E.ON für den Atomausstieg? – Oder:
Wie erkenne ich echten Ökostrom.

UPDATE 2012-10-24: Inzwischen hat sich Entega von EON gelöst und verfolgt ein anspruchsvolles Konzept, die Energiewende im eigenen Hause zu vollziehen.

Ist es egal, welchen Öko-Stromanbieter ich Wähle?

Gestern hat uns stolz jemand angetwittert, dass er jetzt auch auf Ökostrom umgestiegen sei, um den Atomausstieg voran zu bringen. Das ist gut. Leider hat er aber etwas übersehen…

Sein neuer Stromanbieter ist Entega und bindet ihn für 12 Monate. Wenn man deren Homepage ansieht, dann wird dort auch ganz klar der Atomausstieg suggeriert:

Schaut man dann weiter, stellt man fest, dass es sich bei Entega um die ENTEGA Vertriebs und Verwaltungs GmbH & Co KG handelt. Auf der Seite wirbt Entega für 100% Ökostrom. Das bedeutet aber nicht, dass Entega nur Ökostrom handelt. Bei den Angaben zum Strommix taucht auch ein Tarif “Entega 2009″ auf, mit einem EE-Anteil von gerade mal 39%.

Recherchiert man im Internet nochmals etwas weiter, dann stellt sich eine verschleierte Verbindung und Verflechtung mit E.ON heraus:

Am Mutterkonzern HSE ist zu 40% die E.ON Ruhrgas beteiligt. … Über den HSE-Aufsichtsrat hat die E.ON Ruhrgas AG Einfluss auf HSE.[3]
Die Stadtwerke Mainz AG, eine der beiden Mütter der Entega, betreiben gemeinsam mit der ESWE Versorgungs AG die Kraftwerke Mainz Wiesbaden AG (KMW).[4][5] Am Aktienkapital der ESWE ist mit 49,4% die Thüga AG München beteiligt.[6] Die Thüga AG ist … über die Tochtergesellschaft E.ON Ruhrgas Thüga Holding GmbH, eine 100prozentige Tochter der E.ON Ruhrgas.[7] Die E.ON Ruhrgas AG ist … eine 100prozentige Tochter der E.ON Düsseldorf – die zu 24 Prozent Strom aus Kernenergie vermarktet, über Beteiligungen an 13 Atomkraftwerken.
” [Wikipedia (und andere)]

UPDATE: Die Verflechtung zwischen E.ON und Entega soll möglichst bald gelöst werden. Hier die ausführliche Stellungnahme von Entega. Die Stellungnahme ist vom 27.03.2011, das Vorhaben steht allerdings mindestens schon seit Mitte 2010 im Raum

Wer Naturstrom von Konzernen kauft, die neben dem Naturstrom auch einen Strommix verkaufen, hilft dem Umstieg auf die Erneuerbaren Energieträger oft nicht wirklich. In der Regel passiert lediglich folgendes: Man bezahlt mehr Geld an die Atom-Konzerne für seinen Strom und bekommt dafür selber nur buchungstechnisch Ökostrom. Die anderen Kunden des Konzerns erhalten aber den selben Anteil weniger an Ökostrom, denn denen ist es schließlich egal wo ihr Strom her kommt. In der Summe bleibt der Öko-Anteil der Selbe, der Atom-Konzern verdient aber mehr.

Entega ist nicht der einzige Anbieter dieser Art. Wir haben Entega nur zufällig ausgewählt, weil uns jemand dazu angetwittert hat. Ein anderes Beispiel wäre etwa die NaturEnergie AG, die eine Tochter von EnBW ist.

Wer Atomstrom-Konzerne nicht unterstützen will, muss aufpassen.

Wie erkenne ich echten Ökostrom?

Wer auf Nummer sicher gehen will kauft den Strom von Unternehmen, die das Grüner-Strom-Label in Gold führen.

Es gibt diverse Naturstrom und Öko-Strom Auszeichnungen. Hier ein Vergleich. Die meisten Öko-Strom-Auszeichnungen erzwingen nicht, dass man tatsächlich 100% Ökostrom produziert, sondern erlauben dass man Strom durch den Kauf von RECS-Zertifikaten “Grün wäscht”.

Das bedeutet, der Anbieter verkauft irgendeinen Strom, kann aber nachweisen, dass irgendwo die entsprechende Menge an Ökostrom produziert wurde. Dieser Handel führt aber in der Regel nicht zu einem Ausbau an Ökostrom. Zum Beispiel können Stromkonzerne Strom ihrer alten Wasserkarftwerke als Ökostrom anbieten und damit ohne den Ausbau an erneuerbaren Energien ganz formal Ökostrom verkaufen.

