einfach anders verteilen könne.

Birkner: Vergesslich, noch nicht im Thema drin oder…?

Nachfolgend ein Auszug aus einer Aufzeichnung des Fachdialogs zu Gas- und Kohlenwasserstoffvorkommen in Gorleben am 12.10.2011, initiiert und durchgeführt vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit:

Dr. Roland Wyss:

“Aber, was mich wirklich verwundert ist die Diskussion wie sie jetzt geführt wird.

Man spricht von Vorkommen, man spricht von Lagerstätten, aber wenn es um Sicherheitsbetrachtungen geht, brauchen wir keine Lagerstätten, wir brauchen keine Vorkommen. Es reichen schon geringe Mengen von Gas, welche sicherheits- technisch gesprochen für die Erschliessung des Unter- grundes, für den Bau eines Stollens oder für die Befüllung eines Stollens von Bedeutung ist.

Und es ist offensichtlich und das wissen alle: Es hat Gas im System hier: Erdgas, Methan oder Stickstoff oder CO2 welche allenfalls Gefährdungen darstellen können.

Und für Sicherheitsbetrachtungen reichen eigentlich schon geringe Mengen von Gas, die im Gebirge enthaltenn sind und das ist hier offensichtlich der Fall.

Quelle: http://mitreden.gorlebendialog.de/mitreden/experten/siehe auch YT-Video unten auf dieser Seite

Dr. Roland Wyss ist selbständiger Geologe, hat an der Universität Bern Geologie/Paläontologie, Mineralogie und Chemie studiert und schloss dort 1985 seine Promotion im Fach Geologie ab. In seiner über 25jährigen Berufslaufbahn war er u. a. als Explorationsgeologe bei einer internationalen Firma und als Dozent für Ingenieurgeologie an der ETH Zürich tätig. Ein herausragender Arbeitsschwerpunkt waren immer wieder erdgasgeologische Untersuchungen und Beratungen, insbesondere unter dem Aspekt der Gassicherheit. Seit 2004 arbeitet Roland Wyss als selbständiger Geologe in den Bereichen Ingenieurgeologie, Hydrogeologie und Geothermie. Dr. Roland Wyss nahm an Stelle von Ulrich Schneider an dem Fachdialog teil. (Quelle: http://mitreden.gorlebendialog.de/mitreden/experten#Wyss).

BGR: Gasvorkommen im Salzstock

Das nachfolgende Bild (vorgestellt von Dr. Jan Richard Weber, BGR, beim Gorleben-Dialog im Oktober 2010) zeigt einen Querschnitt durch den Salzstock Gorleben. Dargestellt werden ungefähr 500 Meter in 840 Meter Tiefe. Das blau gefärbte stellt das ältere Steinsalz Z2 dar, welches auf Eignung erkundet wird, ob dort ein Endlager denkbar wäre.

Links und rechts sieht man die Bohrschächte. Die gelben und roten Punkte kennzeichnen die Strecken, an denen man während der Bohrungen Kohlenwasserstoffe entdeckt hat, allerdings nicht die Größe der Vorkommen.

Querschnitt durch den Salzstock Gorleben

Im folgenden sieht man welche Erdgaslagerstätten gefunden und gefördert wurden. Rot eingefärbt: Gasfelder. Dunkelgrau: Salzstock Gorleben:

...

In der nachfolgenden Karte sind Bohrungen eingezeichnet, die in den Datenbanken verzeichnet sind. Die Bohrungen gehen teilweise bis zu 5000 m tiefe. In diesem erdölgeologischen Atlas ist angegeben, was gefunden wurde – wenn es angegeben wurde.

Dr. Jan Richard Weber, BGR erklärt dazu beim Gorleben-Dialog: “Diese Bohrungen haben unterschiedlichen End-Teufen. Sie gehen teilweise bis 5000 Meter Tiefe. Zu einer Bohrung gibt es die Angabe, dass sie dort Kohlenwasserstoffe gefunden hat (Wustrow Z1). Die anderen gehen nicht in genügend Teufe. Sie haben keine Vorkommen gefunden. Alles andere da ist in diesem Atlas die Angabe trocken oder keine Angabe. (…) Auf jeden Fall wurden keine wirtschaftlich gewinnbaren Kohlenwasserstoffe gefunden.”

...

Zu seinen Erläuterungen der Karten aus dem erdölgeologischen Atlas gab es eine interessante Nachfrage:

“Rambow war mit drin im Erkundungsbereicht. Es hat 1969 eine Gasexplosion in Rambow gegeben, gleichzeitig haben sie aber gesagt, da wurden keine großartigen Kohlenwasserstoffe gefunden.”

