Hochwasser bedroht Kernkraftwerk Fort Calhoun, USA

Update 2011-06-27: Hochwasserbarriere kollabiert. Kernkraftwerk unter Wasser. Zum Artikel

Update 2011-06-20: Wetter-Warnungen vor Sturtzflut und Tornados.
Zum Artikel

Update 2011-06-19 hier ->

[Update 2011-06-18: Pakistanische Presse: Präsident Obama und die Regierung der USA sollen eine Nachrichtensperre zum gefährdeten Kernkraftwerk verhängt haben, Russen vermuten die Klassifikation als Unfall der Stufe 4 als nicht unrealistisch.

Die Quelle darf als fragwürdig bezeichnet werden, tatsächlich aber wird der Vorfall in der Weltpresse nicht erwähnt. Selbst direkte Anfragen der AntiAtomPiraten an Presseredaktionen (z.B. Tagesschau) bleiben unbeantwortet.]

OPPD: Kernkraftwerk Fort Calhoun im Hochwasser. Mit Sandsäcken und Wasserpumpen wird versucht die Katastrophe abzuwenden. 20. Juni 2011

OPPD: Kernkraftwerk Fort Calhoun im Hochwasser. Mit Sandsäcken und Wasserpumpen wird versucht die Katastrophe abzuwenden. 20. Juni 2011

Das Kernkraftwerk in Nebraska liegt in einem Erdbebengebiet und wird seit Tagen von einem Hochwasser bedroht. Zur Abwehr des Hochwassers wurden Maßnahmen mit Sandsäcken eingeleitet. Der Reaktor bleibt aufgrund des Hochwassers nach einer Revision bis auf weiteres abgeschaltet. Seit dem 06. Juni 2011 wird das Hochwasser als Sicherheitsrisiko mit der Stärke 0 bewertet (Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung).

[Update 2011-06-17: Das schwarze Rückhaltesystem im Bild ist keine Sandsack-Barriere, sondern ein großer Schlauch, gefüllt mit Wasser. Das System nennt sich Aqua Dam. Vorteil des Systems: Es ist sehr schnell errichtet und platzsparend zu lagern. Nachteile des Systems: Wird es überflutet, schwimmt es weg; wird die Hülle beschädigt, versagt das System auf großer Breite katastrophal; eine Aufstockung des Damms ist kaum möglich. Das System ist quasi das umgekehrte Prinzip eines Schlauchbootes, nur nicht so sicher.]

Inzwischen wird das Hochwasser als Unfall der Stufe 4 bewertet. Das bedeutet, das Kernkraftwerk ist in akuter Gefahr. Wasser würde bereits in das Gelände eindringen. Das Hochwasser wird für etwa 2 Monate bleiben und der Wasserstand wird noch weiter steigen.

[Update 2011-06-15: Der Betreiber OPPD weist darauf hin, dass die Klassifikation der Stufe 4 falsch ist und es sich um ein Gerücht handelt. Das Unternehmen spricht von einem "Hinweis auf ein ungewöhnliches Ereignis". OPPD hat einen Blog mit Ticker sowie eine Webseite eingerichtet um weitere Gerüchte zu beantworten.]

[Update 2011-06-16: Bild vom 2011-06-16]

Die vorhandenen Dämme sind nicht für ein derartiges Hochwasser ausgelegt. Flussaufwärts kam es bereits zu mehreren Deichbrüchen. Die Situation am Kernkraftwerk ist nicht auf einen Dammbrauch ausgelegt. Die Behörden haben bereits am 06. Juni 2011 ein Flugverbot im Gebiet um das Kernkraftwerk erlassen. Damit wird auch die Erstellung von weiteren Luftaufnahmen des Kraftwerks erschwert.

Die Gründe für das Flugverbot beruhen auf Sicherheitsvorkehrungen die nicht veröffentlicht werden dürften, es habe aber mit den Hochspannungsleitungen zu tun, so ein Sprecher des Betreibers. Der Betreiber versichert, dass keine Gefahr für das Kernkraftwerk zu erwarten sei. Die Sicherung eines Kernkraftwerks vor Hochwasser mit Sandsäcken wird als normale Praxis dargestellt.

