FreitagsFilm: Leukämie in der Elbmarsch

Ein Film über Auswirkungen radioaktiver Freisetzungen und wie man in Deutschland damit umgegangen ist und umgeht.



Film von Barbara Dickmann und Angelica Fell, ZDF, 2006-04-02

Anfang der 90er Jahre wurden die ersten Leukämieerkrankungen rund um Geesthacht registriert, in unmittelbarer Nähe des Atomkraftwerkes Krümmel und der staatlichen Atomanlage GKSS. Bei der Suche nach den Ursachen dieser mittlerweilen weltweit höchsten Leukämiedichte wurden immer wieder Mikrokügelchen mit hochradioaktiven Substanzen gefunden. Woher stammt dieser kugelförmige hochangereicherte Kernbrennstoff, der zur Stromerzeugung nicht gebraucht wird, sehr wohl aber für Atombomben. Die einzige Anlage, die mit diesem bombenfähigen Nuklear-Material “experimetieren” könnte ist die GKSS.

Tatsächlich gab es einige Jahre vor den ersten Erkrankungen einen Zwischenfall in der Region: Am 12. September 1986 wurde im Atomkraftwerk Krümmel eine alarmierend hohe Radioaktivität gemessen. Jahrelang forschen Wissenschaftler im Auftrag der Landesregierungen Niedersachsen und Schleswig-Holstein nach den Gründen für die Leukämie-Serie. Sie fühlten sich bei ihrer Suche nach möglichen Ursachen behindert und kamen zu dem Schluß, daß nur ein vertuschter Unfall mit Freisetzung von Radioaktivität die Ursache für diese mysteriöse Häufung von Kinderleukämie sein könne. Ihnen wurde aber nicht geglaubt und einige von ihnen legten im November 2004 aus Protest ihre Arbeit nieder. Die Akte „Kinderleukämie an der Oberelbe wurde kurz darauf geschlossen.

Barbara Dickmann und Angelica Fell zeichnen die Ereignisse in der Elbmarsch nach, untersuchen die vielen Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten bei den Untersuchungen und fragen, ob die Akte Elbmarsch nicht doch noch einmal geöffnet werden muss. “Und keiner weiß warum, Leukämietod in der Elbmarsch”.

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Wissenschaftler zur Informationspolitik

Dr. Volker Jaenisch von der Piratenpartei ist Physiker und Meteorologe. Er war einer der ersten Wissenschaftler, die eine Prognose über die Verbreitung einer radioaktiven Wolke erstellt haben.

In diesem persönlichen Statement spricht er über die Informationspolitik zur Katastrophe in Japan aus der Sicht als Wissenschaftler:

 

Zur Informationspolitik

Bis heute sind uns Wissenschaftlern keine verläßlichen Daten über die emmitierte Radioaktivität in Fukushima bekannt. Bitte schreiben Sie einen Brief an die Bundeskanzlerin, oder unseren Aussenminister, damit diese darauf drängen dass aktuelle Meßwerte aus Japan veröffentlicht werden.


Als Junge bin ich vor 30 Jahren aufgebrochen die Welt zu verbessern. Mein Studium der Physik und die Promotion in Meteorologie hat mich dazu befähigt sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen unserer Technologie zu erfahren. Ein Science-Fiction-Autor (Ich denke es war Robert A Heinlein) schrieb einmal: “In jeder Entwicklung einer technologischen Gesellschaft gibt es einen Punkt an dem Technologie und Magie verschmelzen”

Diesen Punkt haben wir mit Handys und Computern erreicht, welche für einen Menschen aus dem Mittelalter wie Magie wirken müssen und heute vielen helfen. Die Atomkraft ist aber im Gegensatz dazu rundimentär und grobschlächtig. Sie entbehrt jeder physikalischen Eleganz – es geht schlicht um eine Wärme-Kraft-Maschine, wie sie seit Jahrtausenden bekannt ist. Noch dazu hat sie im Gegensatz zu anderen neuen Technologien schon lange beekannte Sicherheitsrisiken.

Moderne Technologien (Autos, Computer, Solartechnik, Biotechnologie, Nanotechnologie ) haben sich parallel dazu binnen Jahrzehnten verkleinert, verbessert, sind immer sicherer geworden und haben einen breiten Markt erschlossen und Hunderttausende von Arbeitsplätzen geschaffen.

