Fukushima: Politik und Wahrheit
Prof. Kodama zur Kontamination nach Fukushima

Vor einem Monat haben wir Prof. Kodama zitiert: “Ich bebe vor Wut!”, zur Kontamination nach Fukushima.

Heute ein Interview mit ihm und im Anschluss ein Interview mit Dr. Shunichi Yamashita, dem Vize-Präsidenten der Medizinischen Universität Fukushima, der gegenüber der Bevölkerung Vorträge zur Strahlenbelastung hält.

Für Untertitel ggf. CC klicken. Transskript hier:

Professor Tatsuhiko Kodama

“Aus dem Blickwinkel eines Spezialisten der Genomwissenschaft, wie ich einer bin, sollten wir unsere Erkenntnisse angesichts der Realität nicht modifizieren.

Spezialisten sollten die Wahrheit sagen, so wie sie ist, egal wie schwierig das sein mag.

Wissen Sie, die durchschnittlichen Japaner sind nicht dumm. Soweit ich das beurteilen kann, nehmen sie die Dinge ernst und durchdenken sie gründlich. Also sollten die Spezialisten ihnen die Wahrheit sagen und die Dinge auf der Wahrheit basierend diskutieren. Nur so werden die Spezialisten in der Öffentlichkeit glaubwürdig sein und Risiken können vermieden werden.

Kennt die Öffentlichkeit die Risiken – z.B. der Beseitigung von radioaktivem Cäsium – wird sie fest entschlossen sein, das Problem zu lösen, welcher Anstrengungen es auch immer bedürfen mag.

Egal, wie hart die Nahrungsmittel-Kontrolle sein mag, die Öffentlichkeit wird dazu entschlossen sein, zusammenzuhalten und es durchzustehen. Also besteht die Hauptverantwortung der Spezialisten- Medizinspezialisten wie uns- darin, der Öffentlichkeit zu erklären, welche potenziellen Gesundheitsschäden auftreten können.

Erwägt ein Spezialist von Beginn an ››Sage ich das hier, wird es dort zu Problemen füren‹‹, ist er oder sie ein Politiker, kein Spezialist.

 

Die Verantwortlichkeit der Spezialisten offenbarte sich, als der Tsunami die Tohoku-Region traf.

In Ishinomaki-Stadt waren die Spezialisten der Katastrophen-Vorsorge am Boden zerstört, als ihre Vorsorgemaßnahmen gegenüber dem Tsunami versagten. Aber gleichzeitig waren sie erfreut, dass Kinder überlebten, denen sie als Teil des Katastrophenschutzprogrammes beigebracht hatten: ››Wenn ein Tsunami kommt, rennt los. Schaut euch um, helft einander und rennt um jeden Preis auf höheres Gelände.‹‹

Sie empfanden, dass sie ihre Aufgaben als wahre Spezialisten erfüllt hatten.

Dieses Ereignis hat meine Meinung über die Rolle der Spezialisten bestärkt: Besteht eine reale Gefahr, informiere die Öffentlichkeit darüber, dass es wirklich gefährlich ist und sage ihr, dass wir das gemeinsam durchstehen werden. Was die Menschen von Spezialisten erwarten, sind nicht die Kompromiss-Worte, in denen Politiker so gut sind. Sie wollen, dass Spezialisten die Gefahr eine Gefahr nennen, so wie sie ist.

Ich glaube, der Hauptgrund, weswegen die Kernenergie-Gesellschaft Japans [Nuklear-Experten] und Japans Nuklear-Strategie gescheitert sind, liegt darin, dass Spezialisten ihren Stolz und ihre Würde als Spezialisten aufgegeben haben. Weil sie Politiker oder Geschäftsleute geworden sind, indem sie den Menschen nicht die Wahrheit sagen.

Ohne die Selbst-Überprüfung dieser Tatsache glaube ich nicht, dass die Wiedergeburt der Universität von Tokyo oder die der japanischen Wissenschaftler stattfinden würde.”

 

Dr. Shunichi Yamashita

Dr. Shunichi Yamashita, Vize-Präsident der Medizinischen Universität Fukushima, hält Vorträge als Strahlungsrisiko-Gesundheits-Berater von Fukushima. Bei diesen Vorträgen erklärt er:

“Nun, da die Regierung entschieden hat, dass das Sicherheits-Strahlungslimit bei 20 Millisievert pro Jahr liegt, haben wir als japanische Bürger die Pflicht, die Entscheidung der Regierung zu befolgen.”

Aber, kann der großzügigere Grenzwert von 20 mS/Jahr wirklich die Kinder schützen? Nach einem Vortrag suchte ein Reporter-Team Dr. Shunichi Yamashita auf, um diese Aussage bestätigt zu bekommen:

Yamashita: “Sie müssen sich die 20mS/Jahr als provisorischen Stand denken.”

Reporter: “Während des Vortrages sagten Sie, Sie wüssten nichts über die gesundheitsrisiken unter 100mS/Jahr. Bedeutet das, dass Sie auch nicht sagen können, das sei sicher?”

Yamashita: “Natürlich kann ich das nicht. Deshalb diskutieren wir darüber, wo in dieser Grauzone wir die Grenze ziehen.”

Reporter: “Sie meinen damit, Sie sagen den Menschen in Fukushima, sie müssen das erdulden?”

Yamashita: Wenn sie das nicht tun, müssen sie evakuieren. Wohin würden Sie sie evakuieren?
[unterschwellig: ››Wären Sie bereit, die Verantwortung für die Evakuierung der Einwohner Fukushimas zu übernehmen?‹‹ Er wäre es offensichtlich nicht.]

 

Letztenendes konnten die Journalisten keine Bestätigung dafür bekommen, dass Dr. Shunichi Yamashita, Vize-Präsident Medizinische Universität Fukushima, die Sicherheit der Kinder garantiert.

 

Vorträge zur “Aufklärung”

Im Folgenden Ausschnitte aus Vorträgen des Dr. Shunichi Yamashita vom 2011-03-21, Fukushima-Stadt und 2011-05-03, Nihonmatsu-Stadt.

 

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