Die Hochspannungsleitungen stellen die Versorgung des Kraftwerks mit elektrischer Energie sicher. Fällt diese aus und kann diese nicht durch eine Notstromversorgung ersetzt werden, bahnt sich eine Katastrophe an, deren Verlauf derzeit in Fukushima deutlich wird. Dort ist (unter anderem) genau dies passiert. Bereits am 07. Juni kam es im Kernkraftwerk Fort Calhoun zu einem ersten Stromausfall mit Ausfall der Kühlung. Die Anlage wurde daraufhin kurzzeitig evakuiert.

Arnie Gundersen dazu: Sandsäcke und die Sicherheit eines Kernkraftwerks gehören eigentlich nicht in den selben Satz. Der Experte für Kernkraftwerke beurteilt die Situation als extrem kritisch, insbesondere ein Dammbruch kann nun zu einer Wiederholung der Vorfälle aus Fukushima innerhalb der USA führen. In den Abklingbecken des Kernkraftwerks Fort Calhoun lagert Atommüll der letzten 20 Betriebsjahre.

 

Feuer im Kernkraftwerk

Am 07. Juni 2011 kam es im Kernkraftwerk zu einer Rauchentwicklung in einem Schaltraum. In diesem Zusammenhang kam es zu einem Ausfall der Kühlung des offenen, wassergekühlten Atommülllagers (Abklingbecken). Nach Angaben des Betreibers musste aufgrund des Löschmittels Halon sowie anderer giftiger Gase die Anlage vorübergehend evakuiert werden.

Laut Betreiber steht dieses Ereignis in keinem Zusammenhang mit dem Hochwasser, auch könne der Ausbruch eines Feuers nicht bestätigt werden. Bei Eintreffen der Feuerwehr war kein Feuer feststellbar.

Der Betreiber weiter: Die Kühlung konnte nach etwa 90 Minuten wieder hergestellt werden. Das Wasser im Becken habe sich nur geringfügig erwärmt. Eine kritische Situation wäre erst nach etwa 88 Stunden ohne Kühlung zu erwarten gewesen. Während des Vorfalls wurde die Störung mit INES 2 (Störfall) bewertet.  Es habe zu keiner Zeit eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden.

Der Anstieg der Temperatur im Abklingbecken um 2°C ist nach Aussage von A. Gundersen ein beträchtlicher Temperaturanstieg. Selbst wenn die Kühlung derzeit wieder in Betrieb genommen wurde, sind doch deutliche Schäden im betroffenen Schaltraum zu vermuten.

Ein Ausfall der Kühlung eines Abklingbeckens kann nach unserer Einschätzung durchaus als Ernster Störfall der Stufe 3 bewertet werden, da mit dem Ausfall der Kühlung die einzige Sicherheitsbarriere, das Wasser im Abklingbecken, akut gefährdet ist. In Fukushima hat ein solcher Vorfall das Reaktorgebäude 4 des Kernkraftwerks Fukushima 1 (Daiichi) zerstört. Des weiteren kam es vermutlich im Abklingbecken des Reaktor 3 in Fukushima 1 (Daiichi) zu einer Kernexplosion.

 

Infos zum Kernkraftwerk Fort Calhoun

Das Kernkraftwerk ging im Jahre 1973 erstmals ans Netz. Die geplante Betriebszeit betrug 30 Jahre. Die Lizenz wurde im Jahre 2003 um 30 Jahre verlängert und gilt damit bis 2033. Es handelt sich um einen Druckwasser-Reaktor und ist damit nicht baugleich mit den Reaktoren in Fukushima.

In der Metropolregion Omaha um das Kernkraftwerk leben etwa 800.000 Menschen.

Laut Betreiber war das Kernkraftwerk auf eine 500-Jahres-Flut ausgelegt.