 

Bis heute (2011-03-31, 04:00 MEZ) sind uns Wissenschaftlern keine verläßlichen Daten über die emittierte Radioaktivität in Fukushima bekannt.

Es ist völlig unverständlich warum :

Weltweit gibt hunderte von Teams welche als Wissenschaftler, Katastrophenschützer, Feuerwehrleute über Jahrzehnte darauf hin gearbeitet haben sich für solch eine Ernstfall vorzubereiten. Wieso kommen die nicht zum Zug?

Der Kenntnisstand ist nicht aufschlußreicher als bei Chernobyl.
Wie wird der Kenntnisstand sein, wenn so etwas in Frankreich passiert?

Die BRD liegt wie Japan in der Westwindzone. Dort wehen die Winde in der Regel von Westen. Diese meteorologische Situation rettet gerade den Großraum Tokio davor großräumig verstrahlt zu werden.

Ein Nuklearunfall in Frankreich ausgelöst durch einen Bedienfehler (wie in Chernobyl) kann eine Situation wie in Fukushima verursachen. Nur würde dann der Wind zu uns und nicht auf das Meer wehen. Dann müssten Ballungsräume wie der Ruhr-Pott oder Rein-Main evakuiert werden.

In mir lebt immer noch der Junge, der die Welt verbessern will. Er hat immer noch Angst von der Atombombe und auch vor Fallout. Er mag die neue Technologie, aber er mag die Altlasten der alten Technologie heute genauso wenig wie vor 30 Jahren.

Aber all diese meine Bedenken sind bedeutungslos, da die BRD ja bis 2017 aus der Kernkraft aussteigen wird. Bis die Franzosen aussteigen dauert noch ein wenig, aber ich mag prophezeien dass wir nicht erneut 30 Jahre dafür arbeiten werden müssen.

Wir Wissenschaftler sind zwar machtlos aber findig. Die Uni-Köln hat ihr EURAD-Modell geeicht an aktuellen Geiger-Messungen rund um den Globus. Nun können zumindest Schätzungen über die Menge an ausgetretener Radioaktivität vorgenommen werden. Diese Schätzungen sind aber durch die großen Entfernungen der Meßstationen zu Japan äußerst ungenau.


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Ticker: Nuklearer Notfall in Japan – 2011-03-31

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Tag 21 –>>

Der #AntiAtomPiraten-Ticker (Tag 20):

21:30: RWE erhebt Klage gegen das Moratorium. Das Aktienrecht würde dies vorschreiben. E.ON sieht dies offenbar anders und will nicht klagen. RWE bekräftigt, die Kernkraftwerke seien so sicher wie ehedem und durch Fuushima nicht unsicherer geworden. (Zeit online)
Info: Tatsächlich hat sich die empirische Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze bei einem Reaktor durch den Unfall in Fukushima rechnerisch auf 1:100 pro Kernkraftwerk erhöht. Siehe dazu unseren Artikel zur Wahrscheinlichkeit eines nuklearen Unfalls. Tatsächlich ereignet sich statistisch weltweit in einem Kernkraftwerk durchschnittlich alle 22 Monate ein Unfall oberhalb eines ernsten Störfalls.

20:01: Hochauflösende Luftbilder des havarierten Kernkraftwerks Fukushima 1 (Daiichi).

20:00: Zusammenfassung der letzten Stunden:

15:11: Im Meerwasser vor der Anlage Fukushima 1 stieg die Konzentration von radioaktiven Jod-Partikeln und liegt mittlerweile 4385-fach über dem Grenzwert. Lt. japanischer Atombehörde könnten die hohen Werte bedeuten, dass ständig Radioaktivität aus dem Reaktor entweiche. (reuters)

13:30: Die Piratenpartei Bayern rät Anlegern, die in erneuerbare Energien investieren möchten, diese Papiere vor dem Kauf genau zu prüfen. Die Piraten warnen vor “toxischen Ökopapieren” die besonders mit Hinblick auf die Ereignisse in Fukushima beworben werden könnten. (Piraten Bayern)

13:00: Die letzten Stunden:

 

Tag 19 –>

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Ticker: Nuklearer Notfall in Japan – 2011-03-30

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Tag 21 –>

Der #AntiAtomPiraten-Ticker (Tag 20):

23:31: Seit dem letzten Wochenende gilt die “Durchführungsverordnung (EU) der Kommission vom 25.03.2011 zum Erlass von Sondervorschriften für die Einfuhr von lebens- und Futtermitteln, deren Ursprung oder Herkunft Japan ist, nach dem Unfall im Kernkraftwerk Fukushima“.