Antwort Dr. Jan Richard Weber, BGR:

“Die Abbildungen, die ich gezeigt habe, sind aus einem erdölgeologischen Atlas genommen, dort sind die Bohrungen als trocken vermerkt, in denen keine förderwürdigen Kohlenwasserstoffe gefunden wurden.

Da ist z. b. auch die Schachtverbohrung 5001 oder 5002 als trocken vermerkt, obwohl dort Kohlenwasserstoffe gefunden wurden. Während des Abteufens der Bohrung wurde ein Kondensatvorkommen angefahren von einigen Kubikmeter Inhalt. Die Bohrung ist dennoch als trocken klassifiziert worden, da es keine herkömmliche Lagerstätte im herkömmlichen Sinne ist, Lagerstätte also als Resevere, die man fördern kann, sondern es ist ein Kohlenwasserstoffvorkommen, was nicht gefördert werden kann, weil es zu gering ist.

Also es kommen auch Kohlenwasserstoffe an den Stellen vor, die in der letzten Abbildung nicht markiert sind. Also in Spuren kommt das überall vor (..) aber nicht als makroskopische Vorkommen und in diesem Atlas sind nur die förderwürdigen Vorkommen abgebildet.”

Quelle: http://youtu.be/OdA-XzS_Nek?t=5m27s

Experten warnen: Mindestanforderungen für Endlager nicht erfüllt

Auch der Geologe Dr. Ulrich Kleemann veröffentlichte Ende 2011 eine Studie, nach der Gorleben nicht die Mindestanforderungen für ein Endlager erfülle und warf dem BGR vor, neuere wissenschaftliche Ergebnisse, die die „Eignungshöffigkeit“ des Salzstocks in Frage stellen, komplett auszublenden.

Dr. Kleemann war bis April 2010 als Fachbereichsleiter im Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) für die Endlagerung zuständig.

Kleemann ist nicht der erste Forscher, der vor Gefahren dieser Art warnt: Auch der Geologe und Endlager-Experte Klaus Duphorn hatte bereits im Juli bei einer Anhörung im Bundestag bestätigt, dass explosives Erdgas bei Bohrungen gefunden worden sei und Gasausbrüche passieren könnten.

Ein Dokument aus den Archiven der DDR, das vor wenigen Monaten aufgetaucht war, hatte zudem gezeigt, dass im Bereich Gorleben vermutlich erhebliche Mengen Erdgas im Salz lagern. Etwa 15 Kilometer in südwestlicher Verlängerung des Salzstocks befand sich in der Altmark bei Salzwedel die größte Erdgaslagerstätte der DDR. Unterhalb des Salzstocks ereignete sich 1969 in Lenzen östlich der Elbe in rund 3500 Metern Tiefe eine schwere Gasexplosion, die zum Tod eines Arbeiters führte.

Kleemann zufolge zeigt eine Veröffentlichung aus dem Jahr 2004 auf Basis von Bohrungsergebnissen, dass eine “potentiell gasführende Schicht von der Altmark bis nach Lenzen reicht und unter dem geplanten Endlagerstandort eine Mächtigkeit zwischen 50 und 75 Meter erreicht”. Damit sei die Existenz von Gas unter dem Endlager “noch nicht erwiesen, aber möglich

Die schützende Tonschicht fehlt

Ein weiterer bedeutender Standortnachteil von Gorleben ist Kleemann zufolge auch die Tatsache, dass über dem Salzstock eine schützende Tonschicht fehle. An anderen Salzstöcken sei diese noch intakt.

Für seine Studie wertete der Geologe auch die vier von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in den Jahren 2007 bis 2011 veröffentlichten Berichte zu den Erkundungsergebnissen in Gorleben aus. Die BGR ist die für die geologische Bewertung der Erkundung in Gorleben zuständige Behörde.”

Quuelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,803270,00.html

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(Redakteur: KH)

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Kommentare

One Kommentar zu “Birkner (FDP): Gorleben ist tot. Es lebe Gorleben.”

  1. Andrea K. am August 18th, 2012 21:21

    Insbesondere für die FDP ist das Verhalten symptomatisch. Das ist in Niedersachsen offensichtlich genauso wie bei uns in Brandenburg. Was mich stört, ist die Doppelmoral.

    Bspw. der Brandenburger FDP-Chef Gregor Beyer , seines Zeichens aktives NABU-Mitglied und im Umweltausschuss des Landtags.
    Und auf der anderen Seite große Polemik pro CCS. Jüngst hat er quasi die Bevölkerung als zu doof abgekanzelt
    doof abgekanzelt um bei so ureigenen Interessen mitzureden, wie ein Chaos-Flughafen sich in die Umgebung einzufügen hat.

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