2010 hat eine Untersuchung festgestellt, dass das Kernkraftwerk nicht ausreichend gegen Überflutungen geschützt ist. 2011 wurden daher bauliche Veränderungen vorgenommen. Dennoch bereitet das derzeit herrschende Hochwasser Kopfzerbrechen.

Ebenfalls wurde 2010 festgestellt, dass das Risiko eines Erdbebens, das den Reaktor zerstören würde 1 zu 76.923 pro Jahr betragen würde. Das Risiko wäre damit 1 zu 1282, also etwa 0,1%, hochgerechnet auf eine 60-jährige Betriebsdauer.

Würde man 104 Reaktoren mit dieser Sicherheit betreiben, stiege das Risiko auf 7,8% (1 zu 13), dass ein Reaktor während des Betriebs durch ein Erdbeben zerstört wird (die USA haben 104 kommerzielle Reaktoren im Einsatz). Würde man alle etwa 500 je gebauten, kommerziellen Kernreaktoren mit dieser Sicherheit betreiben, läge die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses aufgrund eines Erdbebens bei 32,3%.

 

Die Missouri Flut

Bereits im Mai, nach der Mississippi-Jahrhundertflut 2011, war das Missouri-Hochwasser absehbar. Die Staustufen waren gefüllt, es gab heftige Unwetter und die Schneeschmelze war noch nicht eingetreten. Es kam sogar zu bewussten Sprengungen von Staustufen um für Entlastung zu sorgen. Die Flut soll einige Monate anhalten.

[Update 2011-06-18: Mehrere Dämme haben enorme Probleme mit der Standfestigkeit. Bei einem Damm mussten die Entlastungsschleusen aufgrund von Problemen mit dem Fundament wieder geschlossen werden. Bricht ein Damm, werden voraussichtlich auch die folgenden Dämme überflutet werden.]

Aufgrund der absehbaren Hochwasser-Situation wurde der Reaktor des Kernkraftwerks Fort Calhoun nach der Revision nicht wieder angefahren.

Am Missouri liegen flussabwärts noch weitere Kernkraftwerke. Das AKW Cooper, auch in Nebraska, ging 1974 ans Netz, soll bis 2034 betreiben werden und wird voraussichtlich nicht aufgrund der Flut abgeschalten werden. Das AKW Callaway in Missouri hat einen Reaktor, der 1984 ans Netz ging. Die Lizenz läuft 2024 aus. Bisher liegen uns keine Daten vor, ob oder wie das Kraftwerk von der Flutwelle betroffen sein wird.

 

AKW in Europa ebenfalls nicht sicher vor Hochwasser

Auch in Europa gibt es Kernkraftwerke, die nicht ausreichend gegen Hochwasser gesichert sind.

AKW Fessenheim am Oberrhein ist vor Hochwasser nicht ausreichend sicher

AKW Fessenheim am Oberrhein ist vor Hochwasser nicht ausreichend sicher

 

Gestern wurde bekannt, dass das französische Kernkraftwerk Fessenheim am Oberrhein nicht ausreichend vor Hochwasser geschützt ist. Dem Betreiber waren desolate Zustände von Dämmen bereits bekannt. Dennoch wurden diese Informationen zurückgehalten. Das Kernkraftwerk würde bei einem entsprechenden Ereignis binnen Stunden unter Wasser stehen. Mit dem Ausfall der elektrischen Kühlung ist ein Schadensverlauf, wie er in Fukushima deutlich wird, unausweichlich.

Auch einige deutsche Kernkraftwerke sind nicht ausreichend vor Hochwasser geschützt. Das Kraftwerk Unterweser wird bei einem Dammbruch während einer Sturmflut innerhalb einer Stunde geflutet. Nachdem dieses Kraftwerk nun stillgelegt werden soll, sollte nun auch dafür gesorgt werden, dass der Standort möglichst schnell geräumt wird. Nach dem Abschalten müssen die Brennelemente noch etwa 5 Jahre unter Wasser gekühlt werden.