Jetzt gelten für den Import von radioaktiv belasteten Futter- und Lebensmitteln aus Japan höhere Grenzwerte als nach dem Unfall von Tschernobyl. Die EU beruft sich hier auf einen “nuklearen Notfall”, der diese Maßnahme nötig mache.

Gem. Artikel 2 (3) dieser Verordnung sind für Lebens- und Futtermittel-Importe entsprechende Bescheinigungen vorzulegen. Gemessen und bescheinigt wird in Japan:

“- falls das Erzeugnis aus den Präfekturen Fukushima, Gunma, Ibaraki, Tochigi, Miyagi, Yamagata, Niigata, Nagano, Yamanashi, Saitama, Tokio oder Chiba stammt, weist es keine Gehalte an den Radionukliden Iod-131, Caesium-134 und Caesium-137 auf, welche die Höchstwerte überschreiten, die in der Verordnung (Euratom) Nr. 3954/87 des Rates vom 22.12.1987, der Verordnung (Euratom) Nr. 944/89 der Kommission vom 12.04.1989 und der Verordnung (Euroatom) Nr. 770/90 der Kommission vom 29.03.2011 festgelegt sind.”

Auffallend ist hier insbesondere, dass Prüfungen auf Plutonium und Strontium offensichtlich für den Import in die EU nicht durchgeführt werden müssen.

Zum anderen zeigt der Vergleich der Grenzwerte von radioaktiv belasteten Futter- und Lebensmitteln, dass das, was in Japan als “verstrahlt” gilt, in die EU importiert und auf den Markt gebracht werden darf.

Wir greifen uns nur ein paar Beispiele heraus und verweisen ansonsten auf die entsprechenden als Quelle angegeben Seiten:

Nuklide mit Halbwertzeit > 10 Tagen (bes. Cäsium-134, Cäsium-137 ohne C-14, H-3)

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Ticker: Nuklearer Notfall in Japan – 2011-03-29

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Tag 20 –>>

Der #AntiAtomPiraten-Ticker (Tag 19):

23:59: Sehr ausführliche Übersicht über Messwerte aus Japan.

22:00: Der Wind wird sich kurzzeitig ändern und radioaktives Material auch Richtung Tokio verteilen.

Quelle: Weather Online

17:26: Bei unseren Recherchen über die Erhöhung der Radioaktivitätshöchstwerte für Nahrungsmittel stoßen wir auf einen Artikel des Umweltinstituts München e. V. von April 2004 und insbesondere einen Absatz:

“Vorsorge für weitere Unfälle

Für den Fall eines erneuten nuklearen Unfalls oder einer radiologischen Notstandssituation, die zu einer erheblichen Belastung von Nahrungs- und Futtermitteln führen kann, sind für die EU abgeleitete Referenzwerte festgesetzt worden, die dann zur Festlegung von Höchstwerten herangezogen werden können. In der Verordnung 3954/87 (14) sind die Höchstwerte für Milch dreimal so hoch und bei Nahrungsmitteln doppelt so hoch wie in den bisherigen Übergangsregelungen nach dem Unfall von Tschernobyl angesetzt.”

Die neuen, deutlich erhöhten Grenzwerte gelten seit dem letzten Wochenende, die EU beruft sich auf einen “nuklearen Notstand”. Näheres dazu berichtet auch Telepolis.