Also, ganz wichtig: Auf das Grüner Strom Label achten!

Tatsächlich gibt es in Deutschland 4 “große” Naturstromanbieter:
Die NATURSTROM AG, die EWS Schönau, Greenpeace Energy und Lichtblick.

Die Besonderheit bei Lichtblick ist, dass dieser Anbieter Spitzenlasten durch Zukauf von “Graustrom” ausgleicht, also auch Atomstrom mit ankauft.

Die Naturstrom AG ist der Anbieter, der am meisten in den Neubau von Anlagen in Deutschland investiert.

Oftmals ist der Naturstrom sogar günstiger als der Strom der lokalen Stadtwerke.

Mehr Infos zum richtig wechseln gibt es hier:
www.atomausstieg-selber-machen.de

Links:

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Kommentare

23 Kommentare zu “E.ON für den Atomausstieg? – Oder:
Wie erkenne ich echten Ökostrom.”

  1. NetzBlogR am März 25th, 2011 18:19

    Nur der Vollständigkeit halber: Wer einen Ökostrom-Vertrag abschließt, bekommt auch bei den genannten “guten” Anbietern keinen puren Ökostrom nach Hause geliefert.

    Jeder bekommt das, was in die Leitungen eingespeist wird und das ist generell ein Gemisch aus allen Herstellungsarten. Für reinen Ökostrom müsste man sich schon für rund 100.000 EURO eine eigene Leitung legen lassen.

    Man unterstützt mit seinem Vertrag also lediglich das Voranbringen der Nutzung erneuerbarer Energien.

    Wollte ich nur mal gesagt haben.

  2. Utopia Watchblog am März 26th, 2011 00:36

    In einem weiteren Artikel, neben dem »Wie öko ist Entega?«, behandeln wir, vom Utopia Watchblog, die radioaktiven Abfälle die bei der Gasförderung entstehen. Immerhin produziert die HSE/Entega ihre rund 90% Graustrom mittels Gasverbrennung.
    http://tinyurl.com/strahlendes-gas
    Auf unsere Anfrage bezüglich des strahlenden Mülls, der bei der Gasförderung entsteht, reagierte die Entega bis heute nicht (http://www.facebook.com/home.php#!/topic.php?uid=204026901850&topic=12409 ).

  3. philipp am März 26th, 2011 12:02

    hab gerade einen Vertreter von Lichtblick auf der anti-akw Demo in hh gefragt und er leugnete die Nutzung von Atomstrom. Habt Ihr eine Quelle dazu?

  4. Juergen am März 26th, 2011 12:10
  5. Dennis am März 29th, 2011 20:46

    Die unterschiedlichen Labels für Ökostrom geben einen Anhaltspunkt, aber einige schwarze Schafe kaufen des Nachts billigen Atomstrom um damit Ihre Speicherseen aufzufüllen und den Wasserstrom dann teurer zu verkaufen.

  6. Leuchtbleu am März 30th, 2011 22:06

    Danke für den Eintrag, liest man ja auch bei Utopia (worüber ich auf diesen Blog gekommen bin).

    Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema Ökostrom und bin bei vielen Sachen sehr am Grübeln. Insbesondere viele Kommentare und Anmerkungen erinnern mich sehr an unnötiges Bashing und weniger an Fakten. Das gilt für diesen Beitrag aber auch für viele Kommentare.

    Natürlich ist es richtig, dass man nicht zu Ökostrom-Angeboten von Unternehmen wechseln sollte, die damit Greenwashing betreiben und eigentlich kein Ökostromanbieter sind (Öko-Tarife vieler Stadtwerke). Aber was spricht jetzt plötzlich gegen Lichtblick? Dieser Graustrom-Anteil war vor ein paar Jahren in der Presse, wofür Lichtblick sehr viel Kritik einstecken musste. Lichtblick geht inzwischen mit dem Thema sehr transparent um und weist auf den Umstand hin.

    Ich habe mich über das Thema einmal mit Stromhändlern unterhalten. Hier wurde mir mitgeteilt, dass die “Ausgleichsenergie” ein notwendiges Übel ist, mit dem jeder Stromanbieter zu kämpfen hat. Denn es gibt immer unvorhersehbare Schwankungen, die ausgeglichen werden müssen, was über Graustrom passiert. Diesen Graustrom sucht sich Lichtblick ja nicht bewusst aus, sondern der wird einfach geliefert. Ich denke, dass auch EWS, Greenpeace, etc. damit zu kämpfen haben, darüber aber nicht reden.