Kernkraftwerk Unterweser, nicht geschützt bei einem Dammbruch bei Sturmflut.

Kernkraftwerk Unterweser, nicht geschützt bei einem Dammbruch bei Sturmflut.

 

Update 2011-06-27: Hochwasserbarriere kollabiert. Kernkraftwerk unter Wasser. Zum Artikel

Update 2011-06-20: Wetter-Warnungen vor Sturtzflut und Tornados.
Zum Artikel

Update 2011-06-19 hier ->


Links

 

Update 2011-06-19 hier ->

Du magst diesen Artikel? Teile ihn mit anderen:

Kommentare

11 Kommentare zu “Hochwasser bedroht Kernkraftwerk Fort Calhoun, USA”

  1. AKW Fort Calhoun (USA) « internationalnucleareventscale7 am Juni 15th, 2011 22:12
  2. Eric am Juni 15th, 2011 23:19

    Containment building flooded, as per latest news release from OPPD. http://www.care2.com/c2c/share/detail/2838294

  3. Juergen am Juni 15th, 2011 23:56

    I can’t find any proof of this information. I suppose, this is a missunderstanding and it means that the reactor, that contains the fuel, is flooded, wich is good and standard procedure when fuel is inside the reactor.

    However, if the plant fails to use fresh water to cool the cooling systems, the plant is in severe trouble.

    Here is a page of OPPD where they try to fight some rumours: http://www.oppd.com/AboutUs/22_007105

  4. Kernkraftwerk in Fort Calhoun – Alarmstufe 4? | Fakeblog am Juni 16th, 2011 11:00

    [...] bedroht momentan das Kernkraftwerk in Fort Calhoun. Die eine Seite sagt, es herrsche bereits “Alarmstufe 4″, der Betreiber OPPD nimmt zu den Gerüchten online [...]

  5. Hochwasser bedroht Kernkraftwerk Fort Calhoun, USA « Der Honigmann sagt… am Juni 16th, 2011 15:03

    [...] gekühlt werden. Kernkraftwerk Unterweser, nicht geschützt bei einem Dammbruch bei Sturmflut.http://www.anti-atom-piraten.de/2011/06/zwischenfall-im-akw-fort-calhoun-usa/ . Gruß Der Honigmann [...]

  6. VAhanus Blog | It's the end of the world as we know it…. am Juni 18th, 2011 16:45

    [...] haben das Thema “Fort Calhoun” zum Glück schon aufgegriffen, sodaß ich auf deren Blog [...]

  7. Update: Vom Hochwasser bedrohte Kernkraftwerke : #AntiAtomPiraten am Juni 19th, 2011 12:24

    [...] der Presse sind die durch die Flut bedrohten Kernkraftwerke weiterhin kaum ein Thema (wir berichteten seit 2011-06-15). Dies hat viel Raum für Spekulationen [...]

  8. 100 Tage nach Fukushima… | Anti-Atom-OWL am Juni 20th, 2011 01:44

    [...] abgeschaltetes AKW außer Kontrolle geraten. Es gibt dort Flugverbote, Nachrichtensperren, … Mehr aktuelle Informationen dazu hier. Die Lügen und die Vertuschung nehmen dort dieser Tagen ihren Lauf, so wie [...]

  9. AKW Fort Calhoun, USA Nebraska - Grünes Stralsund am Juni 21st, 2011 16:32

    [...] auch hier und hier. Verfasst am 21.06.2011 um 15:32 Uhr von Angelika Bückner. Bislang wurde kein Kommentar [...]

  10. Ein Akw als Wasserburg « Taschenbier's Blog am Juni 22nd, 2011 14:32

    [...] Anti Atom Piraten [...]

  11. kingo Japan am August 27th, 2011 02:12

    Yamashitas Äußerungen zu Fukushima und Strahlung
    http://www.youtube.com/watch?v=pPrHbZ6SHOY

Schreibe einen Kommentar