13:20: Impressionen der Demos vom Wochenende von campact:

13:05: Greenpeace schätzt die Lage als Nukleare Katastrophe der Stufe 7 ein. Das Ausmaß der Katastrophe in Tschernobyl sei inzwischen übertroffen.
Bericht von Greenpeace über deren Aktivitäten am Sonntag

13:00: Man hat begonnen das hoch verstrahlte Wasser aus den Anlangen teilweise abzupumpen. Noch ist aber unklar, wohin damit. Derzeit stehen nicht genügend Tanks zur Verfügung.
Info: Meerwasser, das in den vergangenen Wochen zur Kühlung eingesetzt wurde, wird nicht nur durch Radionukleide aus den Brennstäben radioaktiv, sondern die hohe Strahlung kann auch die Spurenelemente im Wasser durch den Neutronenbeschuss aktivieren, also die vorhandene Radioaktivität kann die Spurenelemente im Wasser radioaktiv machen.
Daher wird normalerweise auch nur reines, deionisiertes Wasser zur Kühlung verwendet. Selbst das nun verwendete Süßwasser kann immer noch aktiviert werden, wird also auch radioaktiv. Dazu kommt die Salzkruste, die nun von dem Süßwasser oder auch von deionisiertem Wasser wieder abgewaschen wird und damit wieder ionisiert wird, also wieder Radioaktivität auf nimmt.

12:50: Auch die japanische Regierung geht nun davon aus, dass noch keine Entspannung in Sicht ist und noch lange Zeit Arbeiten notwendig sein werden.
Info: Experten vermuten, dass man erst in ein bis zwei Jahren die Reaktoren versiegeln können wird, da die Temperatur zunächst entsprechend abklingen muss. Würde man nun sehr schnell versiegeln gäbe es erhebliche Probleme, die entstehenden Wärmemengen abzuführen.

10:00:

zu Tag 18 –>>

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Spaltprodukte: Cäsium, Jod, Plutonium & co

Wenn Jod und Cäsium freigesetzt wurde dann bedeutet das immer auch, dass Brennstäbe beschädigt sind, denn sonst kann dieses Spaltmaterial den Brennstab nicht verlassen.

Zudem muss eine Verbindung vom Inneren des Reaktors zur Außenwelt hergestellt sein. Zu Beginn der Katastrophe in Fukushima wurde diese durch gezieltes freisetzen von Dampf aus dem Druckbehälter hergestellt.

Inzwischen lässt man keinen Dampf mehr ab, die Strahlenbelastung ist gleichzeitig enorm gestiegen. Dies legt den Schluss nahe, dass Brennstäbe in den Abklingbecken beschädigt und nicht mehr mit Wasser bedeckt sind, und/oder, dass die Reaktoren beschädigt sind und diese das beschädigte, strahlende Inventar nicht mehr sicher von der Umwelt trennen.

Unser Reaktorexperte vermutet, dass alle 3 havarierten Kernreaktoren in Fukushima Daiichi entsprechend beschädigt sind. Andere Experten kommen ebenfalls zu diesem Schluss. Offiziell meint man, es könnte sein, dass vielleicht bei Reaktor 2 ein Leck möglicherweise vorhanden sein könnte.

Plutonium ist ebenso wie Cäsium und Jod ein Spaltprodukt der Kernspaltung im Brennstab. Es gibt noch eine Reihe weitere. Wird Cäsium und Jod frei gesetzt, so wird immer auch Plutonium frei gesetzt. Ein abgebrannter Brennstab (z.B. im Abklingbecken) hat einen Anteil von ca. 1% Plutonium. MOX-Brennstoff hat einen Anteil von 7%-8% Plutonium. Dieser wird in Fukushima 1 im Reaktor 3 eingesetzt.

Warum wird erst jetzt Plutonium festgestellt?

Bei Jod und Cäsium handelt es sich um γ-Strahler (Gamma-Strahler), Plutonium ist ein α-Strahler (Alpha-Strahler) bzw. Plutonium 241 ein β-Strahler (Beta Strahler). Plutonium gibt kaum Gamma-Strahlung ab.

Gamma-Strahlung ist eine Art sehr energiereiche elektromagnetische Strahlung. Sie lässt sich nur sehr schwer abschirmen aber sehr leicht messen.

Bei Alpha-Strahlung handelt es sich tatsächlich um ganze Atomkerne, die ausgestrahlt werden. Aufgrund dieser Größe lässt sich Alpha-Strahlung leicht aufhalten. Schon ein Blatt Papier oder 10 cm Luft halten die Strahlung auf. Daher lässt sich diese Strahlung bzw. das strahlende Plutonium anhand der Strahlung nur sehr schwer messen.