    Ein anderer Punkt, der mich insbesondere aufgrund der Diskussion um entega zum Nachdenken bringt ist das Engagement der vielen Anbieter. Hier heißt es jetzt, dass naturstrom der Anbieter ist, der am meisten in EE investiert. Auf der Seite von naturstrom habe ich die Info gefunden, dass sie 170 Erzeugungsanlagen haben. Wie viel das in Energie und wirklicher finanzieller Investition ist, weiß ich nicht. Sehe ich mir an, wie viele Kunden, Mitarbeiter und welches Kapitel naturstrom haben, denke ich nicht, dass wir von einem großen Volumen reden. Zumindest verglichen mit der HSE. Die HSE ist der Konzern der entega. Laut der HSE und entega investieren diese über eine Milliarden in erneuerbare Energien. Wer macht das denn noch? Macht das Lichtblick? Macht das Greenpeace? EWS? Lichtblick hat noch Schwarmstrom, aber das ist auch noch im Anfangsstadium. Wenn ich das von der entega und der Hse beurteile, reden wir hier von ganz anderen Summen und Möglichkeiten. Natürlich bleibt es, dass da eine EON dabei ist (wobei man auf Utopia nachlesen kann, dass die EON keinen Einfluss hat), aber den Umstand möchte man ändern. Die entega weist auch transparent daraufhin, woher sie kommen. Die Entwicklung für einen regionalen Versorger finde ich sehr gut und hier sehe ich auch verglichen mit den anderen Versorgern ein starkes Engagement, mehr zu tun, als nur Strom zu verkaufen. Über die Marketing-Kampagnen von denen kann man sich streiten, aber auch das ist mehr als andere und weckt auch viele Menschen auf. Kann man auch auf der Seite der entega lesen.

    Ich habe mich wirklich viel mit dem Thema beschäftigt, habe mir über viele Anbieter Informationen eingeholt, weil ich keinen Fehler machen wollte. Dafür habe ich auch viel im Internet recherchiert und auch Fachliteratur gelesen, um mich mit den technischen Hintergründen zu beschäftigen (u.a. diese Ausgleichsenergie oder warum man keinen direkten Ökostrom bekommt).

    Was mich einfach stört – auch hier – ist dieses bashing und irgendwo eine Erbsenzählerei. Jeder Fehler führt zur Verdammung. Lichtblick soll jetzt nicht mehr die Alternative sein, weil diese Graustrom haben? Aus meiner Sicht reden sie als einziger offen darüber – die anderen haben das gleiche Thema irgendwo. Entega steht in der Kritik, obwohl sie sehr viel machen und sich von einem Stadtwerke weiterentwickeln.

    Übrigens verbreitet dieser Beitrag auch falsche Tatsachen: Die Stadtwerke Mainz sind nicht mehr an der Entega beteiligt, kann man auch bei Wikipedia nachlesen. Die haben sich aufgrund des Kurses der Entega dagegen entschieden, weil diese auch keinen Strom aus dem geplanten Kohlekraftwerk kaufen wollten.

    Falls jemand blöd fragt: Ich bin nicht bei Entega, sondern bei Lichtblick. Mir geht es aber nicht darum, Lichtblick oder entega zu verteiden, sondern um die Form der Diskussion, in der es viel um verteufeln geht und vieles nicht sachlich fundiert ist.

    Ich glaube auch, dass uns diese Labels auf Dauer nicht helfen werden. Es muss mehr in die Erzeugung von Erneuerbare Energie investiert werden, da müssten gerade die vier grünen Anbieter aktiver sein, weil sie davon auch profitieren – sehe ich aber wenig!

  7. Juergen am März 30th, 2011 23:08

    Hallo. Danke für diesen ausführlichen Kommentar.

    Der Artikel sollte kein Bashing darstellen, sondern lediglich sagen “Augen auf”. Dass Entega hier nicht ideal war, habe ich leider erst nach der Veröffentlichung festgestellt. Nach meiner Lesart der Wikipedia besteht die Verbindung zu den SW Mainz. Die Verbindung zu E.ON bestätigt Entega auf Nachfrage. Grundsätzlich muss man feststellen, es ist sehr schwer hier die Zusammenhänge und deren Entwicklung nach zu vollziehen. Am Ende weise ich aber auch darauf hin, dass dies ein beliebiges Beispiel war und es auch andere gibt.

