Wissenschaftler zur Informationspolitik

Dr. Volker Jaenisch von der Piratenpartei ist Physiker und Meteorologe. Er war einer der ersten Wissenschaftler, die eine Prognose über die Verbreitung einer radioaktiven Wolke erstellt haben.

In diesem persönlichen Statement spricht er über die Informationspolitik zur Katastrophe in Japan aus der Sicht als Wissenschaftler:

 

Zur Informationspolitik

Bis heute sind uns Wissenschaftlern keine verläßlichen Daten über die emmitierte Radioaktivität in Fukushima bekannt. Bitte schreiben Sie einen Brief an die Bundeskanzlerin, oder unseren Aussenminister, damit diese darauf drängen dass aktuelle Meßwerte aus Japan veröffentlicht werden.


Als Junge bin ich vor 30 Jahren aufgebrochen die Welt zu verbessern. Mein Studium der Physik und die Promotion in Meteorologie hat mich dazu befähigt sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen unserer Technologie zu erfahren. Ein Science-Fiction-Autor (Ich denke es war Robert A Heinlein) schrieb einmal: “In jeder Entwicklung einer technologischen Gesellschaft gibt es einen Punkt an dem Technologie und Magie verschmelzen”

Diesen Punkt haben wir mit Handys und Computern erreicht, welche für einen Menschen aus dem Mittelalter wie Magie wirken müssen und heute vielen helfen. Die Atomkraft ist aber im Gegensatz dazu rundimentär und grobschlächtig. Sie entbehrt jeder physikalischen Eleganz – es geht schlicht um eine Wärme-Kraft-Maschine, wie sie seit Jahrtausenden bekannt ist. Noch dazu hat sie im Gegensatz zu anderen neuen Technologien schon lange beekannte Sicherheitsrisiken.

Moderne Technologien (Autos, Computer, Solartechnik, Biotechnologie, Nanotechnologie ) haben sich parallel dazu binnen Jahrzehnten verkleinert, verbessert, sind immer sicherer geworden und haben einen breiten Markt erschlossen und Hunderttausende von Arbeitsplätzen geschaffen.

 

Bis heute (2011-03-31, 04:00 MEZ) sind uns Wissenschaftlern keine verläßlichen Daten über die emittierte Radioaktivität in Fukushima bekannt.

Es ist völlig unverständlich warum :

Weltweit gibt hunderte von Teams welche als Wissenschaftler, Katastrophenschützer, Feuerwehrleute über Jahrzehnte darauf hin gearbeitet haben sich für solch eine Ernstfall vorzubereiten. Wieso kommen die nicht zum Zug?

Der Kenntnisstand ist nicht aufschlußreicher als bei Chernobyl.
Wie wird der Kenntnisstand sein, wenn so etwas in Frankreich passiert?

Die BRD liegt wie Japan in der Westwindzone. Dort wehen die Winde in der Regel von Westen. Diese meteorologische Situation rettet gerade den Großraum Tokio davor großräumig verstrahlt zu werden.

Ein Nuklearunfall in Frankreich ausgelöst durch einen Bedienfehler (wie in Chernobyl) kann eine Situation wie in Fukushima verursachen. Nur würde dann der Wind zu uns und nicht auf das Meer wehen. Dann müssten Ballungsräume wie der Ruhr-Pott oder Rein-Main evakuiert werden.

In mir lebt immer noch der Junge, der die Welt verbessern will. Er hat immer noch Angst von der Atombombe und auch vor Fallout. Er mag die neue Technologie, aber er mag die Altlasten der alten Technologie heute genauso wenig wie vor 30 Jahren.

Aber all diese meine Bedenken sind bedeutungslos, da die BRD ja bis 2017 aus der Kernkraft aussteigen wird. Bis die Franzosen aussteigen dauert noch ein wenig, aber ich mag prophezeien dass wir nicht erneut 30 Jahre dafür arbeiten werden müssen.

Wir Wissenschaftler sind zwar machtlos aber findig. Die Uni-Köln hat ihr EURAD-Modell geeicht an aktuellen Geiger-Messungen rund um den Globus. Nun können zumindest Schätzungen über die Menge an ausgetretener Radioaktivität vorgenommen werden. Diese Schätzungen sind aber durch die großen Entfernungen der Meßstationen zu Japan äußerst ungenau.


Links

Du magst diesen Artikel? Teile ihn mit anderen:

Kommentare

One Kommentar zu “Wissenschaftler zur Informationspolitik”

  1. Interview mit Dr. Volker Jaenisch zu den Vorfällen in Fukushima | Flaschenpost am April 5th, 2011 18:32

    [...] Mails von besorgten Deutschsprachigen aus aller Welt bekommen. Vor wenigen Tagen hat er auf dem Blog der Anti-Atom-Piraten einen Beitrag veröffentlicht. In diesem rief er andere Wissenschaftler dazu auf, die Regierung [...]

Schreibe einen Kommentar