Cäsium und Jod dagegen konnte quasi sofort gemessen werden. Zur Feststellung des Alpha-Strahlers Plutonium muss eine Probe dagegen im Labor untersucht werden.

Ein weiterer Grund ist, dass Cäsium und Jod ebenso wie die Gase Krypton und Xenon leicht flüchtig sind und daher die beschädigten Sicherheitsbarrieren auch leichter überwinden können (Jod ist bereits ab 184,2°C gasförmig, Cäsium ist ab 28,4°C flüssig).

Plutonium, wie auch Uran, Strontium oder Antimon sind weniger flüchtig und verhalten sich wie Staub bzw. Aerosole (Schmelzpunkt von Plutonium: 639,4°C; Siedepunkt: 3230°C).

Wie kommt Plutonium in die Brennstäbe?

Plutonium kommt in der Natur quasi nicht vor. Die in einem Kernreaktor entstehenden Isotope kommen in der Natur überhaupt nicht vor, sind also alle vom Menschen geschaffen. Plutonium entsteht im Brennstab beim Zerfall des Uran – wie viele anderen Spaltprodukte auch.

\mathrm{^{235}_{\ 92}U\ +\ ^{1}_{0}n\ \longrightarrow \ ^{236}_{\ 92}U_m\ \xrightarrow[120 \ ns]{} \ ^{236}_{\ 92}U\ +\ \gamma}
\mathrm{^{236}_{\ 92}U\ +\ ^{1}_{0}n\ \longrightarrow \ ^{237}_{\ 92}U\ \xrightarrow[6,75 \ d]{\beta^-} \ ^{237}_{\ 93}Np}
\mathrm{^{237}_{\ 93}Np\ +\ ^{1}_{0}n\ \longrightarrow \ ^{238}_{\ 93}Np\ \xrightarrow[2,117 \ d]{\beta^-} \ ^{238}_{\ 94}Pu}

Ebenso kann auch das Uran 238 zu Plutonium werden:

\mathrm{^{238}_{\ 92}U\ +\ ^{1}_{0}n\ \longrightarrow \ ^{239}_{\ 92}U\ \xrightarrow[23,5 \ min]{\beta^-} \ ^{239}_{\ 93}Np\ \xrightarrow[2,3565 \ d]{\beta^-} \ ^{239}_{\ 94}Pu}

Dass aus einem Uran-Atom Plutonium wird geschieht zufällig. Ist ein Brennstab abgebrannt, besteht er zu etwa 1% aus Plutonium.

Auch Plutonium kann wieder zerfallen. Tatsächlich kommen 40% der Energie eines Kernreaktors aus dem Zerfall des dort gebildeten Plutoniums.

In Wiederaufbereitungsanlagen wird unter erheblichem Aufwand und der erheblichen Freisetzung von Spaltprodukten in die Luft und in das Wasser das Plutonium aus den abgebrannten Brennstäben gewonnen und in sogenannten MOX-Brennstäben wiederverwendet. Diese haben einen Anteil von 7%-8% Plutonium.

Die Kernindustrie preist die Wiederaufbereitung gerne als Recycling von Kernbrennstoff an. Tatsächlich wird aber in der Regel nur dieses 1% Plutonium wieder verwendet. Es könnte auch ein Anteil von 9% an Uran wiederverwendet werden. Dies geschieht jedoch in der Regel nicht. Der hoch radioaktive Anteil (ca. 5%) wird in Castorbehältern zwischengelagert, bis ein Endlager gefunden ist. Der Uran-Anteil wird z.B. von Frankreich nach Russland ausgeführt und dort oberirdisch unter freiem Himmel ebenfalls zwischengelagert. Ein anderer Verwendungszweck ist die Verteilung dieses hoch gefährlichen Atommülls auf den Schlachtfeldern der USA und der NATO in Form von DU-Geschossen (Dokumentarfilm: Deadly Dust – Todesstaub mit Prof. Dr. Dr. Sir Siegwart-Horst Günther).