    Ebenso warte ich auf eine Stellungnahme von Naturstrom zum Thema Graustrom. Lichtblick sagt in deren Stellungnahme ganz klar, “jeder” würde das mit dem Graustrom tun müssen. Daher möchte ich auch von Naturstrom wissen, ob diese das auch müssen. Sobald ich die Antwort erfahre, werde ich hier im Zweifel nochmal updaten.

    Zum Thema Stadtwerke: Ich weiß, dass es auch sehr vorbildliche Stadtwerke gibt. Spontan fallen mir die SW Schwäbisch Hall ein. Diese produzieren selbst und zwar 50% KWK und den Rest mit generativen Energieträgern. – Zum Vergleich gleich nebenan Schwäbisch Gmünd als schwarzes Schaf mit knapp 50% Atomstrom.

  8. Juergen am März 31st, 2011 15:14

    Vermaledeit. – Die Stadtwerke Schwäbisch Hall sind selber Miteigentümer bei EnBW.

  9. Dirk am April 1st, 2011 14:05

    Sorry muss auch mal einiges Richtigstellen und zusätzliche Fragen aufwerfen:
    1. Die Thüga ist an ein Stadtwerkekonsortium verkauft worden.
    Das Bundeskartellamt hat den Weg für mehr Wettbewerb im Strom- und Gasmarkt freigemacht. Die Wettbewerbshüter segneten den Verkauf von Thüga, der Stadtwerke-Tochter von E.on, ab. Damit entsteht der fünftgrößte unabhängige Energie- und Wasserversorger in Deutschland.
    Das war bereits 2009!
    2. Außerdem gibt es leider nicht genug Strom der “grün” hergestellt wird in Deutschland!
    Laut BDEW-Erhebung waren die konventionellen Energieträger auch im vergangenen Jahr die tragende Säule der Stromerzeugung: Fast 80 Prozent des Stroms in Deutschland wurden 2010 aus Kohle, Kernenergie und Erdgas produziert. Davon entfielen 41 Prozent allein auf Kohle. Die Kernenergie stellte 23 Prozent und Erdgas 14 Prozent des Stroms. Die Erneuerbaren Energien konnten ihren Beitrag zur Stromproduktion nach Angaben des BDEW leicht auf 17 Prozent steigern. Dabei trug die Windkraft 6,2 Prozent bei. Biomasse lieferte 4,7 Prozent des Stroms. Der Anteil der Wasserkraft lag bei 3,2 Prozent. Die Photovoltaik stellte 2,0 Prozent des Stroms und der Anteil regenerativen Stroms aus Müllkraftwerken betrug 0,8 Prozent.

    D.h. wirklich sauber werden nur Windkraft und Wasserkraft produziert = 9,4% des Erzeugungsanteils. Wenn bei Wasserkraft auch noch Pumpspeicherkraftwerke sind, dann verringert sich dieser Anteil noch mehr!
    Der größte Produzent in Deutschland für grünen Strom ist E.ON:
    Mit einer Leistung von rund 8.473 Megawatt produziert es jährlich ca. 66 Milliarden Kilowattstunden Strom nahezu CO2-frei. Bei der regenerativen Energie spielt neben Wind und Biomasse vor allem die Wasserkraft eine wichtige Rolle. Mit einer Leistung von rund 3.100 Megawatt ist unser Tochterunternehmen E.ON Wasserkraft der größte Erzeuger regenerativer Energie in Deutschland.

    So und wenn jetzt mehr als 9,4% der deutschen Bevölkerung “grünen” Strom beziehen will, der auch nur lieferbar ist wenn der Wind mit der richtigen Stärke bläst und die Flüsse genug Wasser haben, dann wird dieser gekauft, relativ teuer im Ausland, dieser Export wird dann wiederum gedeckt mit günstigerem Kern-, Kohle- oder GAS erzeugtem Strom aus Deutschland.

    Ich halte das ganze für eine große Verar… der Bevölkerung, solange es nicht eine europäische Lösung für die Energieerzeugung gibt wird nur der Ex- und Import von allen Stromsorten gepuscht!

    Also sollte der Threadstarter nicht auf irgendwelchen Beteiligungen oder Angeboten rumhacken, sondern einsehen das es zzt. kaum lösbar ist, nicht “grünen” Strom zu beziehen!

    VG Dirk

  10. Juergen am April 1st, 2011 17:58

    Hallo Dirk aus dem Hause E.ON,

    danke für Deinen umfangreichen Kommentar.

    zu 1.: Entega räumt wie im Artikel berichtet auf Anfrage die Verbindung zu E.ON ein und gibt diese Verbindung auch an. In der eigenen, tagesaktuellen Stellungnahme von Entega hofft diese, die Verbindung bald zu kappen. Recherchiert man, dann gibt es dieses Vorhaben seit etwa einem Jahr.

    zu 2.: Atomstrom als “Grünen Strom” in diesem Kommentar anzupreisen halte ich für nicht sehr lauter.

    Nicht einmal eure eigene Webseite versucht dies in der Original-Aussage, bei der Du diese Zeilen kopiert hast, derart zu suggerieren:
    http://www.eon-energie.com/pages/eea_de/E.ON_Energie/Portraet/Neue_Energie_aus_vielen_Quellen/index.htm

    Dort hält man sich schön an die Vorgaben des E.ON Strategiepapiers, das die die PRGS,
    Unternehmensberatung für Politikmanagement und Krisenmanagement, für E.ON zum Verhalten im Wahlkampf angefertigt hat:
    http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/atomkraft/Kommunikationskonzept_Kernernergie.pdf

    Hier eine Zusammenfassung des Papiers durch LobbyControl:
    http://www.lobbycontrol.de/blog/index.php/2009/09/lesenswert-internes-strategiepapier-fur-atomlobby/

    Wie das mit der E.ON Wasserkraft funktioniert hat Greenpeace untersucht:
    http://www.klima-luegendetektor.de/2008/07/16/eon-wasserkraft-alter-strom-in-neuen-schlauchen/

    E.ON betreibt nicht Wasserkraft, weil man was für das Klima tun möchte, sondern weil die Kraftwerke “schon immer” da waren. Auch ein weiterer Ausbau sei nicht vorgesehen.

  11. Juergen am April 1st, 2011 19:02

    Noch eine Anmerkung zu den von Dirk genannten Prozentzahlen, die versuchen Sand in die Augen des Betrachters zu streuen:

    Den meisten Strom nutzt die Industrie.

    Die Haushalte verbrauchten in 2009 138 TWh elektrische Energie.
    Erzeugt wurden 617 TWh elektrische Energie.

    Das bedeutet, die Haushalte verbrauchen ca. 22% der erzeugten elektrischen Energie.
    Der Anteil der Erneuerbaren Energieträger war in 2010 17,3%.

    Das bedeutet, derzeit könnten 3/4 aller Haushalte mit “grünen Strom” versorgt werden. Das ist 82 mal mehr, als der Dirk von E.ON mit seinen 9,4% suggerieren möchte.

    Da Dirk Kosten an spricht: Derzeit vermutet man Kosten durch Fukushima in Höhe von 130 Milliarden alleine an Entschädigungen. Und man hat die Evakuierungszone noch nicht auf die erforderlichen 60 km erhöht, sondern ist noch bei 20km (mit 70.000 betroffenen Menschen) und man hat bisher irrwitziges Glück, dass in Tokio mit 35 Mio Menschen noch kein Fallout nieder ging – was aber noch kommen wird.

    Tepco und Investoren möchten, dass diese Kosten Japan trägt, und nicht die Kernindustrie, sonst könnte man den Investoren nichts bieten.

    http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE73009H20110401

  12. Dirk am April 4th, 2011 09:18

    Hallo Jürgen,

    über Entega aber ich keinen Kommentar abgegeben, nur über die Thüga!
    Wo habe ich Atomstrom als“Grünen Strom” tituliert?
    In meinen Kommentar steht auch das es zzt. 17,3% regenerative Energieerzeugung gibt, aber ich persönlich zb. Biomassekraftwerke nicht als “grün” ansehe weil sie mit Altholz befeuert werden, genauso sind für mich Müllverbrennungsanlagen auch nicht “grün”, zählen aber alle zu den regenerativen!
    Vergessen habe ich allerdings die 2% Photovoltaik, sorry also ist für mich die Erzeugung von wirklich CO2 und atomfreier Erzeugung 11,3% in Deutschland.
    Jetzt aber der Punkt der mich pers. echt aufregt:

    E.ON betreibt Wasserkraft weil sie schon immer da waren

    Also sorry alle Kraftwerke ob Wasser, Gas, Kohle, Atom, Müll, Wind etc. waren nicht schon immer da!
    Sie wurden von Firmen gebaut, und gerade Wasserkraftwerke sind schon immer die günstigsten Kraftwerke gewesen!
    Deine Aussage sagt mir E.ON sollte auf den Betrieb und Bau von Wasser und Windenergie verzichten, oder? Der Ausbau der Wasserkraftwerke und Pumpspeicherkraftwerke hat zzt. bei E.ON die Priorität 1.
    Sorry, ich bin kein Freund der Kernkraft aber ich glaube schon realistisch die Energieerzeugung in Deutschland und Europa einschätzen zu können. Wir importieren Wasserkraftstrom aus Norwegen und Österreich und exportieren grauen Strom zurück!