Das hier genannte Plutonium 238 kann ebenfalls wieder ein Neutron einfangen und zu Plutonium 239 werden. Dieses wird beim Bau von Kernwaffen (Atombombe) verwendet. Wer Kernwaffen herstellen möchte benötigt zur Herstellung des Plutoniums also ein Kernkraftwerk. Tatsächlich wurden Kernkraftwerke “erfunden” um Plutonium für Kernwaffen herzustellen, nicht um Energie zu erzeugen.

Durch den Einfang eines weiteren Neutrons entsteht Plutonium 240. Dieser Prozess kann sich bis zu Plutonium 243 fortsetzten. Die Beta-Strahler Plutonium 243 zerfällt relativ schnell zu Americium. Auch der Beta-Strahler Plutonium 242 zerfällt mit einer Halbwertszeit von 14,35 Jahren zu Americium.

Americium ist allerdings wieder ein Alpha-Strahler.

Ist Plutonium gefährlich?

Plutonium ist wie jedes Schwermetall giftig, sogar hoch giftig. Gefährlicher als die Gift-Wirkung ist jedoch die Radioaktivität.

Die Strahlung besteht aus einem Helium-Kern mit 2 Protonen und 2 Neutronen. Dieses Geschoss kann auf atomarer Basis erheblichen Schaden anrichten, wenn es auf ein Hindernis trifft. Zum Beispiel im Erbgut von Lebewesen.

Da die Alpha-Strahlung sich sehr leicht aufhalten lässt ist sie vor allem dann gefährlich, wenn die Radioaktive Substanz in den Körper gelangt. Dann richtet sie großen Schaden an den Zellen an und das Krebsrisiko erhöht sich wesentlich.

Schon einige Tausendstel Gramm Plutonium reichen aus um eine für den Menschen unmittelbar tödliche Dosis darzustellen. 40 Millionstel Gramm Plutoinum 239 reichen aus um die zulässige Jahresdosis eines Arbeiters zu erreichen.

Versuche mit Tieren ergeben, dass bei sehr kleinen Dosen ein Krebs erst nach etwa frühestens 10 Jahren auftritt. Damit ist es rechtlich kaum möglich einen Verursacher heran zu ziehen und Schadenersatz zu erhalten.

Die Aufnahme von 1µg Plutonium wird als sicher krebsauslösend angesehen. Das sind 0,000 001 Gramm.

Plutonium hat eine sehr hohe Halbwertszeit. Das bedeutet, es dauert sehr lange bis die Strahlung abgeklungen ist. Plutonium 239 hat z.B. eine Halbwertszeit von 24.110 Jahren, Plutonium 240 eine Halbwertszeit von 6.564 Jahren. Das bedeutet, nach 24.110 Jahren, bzw. 6.564 Jahren ist die Hälfte der Strahlung abgeklungen. Daher sprechen manche Aussagen auch von “unendlicher” Strahlungsdauer. Zum Vergleich: Die Steinzeit endete vor 9.000 Jahren. Hätten diese Menschen Kernkraft genutzt, müssten wir heute noch auf den Müll aufpassen.

Die Gefahr von Plutonium geht also davon aus, dass es giftig ist und die Radioaktivität sehr gefährlich ist, ebenso das Zerfallsprodukt Americium. Damit kann Plutonium auch Jahre und Jahrzehnte nach der Aufnahme in den Körper noch Krebs verursachen kann, auch bei kleinsten Mengen.

Trivia

Lungenkrebs der auf das Rauchen von Tabak zurück zu führen ist (als Raucher oder Passiv-Raucher), kann zu einem erheblichen Anteil auch auf Alpha-Strahlung zurück geführt werden. Dies liegt daran, dass in den Blättern der Tabakpflanze der Alpha-Strahler Polonium angereichert wird. Das Polonium setzt sich beim Einatmen der Rauchgase im Gewebe fest und kann durch die Alpha-Strahlung den Krebs verursachen. Passiv rauchen oder passiv rauchen lassen tötet also auch.

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Reaktor-Experte der Piraten zu Zustandsdaten des Kernkraftwerk Fukushima 1 (Daiichi)

Ausgangspunkt für die Analyse der Lage sind die veröffentlichten Zustandsdaten vom 2011-03-26, 6:00 Uhr deutscher Zeit:

Die Messwerte haben sich bei der letzten Veröffentlichung durch die NISA nur leicht geändert. Zum Besseren, wie zum Schlechteren.