    Auch der Versuch die Kosten für den “grünen Strom” Import/Export mit den Kosten für den GAU in Japan auf eine Stufe zu Stellen kann ich nicht nachvollziehen?

    Ich bin für einen globalen mind. aber europäischen Ausstieg und das so früh wie möglich!.

    VG Dirk

  13. Juergen am April 4th, 2011 10:53

    Hallo Dirk,

    zu 1.:
    Du schreibst:
    “Der größte Produzent in Deutschland für grünen Strom ist E.ON: Mit einer Leistung von rund 8.473 Megawatt produziert es jährlich ca. 66 Milliarden Kilowattstunden Strom nahezu CO2-frei.”

    Auf eurer Webseite steht:
    “Unser Tochterunternehmen E.ON Kernkraft ist der größte private Kernkraftwerksbetreiber in Europa. Mit einer Leistung von rund 8.473 Megawatt produziert es jährlich ca. 66 Milliarden Kilowattstunden Strom nahezu CO2-frei.”
    http://www.eon-energie.com/pages/eea_de/E.ON_Energie/Portraet/Neue_Energie_aus_vielen_Quellen/index.htm

    Das meine ich damit, dass du Kernkraft als “Grünen Strom” darstellt. Was die E.ON-Webseite lediglich suggeriert, machst Du zum Faktum. E.ON suggeriert dies durch den Absatz im Textfluss und dadurch, das es danach nahtlos mit erneuerbaren Energieträgern weiter geht. Man kann sich bei der missverständlichen Darstellung auf der Webseite dann immer noch dadurch herausreden, dass wohl der Absatz falsch gesetzt wurde, denn typografisch ist tatsächlich lediglich dieser falsch gesetzt. Wohlwollend könnte man sagen: Druckfehler; man könnte aber auch Absicht unterstellen. Das bleibt dem Betrachter überlassen. Die Nuklearindustrie hat bereits in den letzten 40 Jahren durch Lügen und Falschaussagen geglänzt.

    Hier ist ein schönes Beispiel von 1996:
    http://www.sfv.de/fotos/l/merkel_Kopiejpg.jpg

    Dabei hatte man damals bereits festgestellt, dass man eine Stadt mit der damaligen Technik allein durch Solarenergie auf den Dächern der Stadt mit 65% der benötigten Elektrizität versorgen könnte. (1996, Ralf Bischof, Uni Hannover, nicht veröffentlicht)

    zu 2.:
    Ich habe das “schon immer” in Anführungszeichen gesetzt. Natürlich wurden die Anlagen irgendwann einmal errichtet – aber nicht aus dem Wunsch heraus, eine “Grüne Energiewende” zu erreichen. Einen Grund dafür, der sehr plausibel klingt, hast Du selbst angegeben.

    Ich begrüße außerordentlich, wenn E.ON sich an einer Energiewende beteiligt und halte es ebenso für falsch, “Grünstrom” gegen “Graustrom” im Ausland zu “tauschen”.

    Ich kann es aber überhaupt nicht begrüßen, dass E.ON mein Leben und das Leben anderer Menschen als “Restrisiko” aufs Spiel setzt und die Kosten dieses Restrisikos auf die Gesellschaft abwälzt. Ich kann es überhaupt nicht begrüßen, dass E.ON Atommüll produziert, ohne dass klar ist, wie dieser über hunderttausende von Jahren sicher gelagert werden soll, während erste Lager nach 40 Jahren geräumt werden müssen. Ich kann es überhaupt nicht begrüßen, dass E.ON mindestens indirekt Bürgerkriege um die Uranlagerstätten unterstützt. Ich kann es überhaupt nicht begrüßen, dass E.ON unterstützt, dass Land und Gewässer um Uranminen radioaktiv verseucht werden und zahllose Menschen daran sterben. ….

    Ich habe gestern ausgerechnet, was alleine eine Versicherung eines Kernkraftwerks in Deutschland gegen einen entsprechenden Unfall kosten müsste. Ich habe diese Rechnung auf Studien der Bundesregierung aufgesetzt. Man kommt je nach Risikoabschätzung auf einen Betrag von Versicherungskosten zwischen 5€/kWh bis 30€/kWh. Da braucht man sich nicht wundern, dass Kernkraftwerke von Gesellschaften mit beschränkter Haftung und ohne Versicherungsschutz für das volle Risiko betrieben werden.

    Dass wir beide für einen schnellstmöglichen Ausstieg sind, bringt uns dann aber schließlich wieder zusammen. Wenn man das wirklich will, könnte man es in Deutschland bis 2013 (mit Stromsparen), oder 2017 (konservativ betrachtet und ohne Strom sparen) schaffen. – Geplant war ja mit Rot-Grün das Jahr 2020, doch die erneuerbaren haben sich viel schneller entwickelt, als geplant. Das ist also alles “locker” schaffbar.

    Liebe Grüße,
    Jürgen.

  14. Dirk am April 4th, 2011 13:55

    Hallo Jürgen,

    schön das wir einen gleichen Ansatz haben, allerdings habe ich nie versucht die Kernenergienutzung von E.ON oder anderen zu thematisieren das war ja auch nicht Ausgangspunkt des Threads.
    Aber du scheinst generell ein Problem mit den Firmen die Kernkraftwerke betreiben zu haben, dass habe ich nicht, denn meiner Meinung ist die Investition in Wind-, Wasser-, und Solarerzeugung egal ob von E.ON, RWE oder anderen positiv zu sehen. Denn wie viele Händler von Ökostrom investieren 0€ in regenerative Energie, ich glaube die meisten! Immerhin sollte man auch beachten das die Kernenergienutzung keine Entscheidung von Firmen war, sondern eine politische Entscheidung der BRD! Deshalb kann ich die Wut auf meinen Arbeitgeber sicherlich nicht so teilen wie du, ich fühle mich auch angegriffen obwohl ich mit der E.ON Kernkraft nichts zu tun habe. Gerade die Kollegen der E.ON Wasserkraft oder E.ON Climate und Renewables werden hier sicherlich mit einer Verachtung gestraft die nicht gerechtfertigt ist!

    Also ich schätze eine Kernenergie freie Erzeugung wird ohne Verbrauchsbeschränkungen nicht vor 2030 möglich sein, da es eine Zeit braucht die ~20% Erzeugung zu ersetzen oder man wird abhängig von Importen, die dann sicherlich nicht nur Atom freien Strom liefern!
    Deswegen würde ich eine europäische Lösung bevorzugen!

    Aber ich bin extrem gespannt wie wir deutschen diese Herausforderung meistern und werde mir hierzu auf der Hannover Messe morgen wieder neue Impulse holen!

    Viele Grüße
    Dirk

  15. Uli am April 4th, 2011 15:13

    Zitat Dirk: “Denn wie viele Händler von Ökostrom investieren 0€ in regenerative Energie, ich glaube die meisten”

    Glauben ist nicht wissen.

    Wieviel Sand ist denn noch vorhanden den man in die Augen streuen möchte. Täter haben sehr oft eines gemeinsam: Stehen sie mit dem Rücken zur Wand gehen sie in die Opferrolle. Da kommt dann: ich handle nur auf Befehl, es ist eine politische Entscheidung, ich bin nicht verantwortlich, das macht eine andere Abteilung und viele weitere Schutzbehauptungen.

    E-OFF! – Thema heute in Göttingen http://twitpic.com/4gvw68

  16. Dirk am April 4th, 2011 15:44

    Wau Uli,
    das ist ja ein Beitrag mit wenig bis gar keinem Inhalt.

    Welche Händler investieren denn in regenerative Baumaßnahmen?

    Täter Opfer Rollen, stumpfel Beschimpfungen, sorry das ich hier was gepostet habe.

    Dirk

  17. Wilfred Malmberg am April 5th, 2011 14:58

    Mir fehlt bei den ganzen Diskussionen über den Atomausstieg oft der Tiefsinn und das Know-how in den Argumenten. Jetzt habe ich bei Erlbaum eine sehenswerte Internetseite gefunden, wo Jeder seine Bücher vorschlagen kann, damit man zum Beispiel für Diskussionen besser informiert ist. Ich finde die Seite sehr interessant, weil es wurde in vielen Diskussionen in meinem Freundeskreis schnell emotional und unsachlich. Und die Argumente waren alles andere als begründet.