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Ticker: Nuklearer Notfall in Japan – 2011-03-28

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Tag 19 –>>

Der #AntiAtomPiraten-Ticker (Tag 18):

23:30: Wir haben ein Kampagnenpapier der Kernindustrie gefunden:

Kommunikationskonzept Kernenergie:
Strategie, Argumente und Maßnahmen
für die E.ON Kernkraft GmbH
Angefertigt durch die PRGS,
Unternehmensberatung für Politikmanagement und Kriesenmanagement

In diesem Papier wird detailliert ausgearbeitet, wie sich die Kernenergie-Branche positionieren muss und argumentieren muss, um eine Laufzeitverlängerung zu erreichen.

Zusammenfassung des Papiers bei LobbyControl.

 

21:04: Zustand des Kernkraftwerkes Fukushima Daiichi (1) lt. Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit GRS (im Auftrag des Bundesumweltministeriums), 28.03.2011, 13:00 MESZ:

21:00: Reakor-Experte der Piraten zu Zustandsdaten des Kernkraftwerk Fukushima 1 (Daiichi): “Das Gröbste noch nicht überstanden”
Unser Experte geht davon aus, dass alle Reaktoren undicht sind.

20:49: World Nuclear News berichtet, dass das kontaminierte Wasser in den Blöcken 1, 2 und 3 die weiteren Reparaturarbeiten behindert. In Block 2 wurden (wie bereits berichtet) 1000 mSv/h, in Block 3: 750 mSv/h und in Block 1: 60 mSv/h im Wasser gemessen. Damit die Kühlsysteme ggf. wieder in Gang gebracht werden können, muss dieses Wasser abgepumpt werden um wieder einen Zugang zu den entsprechenden Bereichen zu bekommen.

19:31: Die Bodenproben, in denen Spuren von Plutonium entdeckt wurden, wurden nach Angaben von Tepco bereits vor ca. einer Woche genommen. (spiegel)

17:35: Der Betreiber der Anlage Fukushima Daiichi (1), Tepco teilt mit, dass an fünf Stellen im Boden Plutonium entdeckt wurde. Tepco glaubt, dass das Plutionium von Kernbrennstoffen stammt. Die Konzentration sei allerdings nicht so hoch, dass Gesundheitsgefahren davon ausgehen.(kyodo). Die Entdeckung von Plutonium legt nahe, dass Brennstäbe beschädigt sind.

12:00: Der Spiegel bestätigt die Meldungen zum Trinkwasser (siehe 11:00). Trinkwasser soll nicht mehr aus offenen Gewässern gewonnen werden. Da dies ein Dilemma darstellt, da Japan den Großteil des Trinkwassers aus Flüssen und offenen Gewässern gewinnt, wurde eine Ausnahme zu dieser Regel eingeführt. Wenn es notwendig ist, um die Trinkwasserversorgung aufrecht zu erhalten, darf auch das Wasser aus Flüssen und offenen Gewässern weiterhin zur Trinkwassergewinnung verwendet werden. Wasserbassins sollen mit Folie abgedeckt werden um das Wasser vor radioaktiven Einträgen zu schützen. Damit ist für die Bevölkerung aber völlig unklar, wie belastet das Trinkwasser tatsächlich ist. Auch ist unklar, in wie weit in Flaschen abgefülltes Wasser betroffen ist.
Für den Außenstehenden erscheint die Maßnahme relativ hilflos.

11:30: Der japanische Regierungssprecher Edano bestätigt, dass die hohe Strahlenbelastung im Wasser des Reaktors No. 2 auf eine partielle Kernschmelze zurückzuführen sei und die zum Teil geschmolzenen Brennstäbe mit Kühlwasser in Berührung gekommen seien. (tagesschau)

11:00: Was zuletzt geschah:

 

Ticker vom Vortag –>>

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Ticker: Nuklearer Notfall in Japan – 2011-03-27

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Der #AntiAtomPiraten-Ticker (Tag 17):

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Ticker: Nuklearer Notfall in Japan – 2011-03-26

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Der #AntiAtomPiraten-Ticker (Tag 16):

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