  18. Irina Beakley am Juni 6th, 2011 07:52

    Es geht den Kraftwerkbetreibern immer nur ums Geld. Sie kümmern sich nicht um die Natur, Hauptsache sie bekommen ihren Gewinn. Nun reden die Konzerne davon, dass nicht genug Elektrizität produziert würde ohne die Atomenergie, aber das ist erneut nur eine der vielen Ausreden um den Ausstieg aus der Atomkraft zu verhindern. Auch die Regierung möchte den Energieriesen entgegenkommen, indem sie den Kraftwerkbetreibern die Erlaubnis erteilen, die Stromkontingente der sieben Atomkraftwerke, die umgehend deaktiviert werden sollen, auf neuere Meiler zu übertragen. Meiner Meinung nach ist dies alles Nonsens. Ich werde weiterhin an Atomkraftdemonstrationen teilnehmen.

  19. Melanie am Februar 14th, 2012 16:01

    Danke für die Aufklärung, guter Artikel! und gute Diskussion :o )

  20. Andrea Hofmann am Februar 23rd, 2013 23:55

    hallo,
    ich habe eine frage zu entega: die sind inzwischen bei eon ausgestiegen. und behaupten, sie seien nun 100% ökostrom. sie haben mir angeboten, wenn ich bei einer aktion mitmachen würde (mit meinem blog), würden Sie mir drei jahre meinen blog CO2-neutral schenken. ich bin skeptisch, ob sie tatsächlich 100% ökostrom haben und zudem wüsste ich nicht, wie ich das mit der CO2 neutral-Aktion kontrollieren könnte.
    kann mir hierzu jemand vielleicht infos oder tipps geben?
    vielen dank & schöne grüße
    andrea

  21. Jürgen Stemke am Februar 27th, 2013 16:02

    Hallo Andrea,
    nach unserem Kenntnisstand (nicht aktuell recherchiert), Nutzt Entega sogenannte RECS-Zertifikate.Den Handel mit solchen Zertifikaten kann man durchaus kritisch betrachten, wie im obigen Artikel bereits erwähnt. Auch das “Grün-Waschen” Deines Blogs kann in der Regel nur über solche Zertifikate geschehen.

    Wenn wir die Werbeaussagen Deines Webseitenbetreibers richtig verstehen, dann ist der Blog jedoch bereits “grün”. Er “verwendet” über Zertifikate Strom aus Wasserkraft aus Guatemala, bzw. davor Windkraft aus Indien. Wie sicher das nachprüfbar ist, dass hier auf diese Art und Weise grüner Strom nicht mehrfach verkauft wird, können wir nicht sagen. Zum Ausbau der erneuerbaren Energieträger in Deutschland trägt ein solcher Handel jedoch nicht signifikant bei.

    Grüße,
    Jürgen.

  22. Timo am Mai 21st, 2013 15:59

    Hallo Jürgen,
    was hat Naturstrom denn nun geantwortet auf die Frage ob alle Anbieter Graustrom als “Ausgleichsernergie” nutzen? Ich bin Lichtblick Kunde und möchte gerne wissen ob das nun bei allen der Fall ist, oder nur bei Lichtblick.

    Danke+VG
    Timo

  23. Jürgen Stemke am Mai 22nd, 2013 13:31

    Uff.. hatte ich recherchiert und dann nicht mehr hier beantwortet. Jetzt finde ich die Quelle nicht mehr. :/ Ich hatte aber gelesen, dass die keinen Graustrom nutzen.

    Um genau zu erfahren, welchen Strom sie verwenden, wenn sie selber nicht genug erzeugen, habe ich eben mit dem Stromeinkauf von Naturstrom gesprochen. Die freundliche Dame hat sehr offen Auskunft gegeben:

    Naturstrom Nutzt hauptsächlich Windkraft aus Deutschland und Wasserkraft aus Süddeutschland. Wenn der Strom nicht reicht, kaufen sie Wasserkraft zu. Dieser Strom kommt in wesentlichen von zwei Anbietern, aber aus Anlagen aus Deutschland. Die Anbieter sind: Verbund Österreich und Statkraft Norwegen. RECS werden nicht gehandelt bzw. verwendet.

    Naturstrom möchte nicht nur Mengengleich den Ökostrom ins Netz speisen, sondern auch zeitgleich. Sie benutzen daher ein 15-Minuten-Raster. D.h. in für jeweils 15-Minuten werden die Verbrauche geplant und Verbrauche die nicht selbst gedeckt werden können zugekauft.

    2012 kamen ca. 60% des Stroms aus der Selbstvermarktung & Direktvermarktung, d.h. aus Anlagen die Naturstrom selbst gehören oder ständig direkt liefern. Der Rest des Bedarfs wird von oben genannten Unternehmen zugekauft. Es gibt Pläne, dass bis 2015 etwa 15% des vermarkteten Stroms aus eigenen Anlagen kommt.

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